Meine Karriere stagniert

Frage/1: Ich habe das Gefühl, dass meine Karriere stagniert. Ich bin Bauingenieur, seit fünf Jahren bei einem Bauunternehmen tätig. Dort habe ich nach meinem Studium als Projektingenieur angefangen, inzwischen bin ich Anfang 30. In den ersten Jahren habe ich sehr viel gelernt, war überall mit dabei und fand die Zeit aufregend. Dabei habe ich Statiken angefertigt für Brücken, Stützwände und allgemein für Ingenieurbauten.

Antwort:

Antwort/1:Nur in seltenen Fällen übernehme ich einen Einsendungstext unbearbeitet im Original. Je nach Sachlage streiche ich Unwichtiges, korrigiere ich Fehler oder Unverständliches und anonymisiere ich Angaben.Hintergrund dafür ist die Erfahrung, dass der typische Leser die Einsendung und meine Antwort als eine Art „Gesamtkunstwerk“ begreift und wertet. Wenn ihn schon die Frage wegen eklatanter Schwächen in der Darstellung abstößt, interessiert ihn auch die Antwort nicht mehr. Außerdem nehmen viele Leser gedruckten Text als Orientierungsbeispiel für eigene Formulierungen – die Serie trägt hier eine gewisse Verantwortung.Also, geehrter Einsender, habe ich auch Ihren bisher hier abgedruckten Text etwas überarbeitet. Im Original besteht er aus sechs Sätzen, die alle (!) mit „Ich“ anfangen. Sie sollten darüber einmal nachdenken. Wenn man sich auf der einen Seite derart extrem als ichbezogen outet und auf der anderen Seite berufliche Probleme hat, so könnte da durchaus ein Zusammenhang bestehen, vorsichtig gesagt.Frage/2:In letzter Zeit hat sich mein Engagement jedoch verflüchtigt. Ich erhalte keine Verantwortung, es gibt keine spannenden Projekte mehr. Das Gehalt stagniert. Die Situation ist frustrierend, und ich möchte eine Veränderung.Was raten Sie mir? Welche Arbeitgeber können mir eine spannende Stelle bieten? Dabei spielt es für mich auch eine Rolle, mehr Verantwortung übernehmen zu können und dafür entsprechend entlohnt zu werden.Antwort/2 (allgemein):Grundsätzlich ist ein Abflauen der ursprünglichen Begeisterung für einen neuen Job nach etwa fünf Jahren völlig normal. Dies gilt insbesondere für Berufseinsteiger nach dem Studium (denen man es zumeist sogar nachsieht, wenn sie schon nach zwei Jahren entsprechend „nervös“ werden).Nicht ohne Grund gilt die Regel für ehrgeizige Mitarbeiter: So etwa alle fünf Jahren sollte man befördert werden – sofern weiterer Aufstieg angestrebt wird. Dieser Schritt wird Ihnen derzeit verwehrt, das trägt natürlich ebenfalls zu Ihrer Frustration bei.Nun gibt es zwei denkbare Gründe für einen Nicht-Aufstieg im Rahmen durchschnittlicher Zeitabläufe: a) Es gibt derzeit in Ihrem Unternehmen keine geeignete Aufstiegsposition. So etwas kommt in kleinen Firmen häufig, in Konzernen nur sehr selten (z. B. bei extrem enger, unglücklicher fachlicher Spezialisierung) vor.Die klassische Abhilfe ist der Arbeitgeberwechsel, wobei Sie selbst nach „spannenden“ Aufgaben suchen müssen.b) Ihr Arbeitgeber kann durchaus zu dem Schluss kommen: „Wir kennen ihn jetzt lange genug, um uns über seine Stärken und Schwächen völlig im Klaren zu sein. Seinen Job mag er behalten, aber befördern möchten wir ihn nicht.“Nur zur Klarstellung: Auf „echte“ Beförderungen besteht in der freien Wirtschaft generell kein Rechtsanspruch – nicht nach fünf und nicht nach dreißig Berufsjahren. Die einzige Basis: Der heutige (oder ein neuer) Arbeitgeber muss nach Prüfung im Rahmen seiner individuellen Maßstäbe (!) zu dem Schluss kommen, der Mitarbeiter habe bzw. zeige die erforderliche persönliche (!) und fachliche Qualifikation für einen „besseren“ Job.Und dann gilt immer noch a) als mögliche Bremse.Nun schauen wir mal, was bei Ihnen aus Ihrer kurzen Schilderung an für b) relevanten Faktoren hervorgehen könnte:1. „In letzter Zeit hat sich mein Engagement … verflüchtigt.