Heiko Mell

Mein Chef will mich nicht als Nachfolger

Frage/1: Ich bin „um die 40“, Dipl.-Ing. (FH), komme ursprünglich aus dem Bereich Service und Inbetriebnahme der Branche X, die bei oberflächlicher Betrachtung durchaus als etwas speziell gelten könnte (jedenfalls aus dem Blickwinkel meines heutigen Umfeldes).

Seit etwa vier Jahren bin ich verantwortlich für einen Bereich der Technik (u. a. Instandhaltung) in einem Produktionswerk eines großen Konzerns der chemischen Industrie. Ich trage erhebliche Personalverantwortung. Die Aufgabe macht mir sehr viel Spaß und (fast) alle Randbedingungen sind gut.

In zwei bis drei Jahren möchte ich die Position meines Vorgesetzten als Technischer Leiter und stellvertretender Werkleiter übernehmen, wenn mein Chef in Rente geht.

Frage/2: Ich arbeite sehr eng mit dem zuständigen HR-Manager zusammen. Von ihm habe ich erfahren, dass mein Vorgesetzter einen möglichen Nachfolger benennen soll. Daraufhin habe ich meinen Chef kürzlich angesprochen und die Frage nach möglicher Karriereentwicklung gestellt. Er empfahl mir, nach ca. fünf Jahren in meiner aktuellen Position den nächsten Karriereschritt innerhalb unseres Konzerns zu suchen. Eine konkrete Möglichkeit in unserem Werk hat er nicht aufgezeigt, von seiner Nachfolge hat er nicht gesprochen.

Erwartungsgemäß kam dann seine Frage nach meinen Ideen und Vorstellungen. Darauf habe ich direkt seine Nachfolge als nächsten Schritt ins Gespräch gebracht.

Leider war seine Antwort wenig konkret. Wenn er gefragt würde, könne er drei Namen dafür nennen, einer davon wäre meiner. Über die Besetzung der Position werde aber maßgeblich auch vom Vorstand unseres Teilkonzerns entschieden. Er hätte darauf wenig Einfluss. Ich bin mit diesem offenen Ergebnis nicht zufrieden.

Frage/3: Jener HR-Manager hat mir beiläufig die Information zukommen lassen, dass ich mich mehr „an anderer (höherer?) Stelle“ ins Gespräch bringen müsste, um weiterzukommen.

Meine Idee ist, dass ich mir in den nächsten Monaten einen Termin beim nächsthöheren Vorgesetzten (Werkleiter) hole, um mich als Nachfolger ins Gespräch zu bringen. Ist das ein gangbarer Weg, kann ich mich dabei verbrennen? Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vorgesetzten und möchte das nicht riskieren.

Frage/4: Ein fremdes Werk meiner Branche aus der Umgebung sucht einen neuen Technischen Leiter. Ein beauftragtes Personalberatungsunternehmen hat um meine Unterlagen gebeten. Ein Gespräch steht an.Ich bin der Meinung, dass ein kurzfristiger Wechsel etwas zu früh für mich wäre. Wie ist Ihre Meinung?

Frage/5: Wie ist Ihre grundsätzliche Meinung zur Gestaltung/Darstellung meines Lebenslaufs?

Antwort:

Antwort/1:

Ich muss hier für die anderen Leser eine Besonderheit Ihrer Branche erläutern: Im Maschinenbau und in verwandten Bereichen ist der Technische Leiter eine Stufe unterhalb der GF angesiedelt und Chef u. a. von Entwicklung/Konstruktion und Produktion, dazu hat er die Instandhaltung etc. In der Chemie und in ihr ähnlichen Bereichen ist der Technische Leiter im Prinzip für die Produktionsanlagen, ihre Konzeption und ihren reibungslosen Betrieb zuständig. Die laufende Produktion untersteht ihm nicht, die Produktentwicklung schon einmal gar nicht.

Warum das von Bedeutung ist? Weil Technische Leiter aus der Chemie, die sich um eine Technische Leitung im Maschinenbau bewerben, häufig nicht verstehen, dass sie Äpfel mit Birnen vergleichen und nicht die Spur einer Chance haben. Und umgekehrt.

