Heiko Mell

Degradierung droht

Frage/1: Als Basisinformation finden Sie im Anhang meine damaligen Bewerbungsunterlagen zu meiner aktuellen Anstellung, das damalige Stellenangebot liegt ebenfalls bei. Alle Gespräche, die vor gut 1,5 Jahren bei diesem Unternehmen geführt wurden, waren sehr nahe am Thema der Anzeige: Das Thema Mitarbeiterführung wurde sogar noch betont.

Frage/2: Seit 1,5 Jahren arbeite ich nun als Ingenieur für Instandhaltung in einer Meisterposition. Mit einigen anderen Meistern organisiere ich die Arbeit von fast 50 gewerblichen Mitarbeitern, von denen mir eine sehr kleine Anzahl disziplinarisch und mehrere weitere Mitarbeiter fachlich unterstellt sind. Zusätzlich bin ich im Projektgeschäft (Maschinenbeschaffung) für unser Werk tätig.

Die Arbeit ist für mich eine Herausforderung und macht mir großen Spaß. Das Feedback von allen Seiten ist sehr gut. Seit einiger Zeit bin ich als Nachfolger für einen Meisterkollegen mit deutlich größerer Personalverantwortung eingeplant.

Nun zum Problem:

Frage/3: Das oberste Management hat entschieden, in unserem Werk eine spezielle technische Kapazität aufzubauen. Wegen meiner langjährigen Erfahrung auf einem bestimmten Gebiet aus meiner Tätigkeit in der früheren Position beim „alten“ Arbeitgeber steht mein Name weit oben auf der Wunschliste für die neue (sehr kleine) Abteilung. Dort gibt es den Abteilungsleiter schon. Meine Personalverantwortung und meine Managementaufgaben würden auf ein Minimum reduziert (mein Gehalt würde man jedoch nicht antasten). Damit wäre ich wieder auf dem Status von vor sechs Jahren: Projektingenieur.

Ich habe inzwischen meine Ablehnung betont. Bei einer Versetzung würde ich mich extern umsehen. Bin ich zu ehrgeizig? Könnte man den internen Wechsel später glaubhaft beschreiben oder liest man nur „Beim Führen gescheitert“?

Antwort:

Antwort/1:

Da es im weiteren Verlauf der Angelegenheit um Führungsaufgaben geht, analysieren wir diesen Aspekt zum Bewerbungszeitpunkt:

a) Ihre „alte“ Position lt. Lebenslauf war die eines Projektingenieurs in der Automatisierungstechnik. Sie sind Dipl.-Ing. (Univ.) mit Examensnote besser als 2,5, waren damals Anfang 30 und ca. fünf Jahre in diesem Job. Das Unternehmen war klein, Sie hatten keine Führungsaufgaben personeller Art.

b) Die Anzeige der angestrebten Position lautete auf „FH-Ingenieur in der Instandhaltung“, es war als neunter von zehn Punkten von der „Führung unterstellter gewerblicher Mitarbeiter“ die Rede.

c) In Ihrem Bewerbungsanschreiben sprachen Sie von „auch leitenden Aufgaben“, die Ihnen damals (beim alten Arbeitgeber) oblegen hätten und von fehlenden Möglichkeiten, die Führungsaufgaben weiter auszubauen. Der Lebenslauf deckt das nicht.

 

Antwort/2: Das Problem kommt gleich, jedenfalls das, welches Sie meinen. Das eigentliche Problem, das irgendwann zwangsläufig zu weiteren Schwierigkeiten führen muss, ist in Ihren obigen Ausführungen umrissen: Natürlich darf man als Dipl.-Ing. (Univ.) mit vorzeigbarem Abschluss und „im besten Mannesalter“ auch Meisterstellen einnehmen, Mitarbeiter führen, die sonst von Meistern geführt werden und man darf sich darüber freuen, als Nachfolger eines Meisters auserwählt worden zu sein. Aber die Qualifikation eines Uni-Ingenieurs liegt – je nach Betrachtung – zwei bis drei komplette Stufen über der eines Meisters, das Uni-Studium ist wissenschaftlich ausgerichtet und vermittelt eine ganz andere Dimension an Wissen. Volkswirtschaftlich gesehen ist das eine Verschwendung von Ressourcen, keine Frage. Und selbstverständlich ist damit nichts, aber auch gar nichts gegen Meister gesagt, die viele Funktionen ausüben, denen man Rückgrat-Status in einer Industriegesellschaft zusprechen muss.

