Heiko Mell

Manager, 50, arbeitslos, sucht …

Frage/1: Als F!-Fan und einer der Fans von Ihnen, sind Sie für mich der „Niki Lauda“ der Karriereberatung. D. h. Sie zeigen Kompetenz, Erfahrung und Klarheit in der Beurteilung der Zuschriften bzw. der darin beschriebenen Fragen, Probleme oder Situationen, wie es ganz selten zu finden ist.

Frage/2: Von der „Pike auf“ habe ich über den 2. Bildungsweg den Einstieg als Ingenieur (Verfahrenstechnik, FH) in den Anlagenbau geschafft. Es war ein mühsamer Weg, aus einer Arbeiterfamilie der Erste zu sein, der plötzlich studiert. Zehn Jahre habe ich – bei verschiedenen Unternehmen – als Projektingenieur und Projektleiter Anlagen mit umwelttechnischen Schwerpunkten für Kunden geplant und realisiert. Solange bis der Markt im Jahr 2000 zusammenbrach und nicht mehr attraktiv für mich war.

Deshalb wechselte ich in das Facility Management bei einer deutschen Gesellschaft eines amerikanischen Konzerns (2000 – 2005). Ich hatte eine harte Schule zu durchlaufen, habe aber sehr viel gelernt, wofür ich sehr dankbar bin.

Frage/3: Meinen nächsten Job hätte ich gern bis zum Ende meines Berufslebens gemacht. Ich war Manager Technische Dienste in der Tochter eines internationalen Konzerns, zuständig für die Ver- und Entsorgung eines Standortes.
Nun, leider wechselte mein Vorgesetzter in ein anderes Unternehmen, da der höchste Chef ein Führungsverhalten hatte „wie die Axt im Walde“. Es gelang mir, danach fast ein Jahr „abzutauchen“, um bloß nicht in die Schusslinie zu kommen. Aber schließlich kam es so wie von meinem ausgeschiedenen Vorgesetzten vorhergesehen: Ich musste einen Aufhebungsvertrag nach vier Beschäftigungsjahren unterschreiben.

Diesen Verlust zu überwinden, dafür habe ich lange gebraucht. Denn ich hatte diesen Job – und dieser mich – ausgefüllt. Ich war (bzw. wir als Familie waren) glücklich gewesen.

Frage/4: Über meine persönlichen Kontakte gelang es mir, eine neue Position mit nahtlosem Anschluss zu bekommen:Ich sollte als Fachmann und Führungspersönlichkeit das Geschäftsfeld des Technischen Gebäudemanagements aufbauen. Der kommerzielle Erfolg, für den ich nach wenigen Monaten noch nicht verantwortlich sein konnte, war unbefriedigend. Dies und die Art, wie ich meine vielfältigen Aufgaben umsetzte bzw. wie die GF das wahrnahm, führten zur fristgerechten Kündigung nach knapp einjähriger Dienstzeit.Eine denkbare Alternativlösung bei einem großen Konzern zerschlug sich, so dass ich nun erstmals Arbeitssuchender bin.

Frage/5: Trotz intensiver Bewerbungstätigkeit (50 Stck.), Recherchen, Kontakten und Gesprächen ist der Erfolg bis jetzt nicht zufriedenstellend. So stehe ich im Moment nur mit einem konkreten Angebot einer auf sechs Monate befristeten Anstellung zum halben bisherigen Gehalt da.
Mein Outplacementberater hat die Tendenz erkennen lassen, eher diese Position nicht anzunehmen, sondern die Zeit zu nutzen, um mit voller Kraft eine adäquate Position zu finden. Diese Meinung vertritt auch meine Frau.

Ich hingegen möchte wieder arbeiten, weil es mir gut tut und ich mich danach sehne. Außerdem werden sich im Laufe der Zeit hoffentlich Vakanzen ergeben, die ich auch aus dieser befristeten Position heraus annehmen könnte. Was raten Sie mir?

Antwort:

Antwort/1: Danke, das ist sehr freundlich von Ihnen. Aber verstanden habe ich das alles nicht, nicht einmal andeutungsweise.

