Heiko Mell

Selektives Lesen dieser Beiträge verschenkt Effizienz

Antwort:

Nehmen wir einmal an, Sie wollten einem Menschen dabei helfen, ein Problem zu lösen, das er in Ihren Augen hat. Dann würden Sie zunächst einmal vor der Aufgabe stehen, ihm sein Problem bewusst zu machen: Er muss erst begreifen, dass er irgendwo Schwierigkeiten hat, bekommen wird oder was auch immer. Seien Sie versichert: Das ist der härteste Brocken überhaupt!

Viele Menschen akzeptieren zwar – die Ergebnisse lassen ihnen keine andere Wahl – dass sie irgendwo glücklos operieren, etwas falsch machen oder nicht so universell begabt sind wie es wünschenswert wäre. Aber sie gestehen sich das wahre Problem nicht ein, vermuten es auf dem völlig falschen Feld oder verwechseln Ursache und Wirkung.

Ganz besonders schlecht bestellt ist es um die Fähigkeit, das eigene Talent im Hinblick auf die Bewältigung von solchen Schwierigkeiten einzuschätzen, die im Moment nicht aktuell zu sein scheinen, die aber doch denkbar sind oder sogar wahrscheinlich irgendwann kommen werden.

Jetzt wollen Sie Beispiele lesen. Also

a) allgemein zum Problembewusstsein:“Ich finde derzeit keinen neuen Job. Meine Bewerbungen sind plötzlich erfolglos, irgend etwas mache ich derzeit falsch.“Die Analyse ergibt: Bewerbungstechnik ist hier gar nicht das Zentralproblem. Ursächlich ist hingegen seine Unfähigkeit, sich irgendwo dauerhaft zu halten. Vier Arbeitgeber in sieben Jahren: Jetzt „mauert“ der Markt erst einmal. Wenn man diesem Menschen helfen will, muss man seine Fähigkeit und Bereitschaft zum Durchstehen verbessern, ihm das Weglaufen als „Lösung“ bei Schwierigkeiten abgewöhnen. Die eigentlich von ihm gewünschte Verbesserung der Bewerbungstechnik verlagert nur alles ein Jahr in die Zukunft, mehr nicht.

b) das spezielle Beispiel zum Desinteresse an Problemen, die man derzeit (noch) nicht hat:
„Ich suche jetzt meinen ersten Job nach dem Studium. Was ich im Hinblick auf eine Karriere falsch machen kann, darum kümmere ich mich frühestens nach der ersten Beförderung, keinesfalls aber jetzt.“ Sprachs – und stellte die Weichen für Karriereprobleme in sieben Jahren.

Beide „Gattungsvertreter“ (zu a und b) signalisieren mir im Gespräch, sie läsen schon diese Karriereberatung – sofern der jeweilige Fall sie jetzt interessiere und beträfe. Das kann man tun, aber das verschenkt Möglichkeiten. Natürlich hat nicht jeder Leser stets auch jedes dargestellte Problem. Aber gerade die Beschäftigung mit Konstellationen, die „hier und jetzt“ (noch) nicht im Mittelpunkt stehen, schult, übt, bereitet vor. Wenn es erst „knallt“, ist es zu spät.

Schön, ich bin der Autor und damit ebenso voreingenommen wie auch von der Bedeutung meines Tuns für das Wohlergehen wenn schon nicht der Menschheit, dann doch der Leser der VDI nachrichten überzeugt. Aber zweierlei kann ich fast garantieren: In den vierzig Jahren zwischen 25 und 65 werden Sie mit fast allen Schwierigkeiten konfrontiert, die es überhaupt gibt. Und: Wenn Sie – zumindest diagonal – alles lesen, was in der Serie vorkommt, können Sie eigentlich kaum überrascht werden von irgendeinem Problem und dann „vor lauter Schreck“ falsch reagieren. Mir fangen heute zu viele Leserbriefe an mit „Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas …“. Kurz gesagt: Ich schon.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 115
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 20
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-05-10

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