Heiko Mell

Ich soll ins ungeliebte Ausland

Frage/1: Ich bin Mitte 30, Dipl.-Wirtsch.-Ing. und seit ca. 5 Jahren als Sales Manager für eine Produktgruppe in einem mittleren Unternehmen tätig. Nicht zuletzt durch die Karriereberatung in den VDI nachrichten stelle ich mir die Frage, ob ein Wechsel des Unternehmens sinnvoll ist, obwohl ich mich in meiner jetzigen Position „pudelwohl“ fühle. Weiter habe ich sowohl zu meinem direkten Vorgesetzten (Geschäftsführer) als auch dem Inhaber (mindestens ebenso wichtig …) ein exzellentes Verhältnis. Es wird immer wieder betont, dass man mich als „high potential“ sieht und versuchen wird, mir entsprechende Möglichkeiten zu bieten.

Frage/2: Nun hat man mir in Aussicht gestellt, unser Büro in einem bedeutenden osteuropäischen Land zu leiten. Ich soll mir mit meiner Familie Gedanken machen, ob diese Option für mich infrage kommt. Der derzeitige Stelleninhaber wird noch 5 Jahre arbeiten, bevor er in den Ruhestand geht. In dieser Zeit soll ich mich entsprechend einarbeiten und die Landessprache lernen. Man hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass es keinen negativen Einfluss auf meine Entwicklung im Unternehmen hat, wenn ich mich gegen diese Option entscheide.

Persönlich ist jenes Land für uns kein Traumziel. In einem früheren Gespräch sagte mir der GF, dass er sich mich durchaus als seinen Nachfolger vorstellen könne. Was kann/soll ich tun?

Antwort:

Antwort/1: Ich möchte nicht missverstanden werden: Die Zahl 5 spielt in der Karriere eine große Rolle, aber in diesem Zusammenhang:

5 Jahre Zugehörigkeit zu einem Arbeitgeber sollen mindestens erreicht werden;

5 Jahre im selben Job bzw. in derselben Hierarchiestufe sind genug, danach sollte eine Veränderung resp. Beförderung kommen, sofern weiterer Karriereehrgeiz besteht;

2 x 5 (= 10) Jahre pro Arbeitgeber sind eine Dienstzeit, nach deren Ablauf langsam(!) über einen Wechsel nachgedacht(!) werden sollte, um nicht eines Tages als unflexibel oder als nur noch schwer verpflanzbar zu gelten („alte Bäume kann man nicht mehr umsetzen“).

Für Sie gibt es also derzeit keinen Grund, über einen Firmenwechsel nachzudenken.

Antwort/2: Dass ein Vertriebsleiter, insbesondere ein möglicher späterer Geschäftsführer, ein paar Jahre ins Ausland geht, um dort eine Vertriebsniederlassung zu leiten, ist grundsätzlich völlig in Ordnung und sogar empfehlenswert.

Mich irritiert nur der zeitliche Rahmen, in dem man sich hier bewegt! 5 Jahre Einarbeitung sind a) viel zu lang (wer vom Typ her „1. Mann“ einer solchen Organisation ist, hält es nicht so lange als „Mann in Einarbeitung“ dort aus, er wird vorher mit dem Noch-Leiter zusammenstoßen) und b) in höchstem Maße „verdächtig“, was die geplante Gesamt-Entsendungszeit dorthin angeht:Üblich sind 3, allenfalls 5 Jahre Gesamtzeit „vor Ort“. Damit sich nun aber die 5 Jahre Einarbeitung lohnen, muss Ihre Zeit als Chef vor Ort mindestens doppelt so lange betragen, dann sind Sie 15 Jahre dort gewesen, gelten als „auslandsversaut“ (das heißt unter Fachleuten so), sind 50 und „tot“ auf dem deutschen Arbeitsmarkt!

Fazit: Bedanken Sie sich schön für das Vertrauen, das in diesem Angebot liegt, aber lehnen Sie sehr freundlich ab. Sie können ruhig auf Ihre Familie verweisen, der Sie eine so lange Zeit in jenem Land nicht zumuten wollen. Und betonen Sie, dass Sie für die üblichen 3 Jahre Gesamtzeit gern ins Ausland gingen, vor allem in Ihrem derzeitigen Alter.

Kurzantwort:

1. Eine reine Einarbeitungszeit von 5 Jahren ohne eigene feste Hauptfunktion ist für eine Position im mittleren Management viel zu lang.

2. Wer 10 oder gar 15 Jahre im Ausland war, gilt als „verdorben“ für den deutschen Markt.

Frage-Nr.: 2334
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 29
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-07-15

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