Heiko Mell

Trotz frühzeitiger Anzeichen in die Falle getappt

Leider bin ich in meinem Arbeitsverhältnis in die Falle getappt und habe trotz frühzeitiger Anzeichen zu lange bei meinem Arbeitgeber ausgeharrt.

Ich bin …-Ingenieur, Anfang 40, etwa sechs Jahre beim derzeitigen Arbeitgeber, zuletzt als Leiter … bei einer kleineren Konzerntochter tätig.

Das Verhältnis zu meinem Vorgesetzten (Geschäftsführer) ist seit Jahren schlecht. Die Kommunikation beschränkt sich auf ein Minimum und ausschließlich auf fachliche Themen. Unter anderem bedingt durch mein sehr gutes Gehalt und den für mich sehr interessanten Standort des Unternehmens war ich im goldenen Käfig gefangen. Zwei oder drei halbherzige Bewerbungen bei anderen Unternehmen scheiterten letztendlich auch an der nicht möglichen Gehaltssteigerung und an einem von mir nicht präferierten Umzug (meine Frau ist als Beamtin berufstätig).

Letztendlich habe ich versucht, meine Arbeit bestmöglich zu erledigen, Konfrontationen mit meinem Vorgesetzten zu vermeiden und auf eine mögliche interne Versetzung an einen anderen Standort (ggf. auch ins Ausland) zu warten. Diesbezügliche Gespräche mit der HR-Abteilung fanden bereits statt.

Sicher bedingt durch das schlechte Verhältnis zu meinem Vorgesetzten, durch einen massiven Auftragseinbruch (- 50 %) und strategische Änderungen legte man mir einen Aufhebungsvertrag vor. Diesen konnte ich so nicht unterschreiben. Einige Tage später erfolgte die arbeitgeberseitige Kündigung. Es wurde nur mündlich ein vorgeschobener Grund genannt. Inzwischen liegt auch das Zeugnis vor.

Aufgrund der nicht akzeptablen Kündigung läuft im Moment eine Kündigungsschutzklage. In der Güteverhandlung wurde über die Höhe der möglichen Abfindung gesprochen. Auf Anraten meines Rechtsbeistandes wurde das Angebot des Arbeitgebers abgelehnt.

Der Prozess trägt sicher nicht dazu bei, das Wohlwollen des Arbeitsgebers zu erreichen und ein gutes Arbeitszeugnis zu erhalten.

Antwort:

Sie schreiben weiterhin, der Fall sei „nicht zur Nachahmung gedacht“, was ich auch so sehe. Um genau dieses Nachahmen zu verhindern, müssen wir uns mit der Entwicklungsgeschichte beschäftigen.

Ihre Schilderung enthält einige Kernaussagen:

1. „Das Verhältnis zu meinem Vorgesetzten … ist seit Jahren schlecht.“ Damit beschreiben Sie eine Zeitbombe, deren Uhr bereits tickt – und die jederzeit hochgehen kann.

Ich weiß nicht, warum ich so viele Schwierigkeiten habe, diese Binsenweisheit im Bewusstsein der Leute zu verankern: In einer Marktwirtschaft hat ein „Lieferant“, dessen „Kunde“ unzufrieden ist, keine Zukunft. Und ein Vorgesetzter, der dem Angestellten gegenüber als kaufender und zahlender Kunde auftritt, ist unzufrieden, wenn das Verhältnis zu seinem Mitarbeiter schlecht ist. Ein schlechtes ist also auch im weiteren Sinne schlecht, anzustrebender Standard ist ein gutes. Ich weiß, dass das banal klingt – aber die Zusammenhänge sind banal!

Nun ist es mitunter so, dass trotz engagierter Versuche des Mitarbeiters das Verhältnis zum Chef nicht zu verbessern ist – auch ich erkenne an, dass nicht jeder mit jedem „kann“. Ob es diese Versuche hier überhaupt gab, sehen wir gleich. Aber sie gelingen entweder – oder der Angestellte muss gehen. Schnell, ohne zu zögern, am besten, bevor der Chef überhaupt gemerkt hat, dass es im Verhältnis kriselt.

Fazit: „Das Verhältnis zu meinem Vorgesetzten ist seit Jahren schlecht“, steht für unverantwortlichen Leichtsinn.