Sie sind Uni-Absolvent, hatten sich um eine FH-Position beworben und sind jetzt Inhaber einer Meisterstelle. Das kann man machen. Aber das riecht geradezu nach Problemen. Muss ich erwähnen, dass es natürlich auch Positionen gibt, die auf die Qualifikation von Uni-Ingenieuren abgestimmt und auch mit Führungsaufgaben verbunden sind? Oder dass man mit deutlich geringerem Aufwand in Schule und Universität gleich Meister werden kann?

 

Antwort/3: Sie spüren bei meinen obigen Antworten, wie zurückhaltend ich Ihren bisherigen Weg sehe. Gehen Sie ruhig davon aus, dass Ihre höheren Chefs das ähnlich einstufen: „Arbeitet der arme Kerl mit seiner Top-Ausbildung da total unter Wert. Wir bieten ihm einen seiner Qualifikation angemessenen Job, da kann er richtig loslegen. Die Frage der Personalführung stellt sich? Was führt er denn? Noch nicht einmal drei Leute disziplinarisch, die stehen noch dazu vier Qualifikationsstufen unter ihm; dafür kann er im neuen Job endlich einmal (oder wieder) so richtig die fachlich angemessene Herausforderung stemmen; müsste ihn doch freuen, der Wechsel.

Wie, das heute macht ihm auch noch Spaß? Wer fragt uns denn, was uns Spaß macht? Die Belange des Unternehmens erfordern seinen Einsatz da, wo es uns am meisten nützt. Er droht mit Kündigung? Dann ist er kein Verlust für uns. Müssen wir eben einen neuen Meister für die Instandhaltung einstellen. Aber dann einen richtigen Meister, keinen überqualifizierten Mann, der sich verweigert.“ Oder so ähnlich.

Niemand versteht Sie. Ich glaube, Sie sind auf einem schwierigen Weg, in- wie extern. Wenn Sie sich extern um eine Meisterstelle bewerben, wird man Ihnen mit Misstrauen begegnen.

PS: Es wäre schon viel gewonnen, wenn Sie das Wort „Meister“ komplett aus Ihrer Geschichte strichen. Dann wären Sie Dipl.-Ing. (Univ.), der eine FH-Position bekleidet und wieder so etwas sucht – kein auffallendes Problem weit und breit, wenn Sie sich bewürben.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2618
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 15
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-04-10

Top Stellenangebote

PERO AG-Firmenlogo
PERO AG Vertriebsingenieur (m/w/d) International Königsbrunn
Stadt GÖTTINGEN-Firmenlogo
Stadt GÖTTINGEN Stadträtin / Stadtrat Göttingen
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG-Firmenlogo
KEOLIS Deutschland GmbH & Co. KG Referent Betriebsplanung (m/w/d) Hamm
DYWIDAG-Systems International GmbH-Firmenlogo
DYWIDAG-Systems International GmbH Ingenieur (m/w/d) für den Vertrieb von geotechnischen Systemen Königsbrunn
Dr. Schmidt & Partner Group-Firmenlogo
Dr. Schmidt & Partner Group Kalkulator (m/w/d) Infrastrukturprojekte Stuttgart,München, Großraum Nürnberg
über Dr. Schmidt & Partner Group-Firmenlogo
über Dr. Schmidt & Partner Group Bau- / Projektleiter (m/w/d) Infrastrukturprojekte Stuttgart, Großraum Nürnberg
DeguDent GmbH-Firmenlogo
DeguDent GmbH Keramikingenieure (m/w/divers) Entwicklung Strukturwerkstoffe Hanau
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH-Firmenlogo
MSA Technologies and Enterprise Services GmbH New Product Development Project Manager / Tender Manager Operations (w/m/d) Berlin
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen Technischer Sachbearbeiter mit taktischen Anteilen (m/w/d) Duisburg
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Elektroingenieur / Ingenieur als Planer von Elektroanlagen (m/w/d) Stuttgart

Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: K…