Heiko Mell

Nützt oder schadet ein Lehrauftrag?

Wie beurteilen Sie Lehraufträge, die ein Angestellter eines Industrieunternehmens nebenberuflich absolviert? Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Institution, bei der man tätig werden würde (z. B. FH, privates Bildungsinstitut)? Mit welchen Problemen muss der Angestellte rechnen? Damit sind weniger die organisatorischen als mehr die Beurteilungskriterien für eine Managementkarriere gemeint.

Antwort:

Unabhängig davon, was in Ihrem Arbeitsvertrag steht, sollten Sie vorher mit Ihrem Arbeitgeber sprechen und den Lehrauftrag nicht ohne sein Einverständnis annehmen.

Ein Imagegewinn für Sie im Unternehmen wäre durchaus denkbar – aber nur im Bereich Ihrer fachlichen Qualifikation. Ihre Eignung für Managementpositionen wird dadurch nicht gefördert, eher im Gegenteil: Der Typ des weiterhin ehrgeizigen Erfolgsmanagers, so die Theorie, hätte gar keine Zeit „für so etwas“, würde seine Energie lieber konzentriert für die Zielsetzung „Aufstieg“ einsetzen und würde keine besondere Freude an der fachlichen Auseinandersetzung mit Schülern/Studenten haben, die einige Bildungs- und Erfahrungsstufen unter ihm stehen.

So sieht man dann auch viele nebenberufliche Lehrbeauftragte, die im Hauptberuf entweder vor allem Fachleute sind – oder auch gestandene Manager, die ihre wesentlichen Karriereziele bereits erreicht und nun Freude daran haben, ihr Wissen an den Nachwuchs weiterzugeben.

Man könnte sogar so weit gehen, diese nebenberufliche Aktivität als Möglichkeit zum Abfluss von Energie zu betrachten, die im Hauptberuf ungenutzt bleibt. Das aber wäre fast schon ein bedenkliches Zeichen für einen weiter karriereinteressierten Manager. Im Idealfall sollte ihn sein Hauptjob zu 100 % fordern.

Ein wenig spielt in dieser Frage auch das besondere Image des Lehrerberufs mit. Lehrer gelten als Vertreter eines wichtigen, unverzichtbaren Berufsstandes, der jedoch auf einem total „anders“ gelagerten Schauplatz völlig „anders“ agiert, nimmt man Wirtschaftsunternehmen als Maßstab.

Sagen wir es einmal so: Ich selbst nehme seit vielen Jahren u. a. einen solchen nebenberuflichen Auftrag an einer Universität (Otto von Guericke in Magdeburg) wahr und täte es nicht, würde es keine Freude machen. Müsste ich jedoch irgendwo meine Managementqualitäten beweisen, würde ich auf andere Argumente zurückgreifen.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2253
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-08-27

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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