Heiko Mell

Sind Jobs in kleinen Unternehmen „zweite Wahl“?

Gestatten Sie mir, neben meiner Anerkennung für Ihre Arbeit (Sie reden Klartext und das ist auch gut so!) auf einen Punkt hinzuweisen, der mir etwas bedenklich erscheint:
Wenn ich Ihre Antworten Revue passieren lasse, so bemerke ich Ihre Vorliebe für die klassische „Karriereleiter“ eines Angestellten (möglichst in einem großen Unternehmen, gut abgesichert). Das mag für viele Menschen in Ordnung sein, aber ich befürchte, dass (zu) viele jungen Menschen diesen klassischen Weg anstreben, weil er ihnen bequemer erscheint (gewissermaßen als eine Art „öffentlicher Dienst“ in der Wirtschaft).

Ist die Arbeit in den ganz kleinen Unternehmen oder gar die Selbstständigkeit nur „zweite Wahl“? Was würden die Gründer von heutigen großen Unternehmen wohl dazu meinen?

Ansonsten aber: Begleiten Sie uns weiter mit Ihren (nicht nur lehrreichen, sondern auch unterhaltsamen) Tipps!

Antwort:

Nichts freut mich mehr als die Anerkennung, dass meine Schreiberei in dieser Zeitung auch als unterhaltsam empfunden wird. Über den reinen Informationswert hinaus auch solche Elemente einzubringen, das war von Anfang an mein Ziel. Sonst wäre diese Serie nach so langer Laufzeit wohl auch längst an Langeweile eingegangen.Zum Kern Ihrer Frage: Tatsache ist, dass es heute die „gute Absicherung“ im großen Unternehmen, die noch vor zwanzig, dreißig Jahren ein wichtiger Aspekt bei der Arbeitgeberwahl war, nicht mehr gibt. Konzerne fusionieren, werden aufgekauft, stellen nicht zum Kerngeschäft passende Aktivitäten ein, schließen Bereiche, eliminieren ganze Führungsebenen, bauen pauschal Personal ab. Nein, in diesem Lande kann kein Großunternehmen klassischer Art mehr als eine Art „öffentlicher Dienst“ der Privatwirtschaft gelten.

(Wobei diese Anmerkung natürlich geeignet ist, Angehörige des öffentlichen Dienstes auf den Plan zu rufen, die Wert auf die Feststellung legen, dass diese Art von Arbeitgebern keinesfalls etwa … Hier aber geht es nur um das, was die Leute denken. Und viele gehen natürlich in den öffentlichen Dienst, weil sie denken, dort seien sie optimal versorgt, nach zehn Jahren unkündbar und überhaupt. Das zumindest bestreite man bitte nicht.)

Diese „Karriereberatung“ ist, dessen bin ich mir ganz sicher, nicht großbetriebslastig (wenn wir diese Unternehmensart einmal bei etwa tausend Mitarbeitern aufwärts einordnen). Recht haben Sie, wenn Sie die spezielle Situation in den „ganz kleinen“ Unternehmen vermissen. Nur: „Karriere“ ist eine erfolgreiche, von hierarchischem Aufstieg geprägte Berufslaufbahn mit periodisch steigender Verantwortung für Sachen und Mitarbeiter. Und diese Karriere ist in den „ganz kleinen“ (so etwa unter 50 Mitarbeitern) Firmen kaum möglich. Da ist ein Inhaber, dem unterstehen entweder alle oder er hat noch einen oder zwei „Unterführer“. Aus. Auf dieser Basis ist die gezielte Planung und Realisierung einer Karriere klassischen Stils kaum möglich. Arbeiten kann man dort uneingeschränkt ebenso gut wie woanders, aber das ist – siehe auch die mir in dieser Serie gestellten Fragen – nicht unser vorrangiges Thema.

Und der Selbstständige? Der lebt mit seiner Firma, stellt Leute ein oder entlässt sie, verdient (hoffentlich) sein Geld. Oder er ist und bleibt ein Ein-Mann-Betrieb. Aber eine Karriere im obigen Sinne ist das nicht – oder sagen wir es vorsichtshalber so: Wir definieren Karriere im Zusammenhang mit der Berufslaufbahn eines Angestellten. Und das allein ist ja schon ein abendfüllendes Thema.

Und, seien Sie gewarnt: Selbstständigkeit erwägt man als Angestellter nicht einfach „nur so“ als beliebige Handlungsalternative. Es ist – nicht ganz, aber fast – ein „Weg ohne Wiederkehr“, den man da ginge (aus der Sicht des Angestelltendaseins).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1772
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 29
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-07-17

Top Stellenangebote

Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt Professorin / Professor (m/w/d) (W2) Fakultät Maschinenbau Schweinfurt
THD - Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
THD - Technische Hochschule Deggendorf Professor / Professorin (m/w/d) Bildgebende Verfahren mit dem Schwerpunkt Computertomographie Deggendorf
Generalzolldirektion-Firmenlogo
Generalzolldirektion Wirtschaftsingenieur/in (m/w/d) Berlin, Bonn, Dresden, Offenbach am Main
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften-Firmenlogo
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften Bauoberinspektor-Anwärter (m/w/d) Hannover
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften-Firmenlogo
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften Technische Referendare (m/w/d) im Beamtenverhältnis Hannover
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Diplom-Ingenieur/in / Bachelor / Master (w/m/d) Architektur / Bauingenieurwesen / Wirtschaftswissenschaften für den Bereich Baubetrieb und Kalkulation Stuttgart
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft University of Applied Sciences-Firmenlogo
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft University of Applied Sciences W2-Professur für das Fachgebiet "Fahrzeugelektronik" Karlsruhe
Technische Universität Berlin-Firmenlogo
Technische Universität Berlin Bibliotheksreferendar*in (d/m/w) Berlin
BAM Deutschland AG-Firmenlogo
BAM Deutschland AG Planungskoordinator (m/w/d) Hamburg
KfW Bankengruppe-Firmenlogo
KfW Bankengruppe Experte / Sachverständiger (w/m/d) für Umwelt- und Sozialrisikomanagement Frankfurt am Main
Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.