Heiko Mell

An ihren Namen sollt(et) ihr sie erkennen

Frage/1:

Ihre Ratschläge lese ich seit vielen Jahren mit größtem Vergnügen, auch wenn ich als „kleiner Selbstständiger“ keinen direkten Nutzen davon habe.

Antwort/1:

Und ich lese solche lobenden Sätze mit noch größerem Vergnügen, wenn nicht „Sehr geehrter Herr Moll“ darüber steht. Ich halte es mit dem Schauspieler Curd Jürgens (der „normannische Kleiderschrank“, berühmt u. a. durch seine Hauptrolle in „Des Teufels General“ im Jahre 1955), der gesagt haben soll: „Was die Zeitungen über mich schreiben, ist mir egal, Hauptsache ist, dass mein Name richtig geschrieben wird.“

Sie, liebe Leser, sehen es an meiner Reaktion: Schreiben Sie niemals den Namen eines Menschen falsch, von dem Sie etwas haben wollen – und sei es einen Dialog über irgendein Thema. Er wird es als Missachtung interpretieren und entsprechend reagieren (auch wenn er im Gegensatz zu mir so tun würde als berühre es ihn nicht): Aber hier passt dieses Nischenthema so gut zur Überschrift, da konnte ich nicht anders.

Frage/2:

(In Frage 3.055 ging es um die Schwierigkeit, bei manchen ausländischen Namen das Geschlecht und/oder den Nachnamen sicher erkennen zu können; H. Mell):

Als Vertriebsunternehmen bekommen wir auch Bestellungen von Kunden, deren Namen in unserem bekannten Namenssystem nicht einem Geschlecht zugeordnet werden können. Abgesehen davon, dass im Italienischen z. B. „Andrea“ auch ein männlicher Vorname sein kann, geht es hier vor allem um Namen aus der arabischen, türkischen oder asiatischen Kultur.

Wir helfen uns ganz pragmatisch damit, diesen Namen in der Google-Bildersuche einzugeben – in den allermeisten Fällen ergibt sich anhand der dort erscheinenden Bilder ein eindeutiger Hinweis, ob der Kunde bzw. die Kundin weiblich oder männlich ist.

Antwort/2:

Ich gebe das gern weiter (und hoffe auf eine Vermittlerprovision von Google). Leider habe ich zwei sachliche Einwände: 1. Es ist grundsätzlich die Aufgabe des „Problemträgers“, eine Lösung herbeizuführen. Es ist weniger an dessen Partner, der den Ärger damit hat, auch noch aufwendig zu recherchieren. Das kann bei einem kundenorientierten Vertriebsunternehmen zwar anders gesehen werden, aber im ursprünglichen Beitrag ging es um Bewerber. Für sie gilt meine Aussage uneingeschränkt.

  1. Mit einem Bild klären Sie zwar eventuell die Geschlechtsfrage, Sie wissen dann aber immer noch nicht, wo der Vorname aufhört und wo der Nachname anfängt.

Da ich gerade dabei bin: Es ist schön, wenn man vor lauter Bemühen um politische Korrektheit überall vorsichtshalber ein „in“ dranhängt. Aber Ihre Formulierung mit dem Kunden, der weiblich und der Kundin, die männlich sein könnte, ist so nicht haltbar.

Frage-Nr.: 3.067
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2020-27-03

Von Heiko Mell

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