Heiko Mell

„Ich und meine Bekannten“

In kurzem Abstand zum zweiten Mal raten Sie dringend davon ab, in Firmen einzusteigen, in denen Verwandte oder Bekannte bereits tätig sind. Es sei nicht die „Standardsituation“, wenn Vorgesetzte oder Kollegen frühere Bekannte wären: „Pflegen Sie Ihre Freunde und Bekannten, aber gehen Sie nicht zu ihnen arbeiten.“

Ich habe in den vergangenen Jahren fünf Familienunternehmen des kleineren Mittelstandes, so zwischen 25 und 60 Mitarbeitern, beraten. Dort waren viele Familienangehörige und Bekannte der Mitarbeiter tätig (vielleicht mussten sie dort tätig sein). Der jeweilige Nachwuchs wurde angehalten (Lehre und weitere Ausbildung), da auch einzusteigen. So wird es tausenden Firmen des tragenden Mittelstandes in Deutschland gehen.

Von daher möchte ich Ihre Aussagen, das sei keine „Standardsituation“, relativieren. Die von Ihnen genannten Probleme treffen freilich zu, aber fast immer ist der Spielraum der (familienabhängigen) Akteure eingeschränkt.

Antwort:

Halten wir fest, dass sich diese Serie an Akademiker, im speziellen Fall an die der Ingenieurwissenschaften, richtet. Wo jemand eventuell seine vor dem Studium und damit weit vor dem Berufseinstritt liegende Lehre absolviert, ist dabei unerheblich – hier geht es um Akademiker nach dem Diplomexamen.

Dann ging es in meinem Beispielfall (2.026 „Ich und meine Bekannten“) nicht etwa – Ihre Hinweise klingen ein wenig so – um den Vater oder Onkel, dem die Firma gehört und zu dem der Sohn oder Neffe arbeiten geht. Bei mir ging es um einen jungen Mann, der in eine völlig fremde, absolut nicht mit der Familie verbundene Firma gehen wollte, in der ein Bekannter von ihm sein Chef geworden wäre und in der auch anderweitig viele Bekannte und Freunde von ihm schon tätig waren. Alle handelnden Personen des Falles waren Angestellte. Und in der Konstellation riet ich ab.

Nachdem wir nun festgestellt haben, dass wir beide von zwei verschiedenen Konstellationen sprechen (Sie von abhängigen Familienmitgliedern, die vorwiegend eine Lehre absolvieren im kleinen Familienbetrieb und ich von Akademikern mit Karriereambitionen, die in beliebige fremde Unternehmen streben und bei denen der künftige Chef ein Bekannter und viele künftige Kollegen Freunde sind), hier noch eine Warnung an Angestellte, die nun wirklich zu einem Familienangehörigen in die ihm gehörende Firma gehen:

Wie immer das Arbeiten dort auch sein mag (besser oder schlechter als „draußen“): Beförderungen, die Sie dort erfahren und Zeugnisse, die Sie dort erhalten, bedeuten auf dem Arbeitsmarkt gar nichts – jedenfalls nicht im positiven Sinne.

Mit 30 schon Geschäftsführer, aber der Laden gehörte Ihrer Mutter? Da lacht ja nicht einmal jemand drüber. Oder ein Zeugnis als Neffe, der als Anfänger lt. Text praktisch die Firma geführt und nur Superlative verdient hat? Ha, ha! Ein Zeugnis muss grundsätzlich vorhanden sein, aber wenn es vom Bruder, Vater oder Onkel kommt, hat es überhaupt keinen Wert. „Blut ist dicker als Wasser“ – Sie kennen das. Ein Lob über Verwandte ist Schall und Rauch. Ein hübscher „achtkantiger Rausschmiss“ dagegen hätte durchaus auch dann seine Aussagekraft. In Abwandlung eines Spruchs von mir: Gutes über andere will der Mensch bewiesen haben, Schlechtes glaubt er auch Verwandten.

Frage-Nr.: 2039
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-07-21

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