02.01.2016, 12:47 Uhr

Anspruchsvolle Elternzeitvertretung oder nicht?

Ich bin Absolvent eines Uni-Masterstudiums (Maschinenbau), Ende 20 und war zunächst knapp ein Jahr über ein Zeitarbeitsunternehmen als Entwicklungsingenieur bei einem Konzern eingesetzt. Leider wurde der entsprechende Projektauftrag nicht verlängert. Seit etwa einem weiteren Jahr bin ich bei einem international renommierten Mittelständler einer anderen Branche tätig. Ich bin dort „Produkt- und Projektmanager“ im Business Development und unterstütze als Stabsstelle hauptsächlich die Business Development Manager, die für verschiedene Produktbereiche zuständig sind, in unterschiedlichen Projekten. Kürzlich wurde ich zudem in ein wichtiges Projekt integriert, das im Hause besondere Bedeutung hat. Jetzt ist eine der Business Development Managerinnen, zuständig für die Geschäftsentwicklung eines Marktes/Kontinents mit hohem Potenzial, schwanger geworden. Unser gemeinsamer Vorgesetzter hat bei ihr gleich meinen Namen als Vertretung ins Spiel gebracht. Prinzipiell reizt mich die Aufgabe, da sie mir u. a. die Möglichkeit eröffnet, mehr internationale Erfahrung zu sammeln. Dagegen spricht die zeitliche Begrenzung, da meine Kollegin nach einjähriger Elternzeit zumindest in Teilzeit wieder arbeiten möchte. Und es spricht dagegen die drohende Entfernung vom Produkt, da es bei der Aufgabe hauptsächlich um die Eröffnung von Länder-Offices geht und nicht um Themen, welche ich derzeit bearbeite. 1. Soll ich dem von meinem Vorgesetzten schon indirekt geäußerten Vertretungswunsch folgen (und damit Flexibilität beweisen)? 2. Sollte ich nach Möglichkeit im Gespräch mit ihm meine oben genannten Einwände darlegen und eine flexible Ausgestaltung der Vertretung vereinbaren, um die Priorität auf meine bisherigen Projekte legen zu können und die neuen Aufgaben nur darüber hinausgehend wahrzunehmen?3. Wäre es sinnvoll, die Personalabteilung hinzuzuziehen, um dies in der Personalakte zu fixieren? 4. Soll ich um ein Zwischenzeugnis bitten und/oder eine Gehaltserhöhung vorschlagen?

Antwort:

Ihr Chef hat u. a. das Problem, dass er einen bestimmten „Markt/Kontinent mit großem Potenzial“ entwickeln, also zu Umsätzen von erheblicher Bedeutung führen soll. Nun wird die zuständige Dame schwanger. Äußerst ärgerlich, so etwas. Aber Katastrophen sind dazu da, überstanden zu werden. Einen berufserfahrenen externen Spezialisten, der für ein Jahr vertretungsweise einspringt, findet er nirgends. Also schaut er nach dem noch sehr jungen, recht unerfahrenen Stabsmann in seiner Abteilung. „Stab“ bedeutet, es ist schon wichtig, was dort gemacht wird, aber es auch kein wirklicher Beinbruch, wenn es mal eine Weile nicht gemacht wird. Der Mann ist also irgendwie entbehrlich, zumindest vorübergehend.Schön, Wunder wird er in dieser Vertretung nicht vollbringen, dafür ist er noch „zu grün“, aber mit ihm gäbe es dann wenigstens eine Anlaufstelle, man könnte ihn an Brennpunkte hinreisen lassen; der Chef müsste sich ohnehin in der Zeit selbst darum kümmern, aber der junge Stabsmann könnte ihn entlasten dabei. Glauben Sie mir: Mehr ist nicht dran.Und es gilt: Wenn der Chef eine Idee zur Lösung eines in seiner Zuständigkeit liegenden Problems hat bzw. einen konkreten Vorschlag äußert, dann empfiehlt es sich, ihm zu folgen – und ihn nicht durch eine Absage zu enttäuschen. Außer man hat extrem gute Gründe – die Sie nicht haben. Oder man sitzt extrem fest in seinem Sattel – was Sie noch nicht tun.Sie sind Ende 20, da ist man draufgängerisch, risikofreudig und fürchtet weder Tod noch Teufel. Natürlich weiß kein Mensch, wie das ausgeht, natürlich können Sie scheitern und natürlich ist mit der Frage, was anschließend aus Ihnen wird, ein Risiko verbunden. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.Zu 1 also JA!Und den Rest vergessen Sie, vor allem die Geschichte mit der Gehaltserhöhung. Erst helfen Sie dem Chef erfolgreich durch das schwierige Jahr des Ausfalls einer Mitarbeiterin. Dabei lernen Sie ungeheuer viel und können Ihre verborgenen Talente ans Licht bringen. Und was dann kommt, klären Sie gemeinsam.Wichtig ist mir noch eine Empfehlung zu Ihrer Frage 2: Fragen Sie Ihren Chef nach den Prioritäten, er legt diese fest. Packen Sie Fakten auf den Tisch („wenn das so und so ablaufen würde, hätte das diese und jene Konsequenzen“), aber äußern Sie keine Bedenken. Damit haben sich schon andere Leute in die Nesseln gesetzt. Bedenken Sie: „Nur nicht ängstlich“, sprach der Hahn zum Regenwurm – und fraß ihn.

Kurzantwort:

Service für Querleser:
Mit Ende 20 kann man deutlich mehr „wagen“ als mit Ende 40. Und wenn dann noch der Chef quasi dazu ermuntert …
Frage-Nr.: 2839
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-10-13

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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