“ Das ist absolut tödlich im Hinblick auf Beförderungsambitionen. Mehr Verantwortung bekommt, wer seine bisherigen Aufgaben höchst engagiert, mit nie erlahmendem Interesse und stets hervorragenden Resultaten erfüllt (wiederum nach den Maßstäben des Arbeitgebers). Dieser Satz ist nicht verhandelbar, Ausreden werden nicht akzeptiert. Weder „langweilige Tätigkeiten“ noch „stagnierende Gehälter“ entlasten einen solchen Kandidaten.2. Jeder erfahrene Chef sieht einem sich frustriert fühlenden und so auftretenden Mitarbeiter diese Gemütslage an – und denkt nicht daran, ihn etwa als Therapie mit hochwertigeren Aufgaben zu betrauen oder sein Gehalt zu erhöhen – im Gegenteil könnte er versucht sein, ihn loswerden zu wollen.3. Das Gehalt scheint eine große Rolle bei Ihrer Betrachtung der Gesamtlage zu spielen. Auch hier gilt wieder: Ein real oder so empfundenes „zu niedriges“ Gehalt ist keine akzeptierte Ausrede für eine vom Arbeitgeber als schlecht empfundene Leistung oder als zu schwach eingestufte Qualifikation.Es ist mühsam bis äußerst schwierig, im bisherigen Aufgabenfeld und auf derselben Hierarchiestufe bleiben und dabei deutliche Gehaltssprünge machen zu wollen. Der elegantere, langfristig aussichtsreichere Weg besteht darin, sich für einen kontinuierlichen Aufstieg zu qualifizieren – damit sind weit höhere Gehälter verbunden, in jedem Fall auf lange Sicht.Übrigens: Wer sich nicht sehr überzeugend qualifiziert („verflüchtigtes Engagement, frustriert“ etc.), aber nach mehr Gehalt strebt, nervt seine Vorgesetzten erheblich.Antwort/2 (speziell):Sie tragen einen Vor- und Nachnamen, der auf ausländische Wurzeln schließen lässt. Ich kenne Ihren Lebenslauf nicht, aber mitunter gibt es in solchen Fällen Persönlichkeitsprägungen, die zwar fast nie die Berufsausübung im sachbearbeitenden Bereich beeinträchtigen, aber bei der Beurteilung der Qualifikation im Hinblick auf einen Aufstieg gerade im persönlichen Bereich eine Rolle spielen können. Das könnten sprachliche Schwierigkeiten im mündlichen Bereich (Akzent) ebenso sein wie vielleicht Mentalitätsunterschiede.Ich möchte von meinen kritischen Lesern nicht missverstanden werden: Niemand wird wegen eines ausländisch klingenden Namens abgelehnt; aber wenn jemand in den Augen seiner Vorgesetzten den hier üblichen Denk- und Verhaltensstandards nicht voll gerecht wird, hat er bei Beförderungen Schwierigkeiten. Das ginge auch einem Mitarbeiter so, dessen Großeltern schon hier aufgewachsen sind und geprägt wurden.Geradezu tragisch oder einfach nur symptomatisch, geehrter Einsender, ist dieses: Ihr Brief gibt sprachlich zu keinen besonderen Beanstandungen Anlass. Aber Sie wollten mehr Verantwortung – und sind in beiden Fällen bei der Benutzung gerade dieses Wortes gescheitert: Einmal heißt es in Ihrem Original „Verantwort“, später „Veratnwort“ (in beiden Fällen ohne „ung“). Das ist fast schon tragisch. Weil man zumindest schreiben können sollte, was man werden oder haben will.

Kurzantwort:

Dass eine anfängliche Begeisterung für einen neuen Job nach etwa fünf Jahren abflaut, ist normal. Nur merken sollte der Arbeitgeber das nicht.

Das Grundprinzip der Erlangung jeder besseren Position lautet: Leiste erst, verdiene später (oder werde später befördert). Daraus folgt: Wer einmal aufhört mit dem besonderen beruflichen Engagement, wer frustriert wirkt oder gar destruktiv, ist raus aus dem Rennen um die besseren Plätze.
Frage-Nr.: 2880
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 18
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-05-04

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