Mit „F!“ kann ich z. B. überhaupt nichts anfangen, da kommt mir noch nicht einmal eine Idee. Mit Niki Lauda ist das anders. Aber, wenn ich im Gedächtnis krame, kommt da zutage (wenn etwas davon falsch ist, tut es mir leid, aber ich zitiere bewusst nur, was ich zu wissen glaube): Österreicher, erfolgreicher, ja berühmter Formel 1-Rennfahrer, irgendwo in einen Brandunfall geraten, schwere Gesichtsverletzungen, er fährt längst keine Rennen mehr, das liegt alles viele Jahre zurück. Später dann Unternehmer der Fliegerei (Lauda-Air), was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Na schön, aber was verbindet mich mit Niki Lauda? Ich finde den Ansatz nicht. Wie soll ich Probleme lösen, wenn ich die Beschreibung nicht verstehe? Was habe ich mit Herrn Lauda gemein?Aber wir haben ja noch das ominöse „F!“. Nun, ich kann nicht alles wissen. Wofür hat man einen Assistenten? Meiner ist 25 und weiß öfter einmal Dinge, von denen ich nur sehr vage Vorstellungen habe. Testen wir ihn.

Er braucht etwa sechs Sekunden, dann hat er es. „F!“ ist gar nicht F!, sondern F1. Also natürlich nicht direkt F1, das kann man auch nicht sagen. Aber gemeint war vom Einsender F1. Weil: Auf der PC-Tastatur lägen das „!“ und die „1“ auf einer Taste. Und wer eine 1 drücken wolle, aber irgendwie nicht oder falsch umschalte, drucke dann eben ein „!“. Das sei ja bekannt. Klar? Klar. Wenn das so ist, warum schaltet man überhaupt noch um und sagt nicht immer X, wenn man Y meint? Aber das ist vermutlich Ketzerei.

Also F1. Was aber ist das? Formel 1 – klar? Der Blick des jungen Mannes wird mitleidig. Also gut, F1 passt dann zu Herrn Lauda. Aber dessen aktive Zeit liegt Jahre, vielleicht Jahrzehnte zurück. „Der kommentiert F1 im Programm eines Privatsenders.“ Den ich aber nach Möglichkeit meide (obwohl ich dort schon einmal aufgetreten bin). Weil ich dessen Zielgruppenhöchstalter längst überschritten habe, und Programm-Almosen brauche ich nicht. Also Herr Lauda kommentiert Formel 1- Rennen für Leute bis 49; jetzt habe ich’s. Und ich mache meine Sache so gut wie er seine Kommentare. Hoffentlich erheitert ihn der Vergleich. Mit Sicherheit fährt er schneller Auto als ich, immer noch. Obwohl ich gerade heute wieder geblitzt wurde, immerhin.

 

Antwort/2: Ich bearbeite einzelne Phasen getrennt, sonst wird es für die Leser unübersichtlich.Ihre Funktion bei diesem Unternehmen könnte man lt. der Beschreibung im Zeugnis als „Führungsposition in Instandhaltung/Wartung/Anlagenverfügbarkeit“ mit mehr als 10 unterstellten Mitarbeitern umreißen.Dieses Zeugnis sagt: „… er beherrschte sein Arbeitsgebiet souverän“, „er wurde seiner Aufgabe … gerecht“, „… die ihm übertragenen Aufgaben hat er stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt“. Und dann steht – in anderer Formulierung – darunter „Wir haben ihn gefeuert“. Ohne vorgeschobene konkrete Gründe, ohne irgendwelches Bedauern oder den Versuch einer Entlastung dieses Mitarbeiters.

