Heiko Mell

Über das Personalwesen zur Führung in der Produktion?

Nach meinem FH-Maschinenbaustudium wurde ich beim deutschen Weltkonzern XY AG unbefristet angestellt. Ich begann im Traineeprogramm eines Geschäftsfeldes („Sicherung des technischen Fach- und Führungsnachwuchses“).

Ich absolvierte verschiedene Projekteinsätze im In- und Ausland und sollte im Anschluss an das Programm in einer Querschnittsfunktion in der Produktion eingesetzt werden.

Doch noch während des Programms bekam ich vom Betreuer aus der Personalabteilung eines Werkes ein Angebot, in den Personalbereich zu wechseln. Er wollte mich gerne für sein Team gewinnen und traut mir dies auch fachlich zu. Das Aufgabengebiet beinhaltet arbeitspolitische Themen von der Arbeits- und Führungsorganisation bis zur Mitwirkung am Abschluss von Betriebsvereinbarungen mit dem Betriebsrat. Insgesamt ist die Arbeit sehr breit angelegt, ich habe vielfältigen Kontakt zu Führungskräften verschiedenster Hierarchiestufen wie auch zu den Mitarbeitern der Produktion.

Zu Beginn war ich skeptisch, schließlich bin ich technisch ausgebildet und habe keinerlei Kenntnisse auf dem Gebiet der Personalarbeit. Ich habe mich aber nach mehreren Gesprächen u. a. mit meinem Mentor (Produktionsleiter) dennoch zu diesem Schritt entschlossen.

Meine Gründe:
– intensives Kennenlernen der Personalarbeit und der Personalprozesse im Werk,
– Schaffung arbeitsrechtlicher Grundlagen für spätere Führungsaufgaben,
– Aufbau eines guten Netzwerkes innerhalb des Werkes und werkübergreifend,
– Erlernen von Verhandlungstechniken bei der Arbeit mit dem Betriebsrat,
– konzeptionelles Arbeiten bei unterschiedlichen Interessen der Beteiligten.

Ich habe vor, in Abstimmung mit meinem Vorgesetzten, diese Aufgabe für drei Jahre zu übernehmen; danach möchte ich in die Produktion oder Produktionsplanung wechseln und falls möglich, meine erste Führungsaufgabe als Teamleiter übernehmen.
Wie schätzen Sie diesen Schritt ein? Könnte ich mich, falls es erforderlich werden sollte, auch auf Führungspositionen in der Produktion bei anderen Firmen bewerben?

Antwort:

Sie würden nicht fragen, hätten Sie nicht selbst Bedenken. Ich habe sie auch!

Zunächst zum Grundsätzlichen: Sie hatten nicht etwa selbst eine entsprechende Langfristkonzeption und haben begeistert zugegriffen, als eine Realisierungschance kam, sondern Sie haben auf ein völlig ungeplant hereinschneiendes Angebot begeistert reagiert – und haben sich dann ein Konzept zurechtgelegt, in das dieser „exotische“ Schritt hineinpassen könnte. Das ist stets nur der zweitbeste Weg.

Ich sehe Ihre Situation so: Bisher sind Sie ein gerade fertiggewordener Trainee. Jetzt gehen Sie für drei Jahre ins Personalwesen. Danach sind Sie ein Ex-Trainee mit schon recht fundierter Praxis im Personalwesen. Eine weiterführende Laufbahn bietet sich dann aus der Sicht eines außenstehenden Betrachters vorrangig im Personalwesen an – allein dafür wären Sie problemlos qualifiziert.

Für den konzerninternen Weg ohne Aufstieg beim Wechsel gilt: Ein Einsatz im produktionsnahen Bereich käme in drei Jahren nur in Frage, wenn Sie eine Führungskraft aus dem Zielbereich fänden, die Sie dann nimmt oder wenn Sie Teil eines Konzernführungsnachwuchsprogramms wären, das so etwas vorsieht und fördert. Falls in drei Jahren Ihr Mentor (Produktionsleiter) nicht mehr dort sein sollte und gleichzeitig ein Einstellstopp oder Personalabbau angesagt ist, hängen Sie im Personalwesen fest.

Den internen Wechsel mit Aufstieg sehe ich sehr zurückhaltend und noch kritischer. Denn im Normalfall ist ein Teamleiter absoluter Fachmann auf dem zur Debatte stehenden Gebiet. Das wären Sie in der Produktion nicht. Sie brauchten dort einen Chef, der Sie sehr schätzt und Sie äußerst engagiert fördert (möglich ist so etwas).

Extern sehe ich in drei Jahren für den Wechsel auf nichtführender Ebene in die fachfremde Produktion geringe und für den in eine Führungsaufgabe gar keine Chance.

Aus meiner Sicht hätten Sie besser erst einmal eine fachliche Grundlage im Zielgebiet gelegt (z. B. drei Jahre in der Produktion), bevor Sie sich auf einen generalistisch aufgebauten Werdegang stürzen.

Mit Ihrem Schritt haben Sie sich auf Gedeih und Verderb dem konzerninternen Weg ausgeliefert. Natürlich kann das so funktionieren, aber ich sehe ein recht hohes Risiko.

Es ist etwa so: Wenn jemand ein besonders breit vor- und weitergebildeter Kfz-Mechaniker werden will (was ich positiv sehen würde!), dann sollte er doch bitte vorsichtshalber zunächst einmal Kfz-Mechaniker werden und dann(!) seine Basis verbreitern.

Kurzantwort:

Für den Generalisten (von allem etwas) ohne solide Basis-Fachlaufbahn auf einem Gebiet gibt es keinen (Arbeits-)Markt.

Frage-Nr.: 2085
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-01-04

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