Heiko Mell

Auch „auf eigene Faust“ ins Ausland

Nachdem ich in meiner Erststelle als Dipl.-Ing. (FH) rund zehn Jahre bei einem großen deutschen Konzern als Patentingenieur tätig war und schon immer auch ins Ausland wollte, bot mir der Konzern eine Stelle in Brasilien an, was meine Familie jedoch ablehnte.

Ich ging dann „auf eigene Faust“ für die Schwedische SKF Kugellagerfabrik für vier Jahre in eine Patentabteilung in die Niederlande.

Bedingt durch die anstehende Einschulung der Kinder ging es wieder zurück nach Deutschland, wo ich dann auch aufgrund meiner Auslandserfahrungen die Leitung der Industriepatentabteilung der deutschen Tochter eines französischen Konzerns übernehmen konnte, was wohl ohne diese internationale Praxis nicht möglich gewesen wäre. Hier war ich dann 25 Jahre lang Abteilungsleiter, bis ich mit 65 in den offiziellen Ruhestand ging.

Vielleicht könnten Sie Ihr Urteil, auf eigene Faust ins Ausland zu gehen sei „gewagt“, dahingehend abschwächen, dass dies dann risikoloser ist, wenn man im Ausland bei namhaften Firmen tätig wird, die auch grenzübergreifend bekannt sind. Von irgendeinem Entwicklungsland würde ich abraten.

Antwort:

Ich folge gern Ihrer Anregung und gebe Ihre Erfahrungen hier weiter.

Wir müssen aber auch sehen, dass Sie ganz spezielle (positive) Voraussetzungen hatten:

a) Ihre zehn Anfangsjahre bei einem deutschen Top-Konzern (ich kenne den Namen) öffneten Ihnen noch Jahre später viele (Bewerbungs-) Türen.

b) Ihre fachliche Schiene war durchgängig ein enges Spezialgebiet, innerhalb dessen Ihre Tätigkeit im Ausland absolut zu Ihrem früheren und Ihrem späteren Engagement in Deutschland passte.

c) Man kann über die Niederlande (Gutes!) sagen was man will, aber es ist ein uns doch sehr nahestehendes europäisches Nachbarland, kein „anderer Kulturkreis“.

d) Ihr ausländischer Arbeitgeber war ein ebenfalls europäischer Konzern, dessen Name hier einen sehr guten Klang hat. Sie hatten ideale Voraussetzungen bei Ihrem „Experiment“, formal im Ausland zu arbeiten (für die Schweden in den Niederlanden), dabei aber noch ziemlich heimatnah eingesetzt worden zu sein. Und da Ihr nachfolgender Arbeitgeber ebenfalls in einem (anderen) direkten Nachbarland zu Hause ist, fand der das alles toll. Leider passt nicht immer alles so gut zusammen.

Frage-Nr.: 2560
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 20
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-05-17

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