 

Antwort/2:

Er will Sie nicht als Nachfolger haben, sein Verhalten ist typisch dafür. Erst redet er gar nicht über den ja doch allseits bekannten Fall seiner Nachfolge, dann macht er Sie zu einem Kandidaten von mehreren, schließlich bringt er den Vorstand ins Spiel – was immer auch entschieden wird, er will es nicht gewesen sein.

Grundsätzlich gilt: Man halte eine angestellte Führungskraft (Gegenbeispiel: Inhaber) aus der Suche nach ihrem oder doch wenigstens aus der Entscheidung über ihren Nachfolger heraus. Dafür gibt es mehrere sehr gute Gründe. Wenn Ihr HR-Manager recht hat, ist Ihr Chef jedoch tatsächlich in die Suche nach einem Nachfolger an entscheidender Stelle eingeschaltet.

Aber: Ob mit oder ohne direkten Einfluss auf die Neubesetzung der eigenen Position: Ihr Chef könnte niemals garantieren, dass Sie den Job bekommen, denn direkt zuständig dafür sind seine Chefs. Aber um Sie zu verhindern, reicht seine Macht in jedem Fall. Denn:

Gutes über andere will der Mensch bewiesen sehen, Schlechtes dagegen glaubt er sofort.Ob Ihr Vorgesetzter nun letztlich zuständig ist bzw. bleibt für die Nachfolgefrage oder nicht: Wenn er „oben“ erklärt, Sie könnten das nicht, sind Sie „tot“ für diese Überlegungen.

 

Antwort/3:

Sehen Sie, und genau das mit dem sehr guten Verhältnis glaube ich nicht!Nach landläufigen Vorstellungen schlösse „sehr gut“ mehr Verständnis Ihres Chefs für Ihren Wunsch hinsichtlich seiner Nachfolge ein – und einen Platz von Ihnen weiter oben auf seiner Kandidatenliste. Er jedoch scheint über Sie zu denken: „Ganz guter Mann, aber mehr nicht …“ Fazit: Sie haben ihn in den letzten Jahren nicht von Ihrem Potenzial für Ihr mögliches Treten in seine Fußstapfen zu überzeugen vermocht. Und diese zurückhaltende Einstellung Ihnen gegenüber hat er natürlich inzwischen längst intern kommuniziert.

Was den Termin beim Werkleiter angeht: Das Vorhaben könnte Ihnen durchaus auch schaden. Wenn nämlich dieser nächsthöhere Chef Ihren direkten Vorgesetzten über Ihren entsprechenden Vorstoß informiert (50% Wahrscheinlichkeit) ärgert sich letzterer.Aber diesen einzelnen Termin hat der HR-Manager ja auch gar nicht gemeint! Sie sollen nicht mit diesem einen Mann sprechen, Sie sollen bei der höheren Führungsetage „im Gespräch sein“, man soll Sie kennen, schätzen, über Sie reden und Sie „automatisch“ ins Kalkül ziehen, wenn über interessante Positionen gesprochen wird. Das ist ein Projekt für Jahre intensiver Bemühungen, mit einem einzigen Termin ist da nichts zu gewinnen. Es gilt (es hätte gegolten), immer wieder einmal „höheren Orts“ mit Leistungen, Vorschlägen, Initiativen aufzufallen – an Ihrem Chef vorbei, ohne damit sein Missfallen zu erregen. Das geht, erfordert aber ein hohes Maß an Energie, taktischem Geschick und Fingerspitzengefühl. Oder sagen wir es so: Wenn man das nicht kann, kann man auch nicht so leicht Chef-Nachfolger werden.

Ich erinnere mich an ein Beispiel: Es war einmal ein kleiner Junge, dessen Schule bekam einen neuen Direktor. Und die interessierten Eltern fragten beim Essen, wie der neue Schulchef denn so wäre. Der, so der Kleine, sei ganz in Ordnung. Und setzte gelassen hinzu: „Kennt mich, grüßt mich.“ Das war – übertragen auf jenes Umfeld – das, was hier gemeint ist.

