Heiko Mell 01.01.2016, 07:10 Uhr

Vertrieb oder Management?

Mein langfristiges Berufsziel ist es, einmal im Vertrieb oder Management zu arbeiten, doch die Frage ist, wie erreicht man dieses Ziel?

Antwort:

Bitte schreiben Sie nicht solchen Unsinn, der ist eines deutschen Akademikers unwürdig. Er wäre auch eines französischen Vertreters dieses Bildungsstandes weniger würdig – aber dieser schriebe in Französisch, ich könnte es nicht verstehen und brauchte mich nicht zu ärgern.

Also dann: Es gibt zunächst einmal verschiedene Tätigkeitsbereiche, in denen Sie arbeiten könnten: Vertrieb, Entwicklung, Produktion, Kundendienst etc. Für irgendeinen Bereich müssen Sie sich entscheiden. Niemand kommt um diese Festlegung herum.

Wenn Sie damit fertig sind und irgendwo anfangen zu arbeiten, steht Ihnen so nach drei bis fünf Jahren eine neue Entscheidung bevor: Entweder Sie wollen Ihr Leben lang Sachbearbeiter bleiben und immer nur geführt werden, aber niemals führen – oder Sie streben ins Management. Letzteres bedeutet: Sie werden im Vertrieb Vertriebsleiter, in der Entwicklung Entwicklungsleiter, in der Produktion Produktionsleiter, im Kundendienst Kundendienstleiter etc. Diese Managementpositionen erreichen Sie meist nicht in einem Schritt, sondern in Etappen (erst Gruppen-/Projektleiter z. B. in der Entwicklung, dann Abteilungsleiter mit mehreren Gruppen in der Entwicklung, dann Entwicklungsleiter). Darüber hinaus gibt es dann weitere Managementpositionen, die Ihnen offen stehen, bis hinauf zum Vorstandsmitglied.

Es ist also nicht möglich, „im Vertrieb oder im Management“ arbeiten zu wollen, Management ist keine Alternative zum Vertrieb.

Wie man entsprechende Ziele erreicht? Ganz einfach:

a) Vertrieb: Man bewirbt sich, das Talent zeigt sich im Vorstellungsgespräch, man wird eingestellt. Dann braucht man bloß noch nicht gefeuert zu werden – und das Berufsziel „Vertrieb“ ist erreicht.

b) Management: Man arbeitet in seinem Tätigkeitsbereich erfolgreich vor sich hin, erfreut seine Vorgesetzten, indem man in deren Augen ein „guter Mitarbeiter“ ist – und wird früher oder später befördert. Die Wirtschaft hat kein einheitliches verbindliches System für diesen Schritt. Befördert wird man, wenn (wichtig!) das arbeitgebende Unternehmen eine offene Position hat, die es aus rein egoistischem Interesse besetzen will und wenn die Chefs der Meinung sind, gerade dieser Mitarbeiter sei von allen gerade greifbaren der bestgeeignete.

Da die Erfüllung dieser Bedingungen auch von unbeeinflussbaren Zufallsfaktoren abhängig ist und da, wer weiterhin ehrgeizig ist, so etwa alle fünf Jahre befördert werden sollte, gilt: Ist das intern nicht möglich, muss der entsprechend interessierte Angestellte sich extern umsehen, sonst fährt sein „Aufstiegszug“ ab.

Also viel Erfolg auf Ihrem Weg, aber bitte nicht „im Vertrieb oder im Management“. Das ist wie „ich will engagiert Tennis spielen oder im Sport deutscher Meister werden“.

Kurzantwort:

Ein Arbeitgeber befördert einen Mitarbeiter, weil dieser Schritt dem Unternehmen dient. Er befördert den Mitarbeiter nicht, nur weil dieser das verdient hat. Daher kann man mit derselben Qualifikation in einem Unternehmen Abteilungsleiter werden, in einem anderen jedoch Sachbearbeiter bleiben (falls man nicht rechtzeitig wechselt).

Frage-Nr.: 1489
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-05-12

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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