Heiko Mell

Ist der Sprung zu groß?

Ich bin Mitte/Ende 30, promoviert und seit etwas mehr als einem Jahr bei einem großen Konzern beschäftigt. Vorher war ich in anspruchsvollen Stabsfunktionen tätig, auch bei meinem heutigen Arbeitgeber trat ich in einer entsprechenden Funktion an.

Seit einigen Monaten bin ich in einer neugegründeten Tochterfirma als Abteilungsleiter mit knapp 10 Mitarbeitern tätig. Ich war im Projekt zum Aufbau der Gesellschaft engagiert, bekam das Angebot und nahm an. Mein Einstieg verlief erfolgreich, es gibt Anzeichen dafür, dass die Weichen für eine weitere Karriere im Unternehmen gestellt sind.

Nach einer Umstrukturierung wird aus kleineren Einheiten ein größerer Bereich mit mehr als 50 Mitarbeitern entstehen, für den der neue Leiter gesucht wird. Der Leiter des Umstrukturierungsprojekts, der maßgebliche Empfehlungen für die Besetzung abgeben darf, fragte mich, ob ich mir diese Position zutrauen würde. Allerdings merkte er auch an, dass das wohl ein Schritt sei, der angesichts der kurzen Zeit im Unternehmen etwas zu schnell komme – allerdings seien geeignete Kandidaten knapp.

Unter den zukünftigen „Untergebenen“ wären wahrscheinlich heutige Kollegen, eventuell sogar Manager aus einer heute höheren Ebene. Was ist Ihre Empfehlung?

Antwort:

Ein Detail am Rande: Wenn Sie Ihren Hut in den Ring werfen, haben Sie den Job noch nicht – Ihre Bewerbung kann auch negativ beschieden werden. Dann aber müssten Sie bei dieser Konstellation daran denken, das Haus zu verlassen.In der Hauptsache gilt: Eine Offerte ist dann fair, wenn Risiko und Chance im ausgewogenen Verhältnis stehen. Das ist hier gegeben: Die vielleicht einzige „ganz große Chance“ Ihres Lebens, der Sprung über viele Hürden hinweg, ganz außerhalb der „Ochsentour“ – der Sie mit ein wenig Glück eines Tages noch viel weiter nach oben trägt. Manche große Karriere ist entstanden, weil der Kandidat entschlossen zugepackt hat, als das „eigentlich unmögliche“ Angebot kam.

Auf der anderen Seite das außergewöhnlich hohe Risiko zu scheitern. Dann stünden Sie vor den Trümmern Ihrer Laufbahn, wären nur noch schwer vermittelbar. Und Sie müssten sich vorhalten lassen, blauäugig gewesen zu sein: wegen des einen knappen Jahres Zugehörigkeit und noch weniger Führungspraxis, wegen des gewaltigen Sprunges im Führungsumfang nach oben, wegen der Ex-Kollegen und Ex-Ranghöheren als Mitarbeiter.

Nein, schon der Konzern dürfte Sie gar nicht ernennen – und Sie sollten das auch besser nicht beantragen.

So etwas ist ein Coup z. B. für selbstständige Unternehmer, die als kleinerer den wesentlich größeren „Brocken“ kaufen möchten – gegen alle Logik und gegen jede Vernunft des „gemeinen Mannes“. Manches davon scheint ja dann auch schiefgegangen zu sein. Lassen Sie sich das als Warnung dienen. Und: Der Angestellte ist abhängig beschäftigt, bekommt in der Regel sein regelmäßiges Monatsgehalt und ist vom Status her kein Mensch, der auf das Übernehmen deutlich erkennbarer Risiken ausgerichtet ist. Tun Sie es nicht!

Auch der Leiter des Umstrukturierungsprojekts, der „Partei“ ist, weil er die Aufgabe hat, eine Besetzungslösung zu liefern (Sie haben diese Aufgabe nicht), war dennoch erkennbar skeptisch. Ich gebe zu: Die Versuchung ist ungeheuer groß. Und der Mensch ist schwach, deshalb betet er: „Und führe mich nicht in Versuchung, …“ Bei Ihnen ist es dafür zu spät. Jetzt liegt es bei Ihnen allein.

Kurzantwort:

Je größer die Chance, desto größer das Risiko. Haben Sie letzteres beim „Traumangebot“ noch nicht gefunden, suchen Sie weiter.

Frage-Nr.: 2337
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-07-22

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