Karriere ist mit guter Fachqualifikation allein kaum zu machen. Das, was darüber hinausgeht, ist erfolgsentscheidend.

Ich fürchte, aus heutiger Sicht haben Sie eher geringe Chancen, die Nachfolge Ihres Chefs anzutreten.

Entlastend für Sie ist in dem Zusammenhang, dass Sie in einem Konzern tätig sind, in dem viele Mitarbeiter sehr viel längere Dienstzeiten als Ihre paar Jahre haben und dass Sie als Seiteneinsteiger aus völlig anderer Branche mit sicher auch anderen Strukturen kamen. „In der Wolle gefärbt“ waren Sie in dieser Umgebung erst einmal nicht.

 

Antwort/4:

Hier bietet sich eine Möglichkeit, mehr ist es zunächst nicht. Und der Personalberater sammelt potenzielle Kandidaten, er entscheidet aber nicht über die Positionsbesetzung.

Sie sind „um 40“, das Alter ist gut für fast jede Position. Sie haben deutlich über zehn Jahre Berufspraxis, das ist für jede mittlere Führungsposition ausreichend. Seit acht Jahren sind Sie stellvertretend mit Führungsaufgaben betraut, seit knapp vier Jahren führen Sie mit großer Personalverantwortung. Ihre Dienstzeit beim heutigen Arbeitgeber ist recht kurz, Ihr Chef will Sie nicht als Nachfolger, Sie selbst wollen aufsteigen, hätten aber einen Zeitpunkt in zwei Jahren als ideal gesehen. Das ist die Ausgangslage.

Die Anfrage allerdings kommt jetzt. Intern wird es wohl in zwei Jahren keine Chance geben; welche Lage dann am Arbeitsmarkt gegeben ist, wissen wir nicht. Wenn Sie auf Ihrer heutigen Position noch zwei Jahre warten, aber intern nicht befördert werden, sind Sie jeden Tag ein wenig mehr frustriert.

Ich würde es ab sofort extern versuchen. Diese Anfrage des Beraters ist ein erster Schritt auf dem Weg, vielleicht schon der entscheidende für Sie.

Es gibt niemals vollkommene Sicherheit, weder bei der Auswahl des Zeitpunktes, des neuen Jobs, des neuen Arbeitgebers oder des neuen Chefs. Beherztes Zugreifen, wenn sich eine Chance am Wegesrand auftut, ist durchaus eines der Erfolgsgeheimnisse.

Oder Sie folgen den Intentionen Ihres Chefs und halten sich für eine solche Position eher nicht geeignet.

 

Antwort/5:

Nun, wir können den leider nicht für die anderen Leser abdrucken, daher nur so viel:

Sie haben sich nach dem Muster auf meiner Homepage gerichtet, das gefällt mir schon einmal. Sie könnten jedoch frühe Facharbeiter-Tätigkeiten „Berufserfahrungen vor dem Studium“ nennen, dann kann man sie leichter einordnen und von der späteren Praxis trennen. Die einzelnen Unterpunkte zu den eingenommenen Positionen liegen mit bis zu zehn an einer (gerade noch akzeptablen) Obergrenze.

Aber drucken Sie die Seiten einmal aus, dann sehen Sie, dass z. B. die wichtige heutige Position durch Seitenumbruch auseinandergerissen wird, was unschön ist. Alles andere ist überzeugend.

Kurzantwort:

1. Wer intern Karriere machen will, sollte rechtzeitig daran arbeiten, auch in den Etagen oberhalb seines Chefs bekannt und akzeptiert zu sein. Dabei ist Fingerspitzengefühl erforderlich!

2. Wenn Ihr Chef auf Ihrer Seite ist, kann der Karriereerfolg dennoch nicht garantiert werden. Wenn er aber gegen Sie ist, lässt sich der Misserfolg vorhersagen.

Frage-Nr.: 2579
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-09-19

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