Heiko Mell

Eine Absage ist kein Gottesurteil

Antwort:

Das Ziel der Bewerbung ist die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Kommt nicht sie, sondern eine Absage, haben Sie ein Problem. Sie wissen zunächst nur nicht, worin das besteht.

Es ist unter Bewerbern üblich, auf Absagen schulterzuckend zu reagieren: „Da kann man nichts machen, ich habe dort eben nicht hingepasst.“ So als sei die negative Entscheidung des Unternehmens oder Beraters ein Gottesurteil: definitiv, unabänderlich, korrekt und eben durch die nun einmal gegebenen Fakten bedingt.

Das jedoch ist absolut nicht so! Richtig ist: Wenn Ihre Bewerbungen mit Absagebriefen zurückkommen, haben Sie Fehler gemacht. Alles andere ist Augenwischerei.Diese Fehler können höchst unterschiedlicher Natur sein:

– „Verwerfungen“ in der beruflich relevanten Vergangenheit, dokumentiert durch den Lebenslauf und/oder Zeugnisse;

– Bewerbung um die falsche/unpassende Position;

– ungeschickte oder falsche Argumentation im Anschreiben, also ein schlechtes „Verkaufen“ des eigenen Anliegens;

– falsches Setzen von Schwerpunkten in der Lebenslauf-Darstellung;

– Fehler beim Bewerbungsaufbau – von der „Mappe“ bis zur Textlänge, von der Auswahl der Unterlagen bis zu fehlenden oder höchst überflüssigen Angaben, vom unangemessenen Foto bis zu sprachlichen Unzulänglichkeiten, die Ihr Bildungsniveau in Frage stellen.

Gemach. Gemach: Ich weiß auch, dass manche dieser Fehler zumindest jetzt Fakten sind, gegen die man vermeintlich nun nichts mehr tun kann. Aber zunächst gilt diskussionslos: Sie müssen die Fehler in Ihrer Bewerbung erst einmal kennen, sonst geht gar nichts! Und genau daran hapert es erfahrungsgemäß sehr.

Vielleicht resignieren Sie wegen Ihrer scheinbar aussichtslosen Situation, die durch zwei kurze Dienstzeiten in den achtziger Jahren und ein schlechtes Zeugnis aus den Neunzigern gekennzeichnet ist – scheitern aber in Wirklichkeit an ungeschickten Formulierungen hinsichtlich der Gründe für den jetzt anstehenden Stellenwechsel. Oder Sie wissen nicht, dass die Argumentation im Anschreiben in der von Ihnen gewählten Art eigentlich ausreichend durchdacht ist – wäre da nicht eine „Belastung“ des Werdeganges durch von Ihnen längst als unproblematisch eingestufte „Vorkommnisse“ aus früheren Jahren. So aber hätten Sie sich mehr Mühe geben und sorgfältiger formulieren müssen – weil der Leser, vorgeprägt und misstrauisch geworden durch jene „alten Geschichten“, alles aus späteren Zeiten förmlich „mit der großen Lupe“ betrachtet, was er sonst einfach abgehakt hätte. Und auch die „harten“ Fakten, die nicht so toll sind, kann man ggf. noch etwas „weniger falsch“ machen; durch eine Erklärung hier, ein geschicktes Unterdrücken da

…Wie auch immer; Sie müssen wissen, welche Fehler Sie in den Augen des Bewerbungslesers gemacht haben, wo er kritische Punkte sieht. Dann, aber eben auch erst dann, können Sie an einer aussichtsreichen Strategie arbeiten, die es – fast – immer gibt. Aber ohne das Wissen um das, was Sie falsch gemacht haben, gibt es keinen Lösungsansatz. Dieses Wissen vermittelt übrigens kaum der Absender der Absage, da müssen Sie sich bei Bedarf schon um fachkundige Unterstützung kümmern.

Es ist schon erstaunlich, wie selten Bewerber nach den wahren Ursachen für Absagen fragen. Es scheint fast, die Akzeptanz von „Gottesurteilen“ fällt ihnen leichter …

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 105
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-02-28

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