Heiko Mell

Freude machen soll der Job

Antwort:

„Ich will“, so umreißen jüngere Bewerber oft ihre Zielsetzung, „nur eine Arbeit tun, die mir Freude macht.“ Das ist ein großes Wort, gelassen ausgesprochen. Und irgendwie empfinde ich so hohe Anforderungen immer als Drohung: „Macht gefälligst, dass ich Freude habe, sonst …“Jemand hat mir erzählt, in einer großen Tageszeitung hätte eine Karikatur gestanden: Der Vater steht dort vor seinem Sohn und moniert in etwa: „Was hast du? Spaß an der Arbeit? Dann machst du irgendwas falsch!“ Einmal abgesehen vom Unterschied zwischen Freude und Spaß (eine Spaßgesellschaft sind wir mitunter fast, eine Freudengesellschaft hat noch niemand ausgerufen): Der Vater dort hätte ich sein können.“Ich will nur Mammuts jagen, wenn mir das Freude macht“, sagte der Steinzeitmensch – und ist vermutlich verhungert. Von dem stammen wir also nicht ab. Eher von seinem Sippenkameraden, der auch dann jagte, wenn damit gerade keine Freude verbunden war. Man musste schließlich essen. Nun haben wir entwickelt – uns allgemein weiter und Maslow seine Bedürfnishierarchie (bei der unten an der breiten Basis Grundbedürfnisse wie Essen und oben an der schmalen Spitze hehre Ziele wie Selbstverwirklichung stehen). Wir leben überwiegend vom Ertrag unserer Arbeit, dieselbe dient – wie schon in der Steinzeit – zuerst der Befriedigung von Grundbedürfnissen. Dann erst kommen andere Aspekte zum Zuge.

Schon daraus folgt, dass der Job nicht nur Freude machen kann, ein großer Teil des täglichen Tuns dient ausschließlich erst einmal der „nackten“ Existenzsicherung. Schön, wenn man auch daran Freude haben kann. Aber jeden Morgen anzutreten mit dem Wunsch, stets nur Dinge zu tun, die rundum Spaß machen, wäre ein bisschen viel verlangt vom Leben.

Als lebenserfahrener Zuhörer hat man bei der Kenntnisnahme von „Freude“ an erster Stelle einer Forderungsskala leicht ein Gefühl als hätte man auf eine Zitrone gebissen. Nicht zuletzt die Lebensläufe sehen oft so aus als hätte der Betroffene sich gefragt: „Habe ich an diesem Arbeitsplatz täglich die optimale Freude? Nein! Also weg hier.“ Und der nächste Job ist natürlich auch nicht besser, die Konsequenz „weg“ ist wieder dieselbe.

Habe nun ich als Berater eigentlich Freude an meiner Tätigkeit? Grundsätzlich ja. Nur: Es gibt ganze Tage, da stelle ich mir die Frage lieber nicht. Und auf eine Reihe von Aspekten könnte ich, wenn Sie so fragen, ganz verzichten. Und andere, wo wir schon dabei sind, könnte man gern völlig anders gestalten. Und wenn ich jetzt akribisch prozentual ermitteln müsste, welcher Anteil an meiner Tätigkeit …, dann könnte mich (und Sie) das erschrecken.

Aber: Insgesamt überwiegt die Freude doch. Weil ich gern arbeite, Leistung erbringe, Probleme löse, mich mit Anforderungen auseinandersetze. Ich hatte Freude an der Schule, am zweijährigen Maschinenbau-Praktikum, am Studium, an meiner Tätigkeit im Konzern und jetzt als Berater. Und ich hätte es auch, wenn ich ein Lager in der Möbelindustrie leiten müsste, beispielsweise. Und daher glaube ich, dass es eine Frage der inneren Einstellung ist – und dass die Forderung des Bewerbers, der angestrebte Job müsse ihm Freude machen, ins Leere geht. Falscher Denkansatz, verstehen Sie? Er muss sie bringen, die Freude, nicht fordern.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 100
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-01-01

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