Heiko Mell

Was amerikanische Topmanager empfehlen

Zu Ihrer Stärkung eine Anerkennung: Ich kann im Rückblick feststellen, dass sich im Berufsleben, insbesondere in den Kreisen, aus denen Sie angeschrieben werden, alles so abspielt, wie Sie es beschreiben und Ihren Antworten zugrunde legen. Ich habe mehrfach gegen Ihre Regeln verstoßen, muss aber entweder großzügige Vorgesetzte gehabt oder das durch Leistung ausgeglichen haben.

Meine berufliche Position: Als Dipl.-Ingenieur Leitender Angestellter, Angehöriger des sogenannten Oberen Führungskreises eines, besser des deutschen Elektrokonzerns. Inzwischen Vater eines Sohnes, der es zum Dr.-Ingenieur brachte und dem ich versuche, Ihre und meine Erfahrungen zu vermitteln.

Hier nun aus dem Februar-Heft von „Readers Digest“ ein Beitrag eines amerikanischen Topmanagers (Stanley Bing). Im Wesentlichen decken sich dessen Ratschläge mit den Ihren.

Machen Sie weiter zum Nutzen Ihrer Fragesteller, auch wenn denen Ihre Antworten manchmal nicht gefallen.

Antwort:

Zitieren wir einmal aus dem Beitrag („14 todsichere Tipps für Ihre Karriere, gedacht speziell für den Einsteiger, der den Grundstein für seinen beruflichen Erfolg legen will“). Ich konzentriere mich hier auf die Aspekte, die mir besonders bemerkenswert erscheinen.

Aus Tipp Nr. 1: „Einen Ziegenbart sollten Sie nur dann stehen lassen, wenn Sie es darauf anlegen, Ihre Chefs vor den Kopf zu stoßen.“

Aus Nr. 2: „Sagen Sie nie, was Sie denken. Sagen Sie, was die Leute hören wollen, und lassen Sie persönliche Ansichten nur in winzigen Dosen einfließen.“

Aus Nr. 3: „Seien Sie nach Möglichkeit nett zu jedermann. Wenn Sie die Wahl haben, jemanden fertig zu machen oder ihm zu helfen, tun Sie Letzteres.“

Aus Nr. 4: „Opfern Sie nie Ihre Familie und Freunde auf dem Altar des Geldes. Geschäft ist Geschäft – und bleibt nur Geschäft.“

Aus Nr. 5: „Üben Sie sich in Nachsicht mit älteren Kollegen. … Seien Sie nicht allzu sehr enttäuscht, wenn sie Ihnen und Ihrem Ehrgeiz nicht rasch genug weichen.“

Aus Nr. 6: „Üben Sie sich darin, Ihre Möglichkeiten und Ihre Grenzen zu erkennen.“

Aus Nr. 7: „Was immer Sie selbst tun können: Tun Sie es (die Zeit zum Delegieren kommt später).“

Aus Nr. 8: „Neiden Sie anderen nicht ihre Erfolge; deren Aufstieg hat für Sie keine Bedeutung.“

Aus Nr. 9: „Setzen Sie nie eine Besprechung an, wenn es auch ein Anruf tut. Telefonieren Sie nicht, wenn eine E-Mail genügt. Und schicken Sie keine E-Mail, wenn ein paar Worte im Fahrstuhl den gleichen Zweck erfüllen.“

Aus Nr. 10: „Seien Sie stets loyal, auch wenn es im Moment zu Ihrem Nachteil sein sollte. Ein derartiges Verhalten wird aus höherer Sicht bemerkt und geschätzt.“

Aus Nr. 11: „Schieben Sie nie anderen Ihre Fehler in die Schuhe. Und machen Sie anderen nicht einmal für deren Fehler Vorwürfe.

Und vor allen Dingen: Entschuldigen Sie sich nie, auch wenn Sie noch so gute Gründe hätten. Diejenigen, die das Sagen haben, mögen keine Entschuldigungen – gute noch weniger als schlechte. Jeder macht mal einen Fehler. Doch nur Verlierer suchen nach Ausflüchten.“ (Achtung: Lesen Sie bitte dazu meinen Kommentar, d. Autor.)

Aus Nr. 12: „Bleiben Sie in der Firma, in der Sie sind, bis es gar nicht mehr geht. Halten Sie durch. Das Innenleben eines Unternehmens ist vielschichtig, es dauert lange, bis Sie es verinnerlicht haben. Denken Sie daran: Die Menschen sind überall gleich. Wer alle zwei, drei Jahre die Stelle wechselt, tut das womöglich bis ans Ende des Berufslebens. Er wird benutzt, aber nicht geschätzt.“

Nr. 13: „Seien Sie nicht geldgierig. Sie sind noch zu jung für Reichtum und Wohlleben. Oder glauben Sie etwa, zum Millionär geboren zu sein? Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass Sie hart arbeiten müssen, und das bis ans Ende Ihrer Berufstage. Verstanden?“

Nr. 14: „Haben Sie Spaß. Und wenn Ihnen das nicht gelingt, dann eben nicht. Wer sagt denn, dass Arbeit Spaß machen muss? Schließlich geht es hier ums Geschäft und nicht um Windsurfing.“Soviel an Zitaten. Ich finde diese Darstellung sehr interessant. Schön, hier geht es um ein anderes Land mit anderer Kultur und anderen Details, soweit das Berufsleben betroffen ist. Aber die Übereinstimmung mit dem, was beispielsweise ich seit vielen Jahren hier als abgeleitet aus dem deutschen Wirtschaftssystem präsentiere, ist doch sehr groß.

