Heiko Mell

Auslauf des Entsendungsvertrags eines „Expatriat“

Mich auch im außereuropäischen Ausland Ihrer Kolumne erfreuend, möchte ich ein Thema stellvertretend für viele Expatriats ansprechen: Das Auslaufen des Entsendungsvertrages und die damit verbundene Planung der Rückkehr in das Mutterunternehmen.

Ich bin Ingenieur, in der zweiten Hälfte der Dreißig, angestellt bei einem großen deutschen Konzern und hatte das Angebot angenommen, für drei Jahre eine leitende Position im außereuropäischen Ausland zu übernehmen.

Der Entsendungsvertrag sieht zwar eine Rückkehr in den Mutterkonzern vor, allerdings mit der weniger konkreten Formulierung „Nach Beendigung des Dienstverhältnisses in der Tochtergesellschaft ist das Unternehmen bestrebt, Ihnen eine Ihrer Entwicklung und Qualifikation entsprechende Tätigkeit bei sich oder im Konzern zu vermitteln“.

Der Vertrag besagt ferner, dass mit der Suche nach einer adäquaten Position ein Jahr vor Beendigung des Auslandseinsatzes begonnen wird. Das wäre bei mir schon fällig gewesen, meiner Bitte um ein diesbezügliches Planungsgespräch wurde aber bisher (noch) nicht entsprochen. Ich möchte aber mein Berufs- und Familienleben proaktiv mitgestalten.

1. Sollte man sich auf die im Vertrag enthaltenen relativ vagen Zusagen verlassen?

2. Hätte ein Unternehmen Verständnis, wenn man ein erstes Angebot ablehnt? Inwieweit hat der Angestellte Spielraum?

3. Ist es empfehlenswert, sich um etwaige Alternativen auch außerhalb des Konzerns zu bemühen? Wenn ja, macht es Sinn, dies bereits von seinem Auslandswohnsitz zu tun?

Antwort:

Es ist ein kompliziertes Thema und eines mit merkwürdigen Aspekten gleichermaßen.

Kompliziert ist zunächst der Begriff. Bei der Suche stößt man auf Tausende von Nennungen im Internet in der Schreibweise „Expatriot“. Davon hat keines der maßgeblichen Bücher je etwas gehört – die Nennungen müssten also alle falsch sein.

Ihr „Expatriat“ ist einfach einzustufen – es gibt so etwas überhaupt nirgends: im Duden nicht, im Fremdwörterduden nicht, im Brockhaus-Lexikon nicht, im Wörterbuch Wirtschaftsenglisch (Hamblock/Wessels) nicht und im Langenscheidt Wörterbuch Englisch auch nicht. Also vergessen Sie das einfach.

Im Internet erkennt man, dass Expatriate“ vielfach gebraucht wird. So richtig zu geben scheint es dieses Wort als Substantiv aber auch nicht (siehe oben genannte Bücher). Bekannt ist lediglich „expatriate“ im Sinne von „ausbürgern“. Aber dass man als nur ins Ausland Entsandter ein „Expatriate“ wäre, ist in keinem meiner erwähnten Bücher nachzulesen. Dennoch kenne auch ich den Begriff; aber mein Versuch, Ihrer ungewöhnlich aussehenden Schreibweise nachzugehen, brachte vor allem Ratlosigkeit. Auch, weil Sie ja ausgebürgert eigentlich gar nicht sind. Nun, es wird sicher Leser geben, die mehr dazu sagen können.

Aber, damit ist zu rechnen, wenn schon der Begriff seine Probleme hat, sind diese beim entsprechenden Status erst recht zu erwarten.

Es ist ein regelrechtes Trauerspiel! Selbst viele der größten Konzerne haben keine vernünftige Planung für die qualifikationsgerechte Eingliederung von Mitarbeitern, die man für eine begrenzte Zeit ins Ausland geschickt hatte, nach deren Rückkehr. Schön, wenn das im Vertrag steht, sorgen die Firmen für die Heimreise und sie zahlen auch weiter Gehalt und weisen auch eine Position zu. Aber nur allzu oft ist das ein „Druckposten“ (Fachjargon), lieblos ausgesucht, ohne vernünftige Beziehung zu der inzwischen erworbenen Qualifikation oder gar zu den Erwartungen des Rückkehrers.

Die entsprechenden Enttäuschungen sind natürlich riesengroß! Schön, der „Ex-Ex“ hatte vielleicht gehofft (aber nicht ernsthaft erwartet), dass die Konzernhauptverwaltung an seinem ersten Arbeitstag in der Heimat girlandenumkränzt ist, aber dieses völlige Desinteresse trifft ihn tief. Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung wird diese Entwicklung zunehmen. Ursächlich dafür ist auch, dass man sich kaum noch eine zentrale Personalplanungsabteilung leistet, die ein maßgebliches Wort in dieser Sache sprechen und den Ex-Ex entsprechend aktiv eingliedern könnte. Entscheidend sind die zufällig zum Tag X offenen Stellen – und über deren Besetzung entscheiden die verantwortlichen Vorgesetzten. Leute, die zu einem festen Zeitpunkt aus Timbuktu kommen und erwartungsvoll vor der Tür stehen, stören eher. Dahinter steckt keine Bosheit, sondern der berechtigte Sachzwang. Und es gibt natürlich auch Ausnahmen.

Denken Sie an meine ständig wiederholte Aussage: „Auslandserfahrung ist karrierefördernd und erhöht Ihren Marktwert – wenn sie etwa drei Jahre zurückliegt und Ihre Reintegration in Deutschland erfolgreich abgeschlossen ist.“ Nun ja, vielleicht ist diese Erfahrung deshalb so wertvoll, weil sie nur unter Mühen zu haben ist.

Zu Ihren Fragen:

Zu 1: Nein. Sie haben nur eine Zusage, dass man „bestrebt sein“ wird. Das wird man – aber davon haben Sie nichts.

Zu 2: Das Interesse an Ihnen nimmt mit jedem Angebot stark ab, das Sie ablehnen. Seien Sie verständnisvoll: Die Unternehmen wollen nicht etwa nicht helfen, sie können nicht mehr tun, solange die aktuellen Organisationsprinzipien gelten.

Zu 3: Warten Sie, bis Sie Ihren Druckposten in Deutschland haben und bewerben Sie sich von dort aus. Dann sind Sie wenigstens hier im Lande, für Bewerbungsempfänger greifbar und Sie haben eine gute Erklärung für Ihren Wechselwunsch. Leider sehen sich viele dieser Mitarbeiter dazu gezwungen.

Kurzantwort:

Wer mit großen Erwartungen und vielen Hoffnungen im Hinblick auf die spätere Karriere für sein Unternehmen ins Ausland geht, ist bei der Rückkehr häufig enttäuscht: Man hat keinen angemessenen Job für ihn – eigentlich stört er hier nur. Dennoch ist Auslandspraxis generell mittelfristig karrierefördernd – notfalls bei einem anderen Arbeitgeber.

Frage-Nr.: 2006
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-03-31

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