Heiko Mell

„Angstgegner“ Anschreiben? I

Antwort:

Der Läufer läuft, der Trinker trinkt – und der Bewerber bewirbt sich. Allerdings tut Letzterer Letzteres ganz offensichtlich nicht gern, absolut nicht. Und ich, der sich schon auf so vieles einen Reim machen konnte, weiß einfach nicht, warum.

An dem, worauf die Bewerbung abzielt, hängt die Existenz, also extrem viel. Ein Aufwand von 100 Stunden wäre keineswegs unangemessen – viele spielen länger Tennis, waschen öfter Auto oder mähen häufiger ihren Rasen. Und: ein Zehntel der genannten Zeit reicht bereits absolut. Aufwand kann es also nicht sein, was die Abneigung verursacht.

Was bleibt dann? „Bevor ich mir die Arbeit mache, meine Unterlagen aufzubereiten, …“, begründen potenzielle Bewerber oft ihren Anruf beim Aufgeber einer Stellenanzeige. Und schaudern erkennbar davor, das dann schließlich doch tun zu müssen.

Woraus besteht diese „Arbeit“? Ich seheden Lebenslauf: So schlimm ist die sachlich-neutrale Darstellung doch wirklich nicht. Man nimmt sich ein Muster (zum Beispiel mein kostenlos offeriertes) und trägt dort seine Daten ein. Ich schwöre, die Einkommensteuer-Erklärung ist schweißtreibender (und öfter fällig!).

Das Herausnehmen der wichtigsten Zeugnisse aus der Schublade und das Anfertigen von Fotokopien. Ein Witz.

Das Beibringen eines Fotos. Macht jeder Fotograf und fast jede Foto-Drogerie in Minuten (wenn auch „schöne“ Bilder länger dauern).

Das Beschaffen eines Umschlags plus Briefmarke sowie eines Plastikordners. Geht samstags beim Brötchenholen.

Das Anschreiben. Gestaltung eines Briefes auf „weißem Papier“, Darstellung eines sachlichen Anliegens in sachlicher Form – unter Berücksichtigung einiger spezieller Aspekte.

Mehr ist nicht, beim besten Willen nicht. Was also ist davon so schrecklich, dass man den Eindruck hat, das Anfertigen einer Bewerbung sei tatsächlich geeignet, bei erwachsenen Akademikern irgendetwas zwischen Abneigung und Angstschweiß hervorzurufen?

Schön, was oben beispielsweise unter „Lebenslauf“ steht, ist nur die „Pflicht“ dieser Disziplin. Es gibt auch noch die „Kür“ – unverzichtbar für Anspruchsvolle: Man feilt an der sachlichen Standardversion herum, nimmt hier etwas weg, fügt dort etwas hinzu, betont jetzt ein Detail, unterdrückt bei der nächsten Version ein anderes – alles, um auch den Lebenslauf gezielt auf die jeweils angestrebte Position auszurichten. Man nennt z. B. das Thema der Diplomarbeit – wenn es zum „Thema“ der jetzt angestrebten Position passt. Man lässt es weg, wenn das Gegenteil der Fall ist – ein Wink in die falsche Richtung ist kritischer als gar keiner.

Oder man umschreibt das Diplomthema, um es dabei zumindest in die richtige Richtung zu biegen („Die Diplomarbeit behandelte eine Aufgabenstellung aus der Konstruktionstechnik unter Einsatz der Methode Finiter Elemente“ ist eleganter als die „nackte Wahrheit“, in der es um Dampfturbinen ging, wenn Sie sich jetzt für die Fahrwerkentwicklung bei Autos qualifizieren wollen. Beispielsweise). Das also kann auch nicht die so gefürchtete „Arbeit“ sein, das ist doch mit wenig Aufwand verbunden, klar, einfach, nachvollziehbar – und macht Spaß!

Bleibt als Lösung des Problems das Anschreiben, ich sehe nichts, was sich sonst anböte: Das Stück weißen Papiers oder der leere Bildschirm. Und trotz nach wie vor bestehender Bedenken habe ich mich entschlossen, das konkret und beispielhaft als Generalvorlage abzuhandeln. In der Folge II zu diesem Thema, in einer Woche.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 103
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 5
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-02-12

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