Heiko Mell

Peinlichkeiten

Antwort:

Klaus B. aus A., Akademiker, Ende 30, hat durchaus Karriereambitionen. Diese verfolgt er derzeit auf dem Weg über Bewerbungen. Bis dahin ist alles in Ordnung.

Klaus B. hat natürlich auch ein Handy, trägt das ständig mit sich herum und ist überall jederzeit erreichbar. Na schön, wenn er das unbedingt will, soll er.

Nun ergab es sich, dass zwei gestandene Männer gleichzeitig ein Bedürfnis überkam, allerdings jeweils ein völlig anderes:Einer der beiden war Geschäftsführer desjenigen Unternehmens, bei dem sich Klaus B. beworben hatte. Dieser ranghohe Manager fand Gefallen an den Bewerbungsunterlagen und wollte den Kandidaten sprechen. Jetzt. Sofort. Ein Top-Manager eben. Just zu diesem Zeitpunkt musste Klaus B. eine öffentliche Toilette aufsuchen. Auch jetzt + sofort.

Da saß er nun, als das Handy klingelte und der Geschäftsführer am anderen Ende der „Leitung“ war. Dessen Namen er nicht kannte, sich aber auch im Moment nicht notieren konnte. Weil es ihm an Papier mangelte. Also eigentlich gab es schon Papier dort, aber schreiben Sie mal auf jenem.

Dafür nahmen die Peinlichkeiten weiter zu. „Nebengeräusche“ drangen aus den Nachbarkabinen – Spül- und andere Signale gelten kaum als passende Untermalung eines ersten Kontaktes beim Qualifizierungsprozess für eine Managementposition.

Als Trost: Gut, dass wir noch keine Kamera an jedem Handy haben und dass Duftübertragungen erst zum Standard der übernächsten Gerätegeneration gehören.

Ach ja, dann dröhnte noch ein Polizei-Martinshorn in das Gespräch hinein, so dass niemand mehr verstand, was der andere sagte.

In seiner Verzweiflung bat Klaus B. den Vorstand, ihm doch lieber eine E-Mail mit „schriftlicher“ Darlegung seines Anliegens zu senden. Die las er dann später zu Hause.

Wie ich an dieser spannenden Angelegenheit teilhaben durfte? Nun ich kenne Klaus B. Und ich gelte als Mann für schwierige Formulierungen. Eine solche stand jetzt an; galt es doch, dem Bewerbungsempfänger einen Brief mit angeforderten Informationen zu senden und dort auch eine Erklärung oder Entschuldigung für die unmöglichen Begleitumstände des telefonischen Kontaktes zu finden. Das ist uns auch gelungen – aber ob der Geschäftsführer damit glücklich wurde, wissen wir derzeit noch nicht.

Und die Moral von der Geschicht? Wer auf sich hält, erlebt so was nicht. Wie Sie das vermeiden, ist Ihr Problem.

Manchmal fragen mich Leser, wie man „Format“ bei Menschen erkennt. Hier ist eine mögliche Antwort: Solche Leute sitzen nie gerade auf einer öffentlichen Toilette, wenn man mit Ihnen telefoniert. Und wer immer erreichbar sein will, läuft Gefahr, mehr Schaden zu nehmen als Nutzen zu erzielen.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 116
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 20
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-05-22

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