Heiko Mell

Wie kommt man an offene Führungspositionen?

Wo findet man die Stellenangebote für Führungskräfte?

Ich bin seit zehn Jahren Ingenieur und Mitte 30 (ich an Ihrer Stelle würde diese Aussage insbesondere im zweiten Teil noch einmal überdenken: Seit zehn Jahren Mitte 30?; d. Autor). Ich schaue regelmäßig aus Interesse in die Stellenanzeigen verschiedener Zeitungen.

Im Laufe der Jahre habe ich dabei beobachtet, dass vor allem Positionen für Sachbearbeiter in den Zeitungen erscheinen, aber Führungspositionen (etwa Entwicklungs- oder Konstruktionsleiter) nur selten zu finden sind. Weiterhin habe ich in zwei großen Unternehmen (ca. 2.000 MA) erlebt, dass Führungspositionen mit externen Bewerbern besetzt werden, ohne dass es je eine Stellenausschreibung gegeben hat.

Wie passt das zusammen? Werden diese Stellen über Personalberater vermittelt? Wie soll man sich verhalten, falls man aufsteigen will? Soll man sich an einen Personalberater wenden? Muss man in Netzwerken Kontakte mit Kollegen aus anderen Firmen knüpfen?

Antwort:

Ich will versuchen, den verschiedenen Aspekten gerecht zu werden:

1. Nur der Korrektheit halber muss zunächst auch gefragt werden, ob Sie auch in den richtigen Zeitungen suchen. Dabei gilt: Absolut keine Rolle spielt, wo man „eigentlich“ suchen müsste, sondern es geht nur darum, die Zeitungen zu erwischen, in denen solche Stellenangebote auch stehen (der Markt hat seine eigenen Gesetze, er folgt nicht vorrangig logischen Argumenten).

Führungspositionen für Ingenieure stehen bevorzugt in den überregionalen Zeitungen (schön in alphabetischer Reihenfolge) FAZ und VDI nachrichten sowie teilweise in den großen Regionalzeitungen bestimmter Regionen (Beispiel: Stuttgarter Zeitung/Nachrichten für den Großraum Stuttgart).

Für viele Fachleute (u. a. Berater) wie auch für mich ist das Stellenangebot in der richtigen Zeitung nach wie vor der zentrale Träger einer erfolgreichen Suche nach externen Bewerbern in diesem Metier. Wir haben in mehr als 90 % der Fälle, in denen wir Zeitungsinserate bei der Suche nach Bewerbern einsetzen, den angestrebten Erfolg.

 

2. Die Internet-Stellenbörsen gehören heute zum parallel eingesetzten Instrumentarium, bleiben aber im Erfolg deutlich hinter Zeitungsinseraten zurück (kosten aber auch deutlich weniger, das gleicht manches wieder aus). Sie als Interessent sollten dort auch suchen.

 

3. Der Markt „offene Führungspositionen“ ist gewaltigen Schwankungen unterworfen. Dafür ursächlich sind die saisonalen Auf- und Abschwünge pro Jahr und die konjunkturell bedingten Veränderungen. Beispiel: Wir analysieren die in der FAZ veröffentlichten Stellenangebote im industrierelevanten Bereich seit 1975 und differenzieren dabei nach Tätigkeitsbereichen und Hierarchieebenen. Dabei fanden wir beispielsweise jetzt aktuell im IV. Quartal 2002 etwa 70 gesuchte Entwicklungs-/Konstruktionsleiter, zwei Jahre davor (IV. Quartal 2000) waren es noch etwa 170. Springt man in eine andere Jahreszeit und in ein anderes Quartal, werden die Unterschiede noch größer: ca. 240 entsprechende Ausschreibungen in I/99, ca. 90 in IV/93.

Die niedrige aktuelle Zahl (70) ist kein Zufall: In seiner Gesamtheit liefert der erwähnte Stellenmarkt aller industrierelevanten Positionen derzeit die kleinsten Nachfragezahlen seit 1975! Oder anders: Die aktuellen Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind im hier interessierenden Sektor die schlimmsten seit 27 Jahren (mindestens; was vor 1975 war, liegt mir nicht vor, aber es reicht sicher auch so). Übrigens: Die Nachfrage nach nichtführenden Mitarbeitern schwankt noch sehr viel stärker. Und: Mit „auflaufender“ Konjunktur wird die Nachfrage auch wieder größer.

