Heiko Mell

Kinder, Teilzeit, dennoch Chancen?

Nach der Geburt meines zweiten Kindes befinde ich mich momentan in der Elternzeit. In Kürze werde ich, acht Monate nach der Geburt, wieder meine Stelle als Projektleiterin antreten. In der Zukunft möchte ich eine Stelle mit Führungsverantwortung im Bereich Technik oder Produktion übernehmen.

Statt des vereinbarten Wiedereinstiegs in Vollzeit beabsichtige ich, meinem Chef eine zeitlich auf ein halbes Jahr befristete 80%ige Teilzeitstelle vorzuschlagen. Außer mittwochs würde ich jeden Tag wie gewohnt, also inklusive Überstunden, arbeiten.

Dies halte ich aufgrund meiner projektbezogenen Arbeit ohne Personalverantwortung für eine realistische Teilzeitlösung auf Zeit.

Meine Fragen:

1. Folgende Bedenken habe ich bei dieser Überlegung:
– Meine Anfrage nach Teilzeitarbeit könnte von meinem Vorgesetzten als Signal gewertet werden, dass ich an einer Karriere nicht mehr interessiert bin.
– Meine Chancen auf eine Position mit Führungsverantwortung verringern sich drastisch, wenn ich der Firma nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehe.

2. Wie kann ich die Erziehungszeiten nach Geburt meiner Kinder im Lebenslauf darstellen? Wird nur die Elternzeit oder auch der Zeitraum des gesetzlich festgelegten Mutterschutzes (6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt) angegeben?

Antwort:

Zu 1: Natürlich verstehe ich Sie und Ihre Probleme, ebenso den Wunsch nach vorübergehender Teilzeitarbeit. Aber ich verstehe auch Ihren Chef.

Nun ist dieses Thema das, was man ein weites Feld nennt – hier sind diverse firmeninterne Regelungen denkbar. Manche davon mögen auf schriftlich niedergelegten Verfahrensvorschriften beruhen, manche auf hausinternen Gepflogenheiten, andere wiederum unterliegen den individuellen Entscheidungen einzelner Chefs. So als allgemeiner Durchschnitt kann etwa gelten:

  • Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern kann ihre häuslichen (Kinderbetreuungs-)Angelegenheiten noch so gut geregelt haben, in Problemfällen ist mit – insbesondere zeitlicher – Beeinträchtigung am Arbeitsplatz zu rechnen. Das könnte der jüngste gerade abgehakte Streik des Kita-Personals sein oder eine Erkrankung der Tagesmutter, von der Erkrankung der Kinder selbst ganz zu schweigen. Das ist einfach so, das muss ein Chef verstehen und einkalkulieren – das weiß er auch, vor allem wenn er selbst Vater ist. Sie könnten zu diesem Punkt das Gegenteil behaupten, aber sehr überzeugend wäre das nicht.
  •  Schon der – absolut verständliche – Wunsch nach Teilzeitarbeit unterstreicht diese eben genannten Aspekte. Die volle, uneingeschränkte Einsetzbarkeit der Mitarbeiterin, wie sie insbesondere bei einer Führungsposition sehr oft unumgänglich ist, kann eben derzeit noch nicht als gegeben bezeichnet werden. Daher halte ich eine Forderung wie etwa „Aus der Teilzeit hinein in die Führung“ für unrealistisch.
  • Aber, es gibt Hoffnung: Nichts überzeugt so sehr wie der mögliche Hinweis auf eine funktionierende Praxis. Und aus der Teilzeit geht es ohnehin nicht sofort in die Führung. Also: Nach der Teilzeit sollte erst einmal die Vollzeit im Bereich bisheriger Aufgabenstellungen folgen. Und wenn man dann diese Mindestbewährungsphase (bis zu ca. zwei Jahren) ohne Beanstandungen oder auffällige Beeinträchtigungen der Einsetzbarkeit hinter sich gebracht hat und zeigen konnte, dass das eigene Konzept zur Regelung der häuslichen Angelegenheiten funktioniert, dann ist eine gute Basis für die Bemühung um eine Führungsposition gegeben. Immer vorausgesetzt, dass man zusätzlich das erkennbare Potenzial für eine solche Beförderung mitbringt.

Und konkret zu Ihnen, geehrte Einsenderin: Sprechen Sie ruhig mit Ihrem Chef über Ihren Wunsch, zunächst für sechs Monate in Teilzeit arbeiten zu wollen. Äußern Siea) die feste Zuversicht, die Dinge auch betrieblich so organisieren zu können, dass Sie in dieser Zeit Ihren alten Job zufriedenstellend erledigen werden undb) die eindeutige Absicht, zum x.x.200x wieder in den alten Vollzeitjob zurückzukehren.

Von dem Wunsch im Hinblick auf späteren Aufstieg würde ich jetzt nicht reden – Sie hängen damit nur die „Erwartungs-Latte“ unnötig hoch: Wenn in den nächsten Monaten die Teilzeitmitarbeiterin wegen häuslicher Probleme ausfällt, ist das eine – weniger bedeutende – Sache. Trifft das jedoch die Mitarbeiterin mit klar geäußertem Führungsanspruch, wäre das deutlich kritischer.

Muss, um die Kernfrage zu stellen, eine Frau, die während ihrer Berufstätigkeit zwei Kinder bekommt, einige auf die Laufbahn bzw. die Karriere bezogene Nachteile einkalkulieren gegenüber einem vergleichbar qualifizierten kinderlosen Mann, der hier als Orientierungsmaßstab dienen könnte? Die Antwort kann nur „Ja“ lauten. Z. B. Sie, geehrte Einsenderin, wären nach Abschluss der Teilzeitarbeit in den letzten drei Jahren etwa 21 Monate gar nicht oder nicht voll im Job aktiv gewesen, das kann nicht ohne Beeinträchtigung der beruflichen Chancen abgehen. Dafür müssen Sie in Ihrer Bilanz die Kinder einsetzen. Wer am Schluss „mehr“ hat, Sie oder der kinderlose Mann, können nur die Beteiligten entscheiden. Karriere ist viel – aber nicht alternativlos „alles“.

 

Zu 2: Bei der Beurteilung einer Bewerbung ist es schon von Interesse zu wissen, ob der Bewerber in den einzelnen Beschäftigungsphasen und während der einzelnen Jobs ununterbrochen tätig war oder nicht. Dabei gilt folgende Übung: Krankheiten werden nicht angegeben, Mutterschutzzeiten werden nicht angegeben, Elternzeiten jedoch werden angegeben. Bei letzteren reicht eine beiläufige Erwähnung bei der entsprechenden Tätigkeitsphase im Lebenslauf „(von … bis … Elternzeit)“.

Sagen wir es einmal so: Wenn aus einer Gesamtzeit von vielleicht fünf Jahren etwa zwei am Ende oder irgendwo mittendrin wegfallen, weil in dieser Zeit nicht beruflich gearbeitet wurde, dann bleiben weniger(!) als drei beruflich relevante Jahre übrig. Weil die Unterbrechung den kontinuierlichen Aufbau einer verwertbaren Berufspraxis stört, weil manches wieder verlernt und eventuell die eine oder andere neue Entwicklung nicht miterlebt wurde. Oder anders: Wenn jemand – im obigen Beispiel – drei Jahre Praxis gewertet haben will, dann sind die am wertvollsten, wenn sie bis heute „am Stück“ anfielen. Daher mein Vorschlag, zunächst wieder in die alte Position einzusteigen und erst später um Aufstieg bemüht zu sein.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2376
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 50
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-12-11

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