Heiko Mell

Bin Berufseinsteiger, will aufsteigen

Ich arbeite seit Kurzem als Konstruktionsingenieur in einem Unternehmen und bin u. a. für die Optimierung einer Produktpalette zuständig. Ich habe mein Maschinenbaustudium (Uni) mit der Fachrichtung Konstruktion vor wenigen Monaten abgeschlossen. Ich hatte zuvor schon ca. fünf Jahre zum größten Teil als freiberuflicher Technischer Zeichner neben meinem Studium gearbeitet.

Wie kann ich am besten meine Karriere fortsetzen/planen? Ich möchte langfristig gesehen eine leitende Position oder gar ins Management.
Daher habe ich an ein zweijähriges MBA-Studium neben dem Job gedacht. Was halten Sie davon?
Welche MBA-Hochschulen würden Sie mir im Raum … empfehlen?
Ist ein MBA überhaupt sinnvoll oder gar Voraussetzung, um als Ingenieur aufzusteigen?

Antwort:

Eine Kleinigkeit vorab: Differenzieren Sie nicht zwischen Leitungsposition und Management, vor allem nicht so als wäre Management „mehr“. Im Umgangssprachgebrauch wirft man beides einfach durcheinander, damit kommen alle zurecht. Im Detail ist „Management“ nicht zwingend mit wirklichem Aufstieg und/oder Personalführung verbunden. Es gibt viele Positionsbezeichnungen auf „-Manager“, die von reinen Einzelkämpfern geführt werden (Product Manager, Key Account Manager). In „Führungspositionen“ führt man in der Regel Personal, als „Manager“ vielleicht auch, aber nicht zwingend. Das haben wir nun von unserer albernen Angewohnheit, amerikanische Begriffe zu übernehmen – und sie für „größer“ zu halten als unsere eigenen.

Zur Kernfrage: Ihr Aufstiegswunsch ist berechtigt, Ihrer Ausbildung angemessen, solche Leute braucht das Land. Aber die Sache mit der Karriere geht etwa so: Sie leisten auf Ihrer Position hervorragende, wirklich ausgezeichnete Arbeit so etwa fünf Jahre lang. Dabei gilt ohne Ausnahme: Was hervorragend und ausgezeichnet ist, bestimmt Ihr Arbeitgeber, vertreten durch Ihre Chefs. Und nicht etwa Sie! Und dann – nach fünf Jahren als Konstruktionsingenieur – sehen Sie zu, dass Sie befördert werden. Wenn es intern nicht geht, dann wechseln Sie die Firma. Anzustrebende Position: Team- oder Gruppenleiter in Konstruktion oder Entwicklung.

Dann leisten Sie wiederum hervorragende, wirklich ausgezeichnete Arbeit als Team-/Gruppenleiter. Was hervorragend und ausgezeichnet ist, bestimmt … (s. o.). Dann sind Sie etwa 36 und sehen zu, dass Sie Abteilungsleiter werden, so mit zwei bis drei Gruppenleitern und zehn bis fünfundzwanzig Mitarbeitern unter Ihnen. Wieder gilt: Wenn es intern nicht klappt, versuchen Sie es extern. Dann leisten Sie fünf Jahre lang hervorragende … Was das ist, bestimmt … (alles wie gehabt).

Dann sind Sie 41 und versuchen, in- oder extern Entwicklungs- und Konstruktionsleiter (oder etwas in der Art) zu werden, wo auch immer. Mit 46 – und hervorragenden, wirklich ausgezeichneten Beurteilungen Ihres Arbeitgebers im Rücken, versuchen Sie, in- oder extern technischer Leiter oder technischer Geschäftsführer zu werden.

Und wenn Sie nicht gestorben sind … Der Rest steht in den Sternen (und es geht auch schneller, dies ist eine Standardbetrachtung). Neben diversen Fähigkeiten brauchen Sie auch noch Glück (das des Tüchtigen) und ein günstiges Umfeldklima.

So etwa geht das. Ihr Uni-Ingenieur reicht dazu völlig aus, die unverzichtbaren betriebswirtschaftlichen Grundkenntnisse können Sie auch „nebenbei“ beim Tun erwerben. Der MBA (oder der Dipl.-Wirtsch.-Ing.) schadet niemals, ist aber kaum jemals zwingend gefordert, noch ist er etwa „Karriere-Turbo“ mit automatischer Wirkung.

Kontrollieren Sie meine Aussage ggf. so: Lesen Sie Stellenanzeigen der Laufbahn, in der Sie jetzt stecken, also über Gruppen-/Abteilungsleiter Konstruktion, Entwicklungs-/Konstruktionsleiter und prüfen Sie, in wie vielen Fällen wörtlich und zwingend ein MBA o. Ä. gefordert wird. Wer nur „betriebswirtschaftliche Kenntnisse“ fordert, setzt keinen MBA voraus. Nur wo in den Anforderungen wörtlich MBA drinsteht, wird auch MBA verlangt. Noch einmal zur Beruhigung: Kein Zusatzstudium schadet, auch dieses nicht – und irgendwie nützt es fast immer. Aber für die Erreichung Ihrer Ziele ist es ungleich(!) wichtiger, obigen Weg mit hervorragenden, wirklich ausgezeichneten Beurteilungen in allen Stufen zu gehen.

Denken Sie auch einmal taktisch: In obiger Laufbahnkette sind Sie der Bewertung durch Chefs ausgeliefert, die alle Dipl.-Ingenieure sind, aber kaum zusätzlich noch den MBA haben. Die denken gar nicht daran zu erklären, nur eine Führungskraft mit MBA sei eine gute (Führungskraft). Dann hätten sie sich selbst ja als unvollkommen eingestuft …Verwenden Sie daher 95 % Ihrer Energie auf Top-Beurteilungen innerhalb oben umrissener Laufbahn. Wenn Sie dann noch mögen, machen Sie mit dem Rest den MBA. Denn wie gesagt, schaden kann er niemals …Wie immer Sie sich auch entscheiden: Bestimmte Aus- und Weiterbildungsinstitutionen kann und will ich nicht empfehlen. So wie bestimmte Firmen als Arbeitgeber ja auch nicht. Beides setzte ein Wissen auf der Basis ständiger Vergleichstests voraus, das ich nicht habe.

Kurzantwort:

Als aussichtsreiche Karrierestrategie hat sich bewährt: In Tätigkeit und Umfeld einem roten Faden folgen, stets hervorragende Beurteilungen(!) erhalten und etwa alle fünf Jahre befördert werden. Das führt mit Mitte 40 bis zum technischen Leiter oder Geschäftsführer, beispielsweise.

Frage-Nr.: 2385
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 8
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-01-28

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