Heiko Mell

Aufstieg nach Abteilungswechsel?

Frage/1: Ich bin Dipl.-Ing. (FH), Ende 30, seit mehreren Jahren in einem Kfz-Zulieferunternehmen tätig. Vor kurzer Zeit bin ich von der Entwicklung in die Applikation gewechselt.
In der Entwicklung war ich ein respektabler Experte meines Fachgebiets und habe auch dort schon viel mit Kunden direkt zusammengearbeitet. Es bestand für mich dort jedoch keine Möglichkeit, eine Führungsposition einzunehmen, da dafür i. d. R. Mitarbeiter mit Promotion oder anderen herausragenden Eigenschaften bevorzugt worden sind.

Frage/2: In der neuen Abteilung wird meine fachliche Qualifikation ebenso anerkannt, da ich mein Wissen aus der Entwicklung gut umsetzen kann. Ich hatte mir hier bessere Chancen ausgerechnet, künftig auch Führungsaufgaben zu übernehmen. Mein neuer Gruppenleiter scheint mir das auch zuzutrauen. Die Entscheidung liegt jedoch beim Abteilungsleiter, mit dem es jedoch aufgabenbedingt wenig Berührungspunkte gibt.

Wie kann ich in dieser Konstellation meinen Abteilungsleiter überzeugen? Einerseits fährt altersbedingt der Zug für mich bald ab. Andererseits denke ich, dass ich in der neuen Abteilung erst einige Monate tätig sein muss, bevor ich Wünsche äußern kann.

Antwort:

Antwort/1: Arbeiten wir erst einmal die bisher gegebenen Informationen und Aussagen ab:- Eine Promotion ist keine „Eigenschaft“. Sie ist der Nachweis einer vertieften wissenschaftlichen Beschäftigung mit einem Thema. Danach gilt der Dr. als jemand, der über sein früheres Thema hinaus zu einer in die Tiefe gehenden Bearbeitung auch anderer Themen in der Lage ist. Der Dr.-Ing. wird bevorzugt in der Entwicklung (so man eine hat, ganz besonders auch in der Forschung) eingesetzt. Also hat der Dr.-Ing. eine besondere Qualifikation (zugelassen wird in der Regel nur jemand mit Uni-Diplom „gut“ oder besser); Eigenschaften hat er wie andere Menschen auch.

– Es sollte allgemein bekannt sein, dass Dr.-Ingenieure in der Entwicklung sehr stark vertreten sind. Da man in der Technik stärker auf die Art des Studiums schaut als im Kaufmännischen, macht man FH-Ingenieure nicht so gern zu Chefs von Dr.-Ingenieuren.

Fazit: FH-Ingenieure finden ihren Platz auch in der Entwicklung, der Aufstieg dort ist aber für sie nicht ganz so problemlos wie anderswo. Das sollte zum Standardwissen von jungen Ingenieuren gehören.

 

Antwort/2: Letzteres zuerst: Sie haben Recht. Dabei reichen „einige Monate“ meist nicht aus, im Durchschnitt geht es um mindestens ein bis zwei Jahre. Applikationsgruppenleiter wird jemand mit fundierter Applikationserfahrung und – wichtig – entsprechenden Erfolgen! Dann muss es ein „Loch“ im Organigramm geben, das der AL zu stopfen hat, also eine unbesetzte Position.

Sie brauchen einen Gruppenleiter, auf dessen Urteil sich der vielbeschäftigte AL stützt, da er Sie kaum sieht. Ihr GL aber verliert Sie, wenn Sie befördert werden …Lassen Sie sich durch die Zeitfrage nicht nervös machen. Das alles ist die Folge Ihrer langjährigen Tätigkeit in der Entwicklung, die bei Ihrer Ausbildung nicht optimal zu Ihren Ambitionen passte – der Wechsel hätte schon vor drei oder vier Jahren stattfinden sollen.

Jetzt gilt aus meiner Sicht: Leisten Sie engagierte, erfolgreiche Arbeit, bauen Sie Ihr Image in der neuen Abteilung auf. Pflegen Sie Ihren Gruppenleiter und warten Sie auf die Chance, sich bei passender Gelegenheit auch beim AL zu profilieren (an Ihren nachweisbaren Erfolgen kommt auch der nicht vorbei). Melden Sie Ihre „Ansprüche“ deutlich, aber nicht penetrant an. Ihr AL muss Angst haben, diesen Top-Mann zu verlieren, wenn er ihn nicht befördert. Und setzen Sie für das Vorhaben etwa zwei Jahre an.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1913
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 8
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-02-24

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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