 

2. „Letztendlich habe ich versucht, meine Arbeit bestmöglich zu erledigen …“

Antwort a: Haben Sie nicht. Ihr Job (Ihre Arbeit) ist es, Ihren Vorgesetzten zufriedenzustellen. Nur das zählt. Oder um es griffiger zu formulieren: Es ist Ihr Job, Ihren Chef zu erheitern. Haben Sie? Sie haben nicht. Ziel verfehlt.

Antwort b: Sie meinen, Sie haben sich auf den fachlichen Teil Ihrer Arbeit konzentriert. Das reicht nicht! Ihr Chef muss von Ihren fachlichen Leistungen und von Ihrer Persönlichkeit ein positives Bild gewinnen. Sonst versucht er früher oder später, Sie loszuwerden. Was Ihrer auch getan hat, als er eine Chance dazu hatte.

Ich vermisse in Ihrer Darstellung eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Gründen für das schlechte Verhältnis, das zu verbessern in Ihrem Interesse liegt. Sie hätten versuchen müssen, ihn zu verstehen und seine Vorbehalte Ihnen gegenüber abzubauen. Das bedeutete Aufwand Ihrerseits, davon ist nichts erkennbar.Zum Katalog denkbarer Maßnahmen gehören auch ein Gespräch am Beginn der Probleme und die Bereitschaft, stärker auf ihn und seine Belange einzugehen. Sagen wir es so: Er hat ja nicht alle entlassen. Wenn andere mit ihm auskommen, könnten Sie es auch. Vorausgesetzt, Sie wollten es. Das aber steht nirgends.

 

3. Sie saßen „im goldenen Käfig“. Käfig ist klar – man kommt nicht hinaus. Beispielsweise weil man meint, unbedingt an diesem Standort bleiben zu müssen. Und golden ist ein Käfig, wenn man zwar immer noch nicht hinaus kann, aber auf hohem Niveau gefüttert wird – in Ihrem Fall durch das hohe Ist-Gehalt.

Dort liegt dann ein weiterer – vermeidbarer – Fehler Ihrerseits: „Zwei oder drei … Bewerbungen scheiterten letztendlich auch an der nicht möglichen Gehaltssteigerung …“ Wie, Gehaltssteigerung? Sie hatten ein Problem von dramatischen Dimensionen – Ihre Zeitbombe tickte. Jeder Wechsel in einen Job ohne Zeitbombe wäre ein Fortschritt gewesen. Sie aber wollten den besseren, weil ungefährdeten Job und zusätzlich mehr Gehalt. Das war recht viel verlangt. Die Regel lautet: Ein Fortschritt pro Bewerbung.

 

4. Bleibt das Zeugnis: In der aktuellen mitgesandten Ausführung gibt es erst keine Aussage zur Zufriedenheit des Arbeitgebers und dann den lapidaren Hinweis: „Herr … scheidet zum … aus unserem Unternehmen aus.“ Was bedeutet: „Im Übrigen haben wir ihn gefeuert.“ Das wiederum führt zu großem Misstrauen beim Lesen der restlichen Passagen, die ohnehin schon schwach in der Aussage sind.

Da kann man nur hoffen, dass es gelingt, in den noch laufenden Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber eine Verbesserung zu erreichen. Denn dieses Zeugnis nach so vielen Beschäftigungsjahren ist das zentrale Dokument, falls Sie sich noch einmal bewerben müssen, z. B. in zwei Jahren. Mit den jetzigen Formulierungen fördert es entsprechende Bemühungen absolut nicht.Ausblick: Sie haben auch geschildert, wie es weitergeht. Erfreulicherweise haben Sie inzwischen ein nahtlos anschließendes neues Arbeitsverhältnis gefunden. Die Position ist ein deutlicher Rückschritt, der auch im Lebenslauf auffallen wird („Assistent“ statt „Leiter“), am Gehalt fehlen ein paar tausend Euro – aber Ihre private Situation hat sich gebessert, (das hat mit dem Wohnen zu tun).

„Insgesamt bin ich wohl mit einem blauen Auge davongekommen“, schreiben Sie. Nun, wenn Sie es so sehen …Angefangen hatte alles mit einem seit Jahren schlechten Verhältnis zum Chef. Das ist extrem gefährlich für abhängig Beschäftige. Was zu beweisen war.

Kurzantwort:

Wenn ein (ganz besonders ein leitender) Mitarbeiter erkennt, dass das Verhältnis zum Vorgesetzten schlecht ist, hat er genau zwei Möglichkeiten: Er verbessert die Beziehung nachhaltig oder er geht schnell.

Frage-Nr.: 2250
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 34
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-08-20

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