Heiko Mell

Dank Umstrukturierung herrscht Chaos auf breiter Front

Frage 1:

Seit mehr als zehn Jahren hatte ich (Mitte 40) für ein Unternehmen als Serviceingenieur für sehr komplexe hochwertige Produkte gearbeitet. Dann wurde das Unternehmen vor etwa zwei Jahren von einem Konzern übernommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich eine Art Team-/Gruppenleiter (Supervisor) im Kundendienst. Die Stelle wurde aufgrund kontinuierlichen Wachstums neu geschaffen. Ich führe ein Team von Serviceingenieuren innerhalb einer Region fachlich und berichte an den Kundendienstleiter mit überregionaler Verantwortung. Allerdings gibt es meine Position firmenintern nicht, für die Personalabteilung bin ich immer noch „Ingenieur X. Ranges“; ich habe aber die schriftliche Bestätigung, dass ich nach außen als „Supervisor“ auftreten darf.

Antwort 1:

Was jetzt noch kommt, muss im Chaos enden. Was steht eigentlich in Ihrem Vertrag oder in Ihrer Stellenbeschreibung oder wie heißt Ihre Position im offiziellen Organigramm? Als dieses Durcheinander offiziell durch den Brief der Personalabteilung bestätigt wurde, hätten Sie wissen können, dass aus diesem Unternehmen nichts Gutes mehr kommen kann.

Frage 2:

Ich persönlich differenziere nicht zwischen innen und außen, vertrete konsequent meine Supervisor-Rolle und bin damit bisher gut gefahren. Ich sehe nicht immer jeden Punkt genau so wie mein Chef, ich teile ihm meine Meinung mit (hört, hört; H. Mell) und dann setze ich um, was beschlossen wird.

In meiner neuen Position habe ich bisher schon öfters eine positive Rückmeldung betreffend Leistung und Auftreten erhalten, sowohl von meinem Vorgesetzten als auch von anderen Mitarbeitern, darunter waren auch andere Führungskräfte.

Antwort 2:

Sie machen das Chaos fröhlich mit, kümmern sich nicht um Einschränkungen Ihres Status durch die Personalabteilung, sondern gestalten Ihren Job eher nach Ihren eigenen Vorstellungen. Das ist gefährlich. Sie sehen offenbar viele Punkte nicht so wie Ihr Chef. Das ist auch gefährlich. Wenn Ihr Chef sich das alles gefallen lässt, ist er schwach – das wäre auch gefährlich. Dass Sie fachlich tüchtig sind, glaube ich gern, aber darum geht es hier nicht. Nein, aus dieser „Gemengelage“ kann nichts Positives herauskommen. Schauen wir mal weiter:

Frage 3:

Mehrmals hat mein Vorgesetzter gesagt, wenn er in den nächsten Jahren in Rente gehen würde, dann wäre ich sein Wunsch-Nachfolger (Ich lese Ihre Artikel in den VDI nachrichten regelmäßig und mir ist klar, dass nicht er, sondern andere darüber entscheiden werden).

Mittlerweile wächst unser Geschäftsbereich noch stärker, eine bestimmte Produktlinie wächst geradezu explosiv. Vor einem halben Jahr kündigte mein Vorgesetzter eine weitere Umstrukturierung an. Er arbeite daran – in Abweichung von den Ideen des Topmanagements –, eine Stelle als Supervisor für die stark wachsende Produktlinie zu schaffen und eine als Servicemanager für eine Großregion. Die letztgenannte Position wurde mir in Aussicht gestellt. Vor einigen Monaten sagte er mir, das Konzept und die Position seien von seinen Vorgesetzten genehmigt worden, wir könnten jetzt an einer Umsetzung arbeiten.

Dann muss irgendetwas passiert sein. Jedenfalls hat mein Chef mich kürzlich wieder auf das Thema angesprochen: Er könne seine Zusage nicht einhalten und müsse lediglich einen ihm unterstellten Servicemanager für die wachsende Produktlinie einstellen. Damit hat sich die mir in Aussicht gestellte Position in Luft aufgelöst. Die neue Position wurde mir nicht angeboten.

Jetzt sehe ich drei Optionen:

  1. a) Ich mache weiter wie bisher. Durch die Umstrukturierung werden zwar ein bis zwei Mitarbeiter und einige Kunden aus meinem regionalen Zuständigkeitsbereich abgezogen, ich glaube aber, das Weitermachen wäre meinem Vorgesetzten am liebsten.
  2. b) Ich bewerbe mich um die neue Servicemanager-Stelle für die wachsende Produktlinie. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich dort den Erwartungen gerecht werden kann. Auf Anfrage hat sich mein Vorgesetzter zurückhaltend dazu geäußert.
  3. c) Ich könnte mir in- oder extern eine neue Herausforderung suchen. Sähe das aber nicht nach beleidigter Leberwurst aus und wäre das nicht illoyal?
  4. d) Wie sähe es in unserem Konzern mit weit mehr als 5000 Mitarbeitern aus, wenn ich mich intern bewerbe und abgelehnt würde? Gewogen und zu leicht befunden?

Ich freue mich, Ihren Rat zu hören.

Antwort 3:

Ihr Vorgesetzter, der eine Umstrukturierung „in Abweichung von den Ideen des Topmanagements“ betreiben wollte, war ziemlich naiv. Ich traue seiner zwischenzeitlich gemachten Aussage nicht, das Konzept sei von seinen Chefs genehmigt worden – und ich glaube nicht, dass er in Sachen seiner Nachfolge belastbare Zusagen machen kann. Sie haben derzeit „nichts“, selbst Ihre heutige Position gibt es offiziell gar nicht.

Zu a) Das dürfte erst einmal die klügste Lösung sein. Es wäre ja gegenüber Ihrem heutigen „freischwebenden“ Status schon ein großer Fortschritt, wenn Sie endlich die offizielle Bestätigung als Supervisor bekämen, kämpfen Sie darum. Denken Sie nur an ein mögliches Zeugnis. Dort stünde diese Position vermutlich nicht einmal drin.

Zu b) Ihr Chef hat Ihnen keine „Zusage“ und noch nicht einmal eine Empfehlung zur Bewerbung um diese Position gegeben. Er hat sich auf Ihre Frage hin „zurückhaltend geäußert“ und Sie selbst zweifeln auch an Ihrer Eignung: Lassen Sie die Finger davon.

Zu c) Jeder – eigentlich sogar Ihr Chef – muss Verständnis haben, wenn Sie sich nach so viel Chaos eine anderweitige Position suchen.

Zu d) Jeder Sportler, der antritt um zu siegen, riskiert eine Niederlage. Die muss er dann wegstecken. Aber Sie wären nach einer abgelehnten internen Bewerbung im Hause endgültig „verbrannt“ und sollten dann auch aus diesem Grund das Unternehmen verlassen. Sie und diese Firma passen ohnehin schlecht zueinander.

 

Frage-Nr.: 2.988
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1-2-3
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2019-01-11

Von Heiko Mell

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