Heiko Mell

Ferner liefen …

Antwort:

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ (Matthäus 12, 34). Oder sagen wir es etwas profaner: Das fällt ihm zuerst ein, wenn er, der Mensch, über ein bestimmtes Thema redet. Oder schreibt.

Und so steht, so lange der Mensch formuliert, in einer Aufzählung das Wichtigste oben. Ist es einmal aus politischen oder taktischen Gründen angebracht, genau dies nicht aussagen zu wollen, fügt man hinzu: „Die Reihenfolge ist keine Rangfolge.“ Logische Schlussfolgerung: Weil, wenn der Zusatz fehlt, die Reihenfolge eben doch dem Rang entspricht, so wie ihn der Schreiber empfand.

Ein vernünftiger Mensch wird also, zählt er mit einem bestimmten Zweck Argumente auf, die sein Anliegen stützen, mit den treffendsten beginnen. Bis dahin ist das alles keine Sensation. Die bahnt sich erst an, wenn der Mensch Bewerber ist. Dann nämlich vergisst er Prinzipien wie das hier besprochene. Und formuliert beispielsweise in seiner Vorstellung am Beginn des Anschreibens: „Ich bin 42, verheiratet und habe 3 Kinder.“ Bis dahin weiß der Leser noch nichts Substanzielles über ihn. Nichts über fachliche Kenntnisse und persönliche Qualifikationen, kein Wort, ob sein Wissen überhaupt zum „Thema“ passt, von Branchenkenntnissen oder sonstigen Feinheiten ganz zu schweigen.

Aber verheiratet ist er, das war ihm wichtig. Als ob er froh wäre, dass ihn eine genommen hat. Und die Kinder. Schön, ich bin sehr dafür, aber bei fehlender Fachqualifikation reißt gezeugter Nachwuchs die Bewerbung doch auch nicht heraus!

Selbstverständlich gilt das Prioritätssystem auch für die Aufzählung von Erfahrungswerten, durch die sich der Bewerber in Anschreiben oder Lebenslauf interessant zu machen glaubt. Gesucht wird ein neuer Mitarbeiter für einen Großserienhersteller. Der Bewerber listet auf, was er kennen gelernt hat: „Anlagenbau, Sondermaschinenbau, Serienproduktion.“ Der Leser sieht: Was ihn interessiert, ist im Erfahrungsspektrum dieses Kandidaten nur eine Randnotiz.

Oder wenn der Fertigungsleiter gesucht wird und der Kandidat sagt: „Meine Erfahrungen umfassen die Werksplanung und die Instandhaltung sowie das Qualitätsmanagement. Ferner liefen Aufgaben im Fertigungsbereich.“ Was er sicher nicht genau so schreibt – was aber der Leser wegen der Reihenfolge so empfindet (falls jemand fragt: Hingehört hätte hier beispielsweise etwas wie „Meine fundierten Fertigungserfahrungen in den Bereichen … werden ergänzt durch zusätzlich erworbene Praxis auf den Gebieten Werksplanung …“).

Und jetzt könnten Sie noch behaupten, das mache in der Sache doch keinen Unterschied. Macht es aber doch: Zusätzlich zum Reihen-/Rangfolge-Problem hat der Leser bei der falsch geordneten Aufzählung auch noch den Eindruck, der Kandidat habe das Problem, das er damit schafft, überhaupt nicht erkannt, er habe kein Gefühl für Prioritäten(!) und – am schlimmsten – er habe sich bei der Bewerbung absolut keine Mühe gegeben, sondern schlicht irgendetwas hingeschrieben. Vielleicht sogar etwas, das bei irgendeiner früheren Gelegenheit einmal gepasst hat und jetzt gedankenlos immer wieder neu ausgedruckt wird.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 114
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 18
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-05-02

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