Am Rande bemerkt und mit großer Zurückhaltung überhaupt erwähnt: Im letzten Satz heißt es „Wir wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft …“. Einem unbestätigten(!) Gerücht nach, das durch unser Metier geistert, hat das auffällige, weil ja auch sachlich falsche Vorziehen der privaten vor die berufliche Seite einen Hinweischarakter (Probleme im privaten/persönlichen Bereich). Aber das ist unbewiesen, die Aufzählungsreihenfolge kann auch zufällig sein. Nur: Stünde das in einem Zeugnis mit „Ausscheiden auf eigenen Wunsch“, „stets zur vollsten Zufriedenheit“ und „zu unserem außerordentlichen Bedauern“, würde man die Schultern zucken. Hier aber sucht man ja nach einer Erklärung für das plötzliche unfreiwillige Ausscheiden, das der Arbeitgeber nicht bedauert.Wir stehen also im Jahr 2005 – und es sieht nicht so gut aus bei Ihnen. Die Chance für Sie: Bei den Bewerbungen in jener Zeit spielt dieses Zeugnis noch keine Rolle, Sie bekommen den nächsten Job, ohne dieses Dokument vorlegen zu müssen bzw. zu können.

 

Antwort/3: Das ist eigentlich eine äußerst fatale Wiederholung der Entwicklung beim vorigen Arbeitgeber. Allein hier narrt Sie Ihr Gedächtnis: Das Problem gibt es gar nicht! Jedenfalls nicht nach der so wichtigen „Aktenlage“. Ihnen wird in einem Zeugnis von angenehmer Länge ein Ausscheiden auf eigenen Wunsch bescheinigt; man bedauert das zwar nicht, bedankt sich aber für die stets sehr gute und produktive Zusammenarbeit. Und man gewährt Ihnen das Prädikat „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“, was der „Schulnote“ sehr gut entspricht. Und Ihr Lebenslauf weist am Tag nach dem Ausscheiden ein neues Arbeitsverhältnis aus.

Im Gegensatz zu Ihrer Darstellung ist das hier der positive Höhepunkt Ihrer ganzen Laufbahn ohne jegliches Problem(!). Es sei denn, Sie „erfinden“ ein solches.Also müssen Sie diese Phase auch so verkaufen wie die „Aktenlage“ es hergibt: erfolgreich, toll, super, alles bestens. Sie sind – noch nicht einmal auffällig früh – freiwillig gegangen, weil Ihr Chef ausgeschieden war und daraufhin Neustrukturierungen mit unkalkulierbaren Risiken drohten. Aber natürlich war das, lange bevor irgendeine Art von Ärger auf Sie zugekommen ist oder hätte zukommen können. Wie das „Gesetz“ es befahl. (Frei nach Schillers Übersetzung des Gedenkdistichons für die gefallenen Soldaten bei den Thermopylen).

Wenn Sie im Hinblick auf dieses Arbeitsverhältnis im mündlichen oder schriftlichen Bereich des Bewerbungsprozesses irgendwelche Schwierigkeiten durchschimmern lassen, ist dies „selbstmörderisch“, da unnötig.Wir stehen jetzt im Jahr 2009 – und die Dinge sehen wieder deutlich besser aus.

 

Antwort/4: Sie waren zuletzt bei einem Gebäudedienstleister zuständig für Instandhaltungs- und Änderungsarbeiten sowie für die Kosten der betreuten Anlagen im Bereich Ver- und Entsorgung. Das entsprechende Zeugnis ist trotz der kurzen Dienstzeit angenehm lang, das wirkt durchaus positiv.

Die wesentlichen Aussagen sind durchweg „gut“, die Gesamtwertung „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ liegt auf dieser Ebene. Am Schluss steht die „nackte“ betriebsbedingte Kündigung, immerhin mit ausdrücklichem Dank für die „produktive Zusammenarbeit“, das Ausscheiden wird „sehr bedauert“ (das ist von der Logik her angreifbar, aber man erkennt den guten Willen, etwas Nettes zu sagen).

Hier wird die gar nicht so schlechte Gesamtbeurteilung durch die kurze Dienstzeit mit arbeitgeberseitiger Entlassung „aufgefressen“, gegen die extrem negativen Fakten kommt der Eindruck aus der Bewertung nicht an.