Einige Punkte sollen nicht unkommentiert bleiben:

Zu Nr. 1: Hm! (Ein triumphierendes Hm!)

Zu Nr. 2: Das ist die Geschichte mit der Wahrheit, die sich für Verkaufsgespräche so schlecht eignet. Und das Vorstellungsgespräch ist ein verkäuferischer Akt – ebenso wie das tägliche Tun am Arbeitsplatz (mittels dessen Sie sich dem Chef als Beförderungskandidat verkaufen – ein permanenter Prozess).

Aber ganz so weit wie der amerikanische Autor würde ich in dieser Frage nicht gehen.

Zu Nr. 4: Recht hat er. Es bleibt am Schluss so wenig von einem jahrzehntelangen beruflichen Streben und – mitunter – so viel von einem harmonischen Familienleben. Aber dieser Autor hat nicht gesagt: „Familie geht vor“ – den Primat des existenzerhaltenden Erwerbslebens stellt er nicht in Frage; „opfern Sie nicht …“ ist etwas anderes als „suchen Sie stets nur Jobs in der Nähe des zufälligen Wohnortes Ihrer Familie“!

Zu Nr. 6: Ein ganz zentrales Thema: Es gilt vor allem herauszufinden, was man nicht kann. Andere (Kommilitonen, Kollegen, Vorgesetzte) sind der Maßstab. Wer nicht reden kann, soll keine Vorträge halten, beispielsweise. Und wer nicht hoffen darf, andere Menschen kraft seiner Persönlichkeit steuern und motivieren zu können, sollte seine Karrierepläne nicht über Gruppen- oder Abteilungsleiter hinaustreiben.

Zu Nr. 10: Das bedeutet: Stehen Sie zu Ihrem Chef, auch wenn der höheren Ortes gerade in Ungnade gefallen ist. Die Geschichte ist zweischneidig: Es hat auch schon loyale Untergebene gegeben, die wurden dann auch hinausgedrückt, nachdem man ihren Chef gefeuert hatte. Aber grundsätzlich stimme ich dem zu, Loyalität ist einfach auch ein Stück Lebensphilosophie (um die Letztere ist es schlecht bestellt, wenn sie ausschließlich aus persönlicher Vorteilsmaximierung besteht).

Zu 11/II: Damit ist absolut nicht gemeint, dass man sich nie entschuldigen soll, beispielsweise wenn man jemandem auf den Fuß tritt, eine unbedachte oder sogar falsche Aussage gemacht hat! Vermutlich sind hier Feinheiten bei der Übersetzung verloren gegangen. Im Deutschen meint man hier die „Ausreden“ für Fehlleistungen, für Versäumnisse etc.: „Ich kann nichts dafür, mich trifft keine Schuld, weil …“ Aus der Sicht eines Chefs nervt es sehr, wenn ein Mitarbeiter jeder denkbaren Kritik immer nur mit „Entschuldigungen“ begegnet. Nicht er sei es gewesen, sondern der Computer, beispielsweise.

Zu 12: Dieselben Maßstäbe wie hier bei uns. Wichtig ist der Hinweis, die Menschen seien überall gleich. Ich würde vorsichtshalber sagen „ähnlich“, komme aber auch zu der Aussage: Wer ein (großes) Unternehmen kennt, kennt alle.

Zu 13: Das ist sehr deutlich, aber in der Sache argumentieren wir völlig deckungsgleich. Da ein Angestellter ohnehin nur begrenzt Geld verdienen kann, ist der extrem einkommensbewusste Mensch als selbständiger Geschäftsmann besser aufgehoben (wobei er allerdings auch Pleite gehen kann).

Zu 14: Ein interessanter Kernsatz: „Wer sagt denn, dass Arbeit Spaß machen muss? Schließlich geht es hier ums Geschäft …“

Also auch hier: Die tägliche Arbeit ist der Weg. Und Wege geht man nicht um ihrer selbst willen (vom Wandern oder Spaziergang abgesehen), sondern um auf ihnen zu einem Ziel zu kommen. Das „Geschäft“, also der nächste berufliche Fortschritt, die spätere Traumposition oder schlicht der wirtschaftliche Existenzerhalt ist das Ziel. Der Weg wird grundsätzlich genommen wie er nun einmal ist. Und: Je anspruchsvoller das Ziel, desto steiniger der Weg. Vom zwangsläufigen Spaß ist keine Rede!

„Das Berufsleben ist kein Windsurfing“, kürzer kann man es nicht sagen (wobei er unterstellt, Surfen mache Spaß).

Kurzantwort:

Aus ganz anderem Blickwinkel und völlig anders gewichtet, gibt ein amerikanischer Topmanager und Autor Empfehlungen für den beruflichen Aufstieg, die man in der Gesamtheit und in vielen wichtigen Details auch in Deutschland so geben kann.

Frage-Nr.: 1595
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-07-06

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