 

4. Das Stellengesuch (die vom privaten Interessenten selbst aufgegebene und von ihm bezahlte Anzeige) in den speziellen Rubriken insbesondere der unter 1. genannten Zeitungen gehört zu den Instrumenten, die Sie im Bedarfsfalle mit ins Kalkül ziehen sollten. Es kann aus prinzipiellen Erwägungen heraus nicht der „Königsweg“ sein, hat aber schon oft zu interessanten Kontakten geführt.

 

5. Suchende Unternehmen können externe Personalberater einschalten. Diese haben folgende, einzeln oder gemeinsam eingesetzte Möglichkeiten. Sie

a) suchen per Anzeige in Zeitungen, dann lesen Sie diese dort und können sich bewerben;

b) stoßen bei der internen Suche in eventuell vorhandenen Bewerber-Dateien oder in Stapeln unverlangt eingesandter Unterlagen auf Kandidaten, die grundsätzlich passen könnten und nun näher betrachtet werden;

c) gehen aktiv auf „Kopfjagd“ (Direktansprache) und ermitteln möglicherweise in Frage kommende Kandidaten in den Unternehmen, treten mit diesen in Kontakt, eruieren deren Interesse und Qualifikation, bevor sie nach vielen Telefongesprächen einen kleinen Rest geeigneter Bewerber herausfiltern.

Die Aktivitäten der Berater zu a) sehen Sie, an denen zu b) können Sie durch unverlangte Einsendungen mitwirken (vorher telefonisch anfragen, nicht alle Berater wollen das bzw. arbeiten so, ich z. B. auch nicht). Auf das Vorgehen nach c) haben Sie kaum Einfluss. Hier gilt: Wenn Sie eines Tages „jemand sind“, finden diese Berater Sie und unterbreiten (fast immer zum falschen Zeitpunkt) gelegentlich Angebote. Ein Sachbearbeiter, der erstmals führen will, ist meist noch zu „klein“, um beim Einsatz dieses Instruments aufzufallen (für Top-Berater dieser Kategorie gilt, dass sie erst so ab 150.000,- EUR Jahreseinkommen anfangen).

 

6. Nehmen Sie einen Regenschirm mit – und es wird nicht regnen. Ein weiteres bekanntes Phänomen: Suchen Sie beispielsweise gezielt und mit Hochdruck eine bestimmte neue Position, stehen zwar seitenlang Stellenangebote in der Zeitung, aber „immer nur solche, die für mich völlig uninteressant sind“. Wichtig: Sie sollten bundesweit suchen!

 

7. Persönliche Beziehungen sind stets wertvoll. Nutzen Sie jede Möglichkeit, „Leute“ kennen zu lernen und pflegen Sie den Kontakt zu ihnen. Richten Sie sich dabei nicht nach der Frage, wie es im konkreten Fall mit der Nützlichkeit der Person für Sie bestellt ist. Der Chef der Opernbühne in Ihrer Stadt kann Ihnen kaum den richtigen Job besorgen. Aber eines Tages braucht Ihr höchster Chef dringend noch drei Premierenkarten für die Betreuung wichtiger Kunden: Sie bieten sich an, telefonieren, lösen das Problem – und sind sehr positiv aufgefallen. Das ist noch nicht „automatisch“ die Karriere, es soll aber als Denkansatz dienen.

 

8. Je nach persönlicher Situation kann(!) sogar ein Firmenwechsel auf gleicher Hierarchieebene sinnvoll sein, wenn beim neuen Arbeitgeber die internen Entwicklungsmöglichkeiten besser sind.

 

9. Bewerber nutzen Beziehungen (siehe 7.), Chefs aber auch. Wenn neue Führungskräfte ins Haus kommen, ohne dass offen oder über Berater inseriert wurde, dann kann auch der Vorgesetzte der zu besetzenden Positionen externe Kandidaten, die er kannte, nachgeholt haben.

Kurzantwort:

Ein Mitarbeiter, der aufsteigen will, aber hausintern nicht vorankommt, hat zahlreiche Möglichkeiten, extern aktiv zu werden. Das Studium der Stellenangebote in den Medien ist dabei der einfachste und leichteste Weg. Außerdem lassen sich auf Anzeigen am besten zielgerichtete(!) Bewerbungen schreiben.

Frage-Nr.: 1732
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-02-20

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