 

Antwort/5:

a) Wir hatten eingangs die – eher amüsante – „F!“-Geschichte. Jetzt schreiben Sie auf Ihrer E-Mail an diese Zeitung, die lt. Sendeprotokoll am 19. Mai d. J. einging, „A-Stadt, den 19. März“ und legen dann Ihre Fallschilderung bei, die Sie auch auf den 19. März datieren. Nachdem ich viel Mühe auf das „Aufdröseln“ dieses Rätsels verwendet habe, glaube ich schlicht, dass Sie innerhalb eines Vorgangs zwei Mal März mit Mai verwechseln. Hier ging es ja nur um mich, aber wenn Sie das im Tagesgeschäft oder bei Bewerbungen auch so machen, ist das sehr bedenklich!

b) Die „realen Fakten“ Ihres Falles sind: 50 Jahre, zunächst tätig gewesen im Fachgebiet X, dann zu Y gewechselt. Seitdem drei Arbeitsverhältnisse gehabt, in allen auf Arbeitgeberwunsch „gegangen worden“, heute arbeitslos. Diese Kombination ist fatal bis hoffnungsarm!

c) Die „verkaufbaren Fakten“ sind besser: 50 Jahre bleiben, der Fachgebietswechsel auch. Für das erste unfreiwillige Ausscheiden seitdem müssten Sie – nur fürs Vorstellungsgespräch, in der schriftlichen Bewerbung gehen Sie darauf nicht ein – eine sachliche Erläuterung finden, die natürlich nichts mit Ihrer Person zu tun haben darf. Nicht Sie wurden aktiv entlassen, die Position wurde bei einer Neustrukturierung gestrichen – und Sie waren ohne eigenes Zutun überflüssig.

Den Ärger mit dem zweiten Arbeitgeber hat es nie gegeben! Nehmen Sie in Anspruch, was das Zeugnis Ihnen bescheinigt: alles sehr gut, ausgeschieden auf eigenen Wunsch. Es ging Ihnen gut, Sie sind auf die Ausschreibung des 3. Arbeitgebers „hereingefallen“, die Ihnen suggerierte, dort ginge es noch besser. Ihr Fehler, Sie hätten bei Nr. 2 bleiben sollen. Aber der Job dort sei leider inzwischen anderweitig besetzt.

Die dritte Katastrophe ist offiziell die einzige. Dieses völlig anders strukturierte Unternehmen ist von Voraussetzungen ausgegangen, die sich leider als unrealistisch erwiesen. Ihr Fehler, Sie hätten das erkennen müssen (oder erkennen, dass man das von außen gar nicht erkennen konnte).Dann nehmen Sie den befristeten Vertrag an. Denn: Alles ist besser als nichts. Arbeitslos ist nichts. Ende der Diskussion. Und: Weiterführung des Bewerbungsprozesses neben dem neuen befristeten Job mit aller Kraft.

d) Sie müssen dann unbedingt darauf achten, im Vorstellungsgespräch genau so zu argumentieren: beim ersten Unternehmen unschuldiges Opfer einer strukturellen Konzernentscheidung im fernen Amerika, beim zweiten war alles(!) super, beim dritten hatten Sie nicht erkannt, dass die Erwartungen unerfüllbar waren, Ihr Fehler. Und den befristeten Vertrag haben Sie angenommen, weil Sie die Hoffnung auf endgültige Übernahme hatten. Jetzt, wo Sie dort sind, sehen Sie, dass daraus wohl nichts werden kann. Also müssen Sie wieder extern suchen. Und Sie müssen natürlich bundesweit umzugsbereit sein!

Kurzantwort:

1. Drei arbeitgeberseitige Entlassungen nacheinander in Verbindung mit einem Alter von 50 und Arbeitslosigkeit sind eine Katastrophe.

2. Wie ein Arbeitsverhältnis „ausgegangen“ ist, entscheidet die „Aktenlage“, nicht das Gefühl, oder die Erinnerung des betroffenen Mitarbeiters. Wer über ein Arbeitsverhältnis „tolle Papiere“ hat, hatte dort auch keine Probleme. Und umgekehrt.

Frage-Nr.: 2492
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-06-16

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