Heiko Mell

Welchen Beitrag kann ich als Ehefrau leisten?

1.162. Frage: Als (weiblicher) Fan Ihrer Karriereberatung wende ich mich mit folgender Frage an Sie:

Wie kann ich als Ehefrau eines aufsteigenden Maschinenbau-Ingenieurs (Anfang 30, Zusatzausbildung im …-Bereich, alle Abschlüsse Note 1, anschließend fünf Jahre Praxis im mittelständischen Unternehmen) zur Karriere meines Mannes beitragen?

Außer daß ich zum wiederholten Wohnort-Wechsel bereit bin (und ihn arbeiten lasse, ohne zu klagen), habe ich eine vage Ahnung, daß ich vielleicht an seinem Aufstieg oder Fall entscheidend beteiligt sein könnte.

Wie kann ich mich (z. Z. Hausfrau und Mutter in …-Ausbildung, erlernter Beruf …-Helferin mit zuletzt leitender, alleinverantwortlicher Position) beispielsweise auf eine eventuelle Begegnung mit Vorgesetzten meines Mannes vorbereiten?
Worauf achtet die Unternehmer-Seite?
Was empfehlen Sie?

Antwort:

Ich empfehle Zurückhaltung. Was zu begründen ist:

Es gab einmal, so erinnere ich mich, einen deutschen Vizekanzler. Ich glaube, ich habe damals seine Partei sogar gewählt. Von dem nun hieß es, seine Frau schubse ihn morgens mit dem Ausspruch aus dem Bett: „Aufstehen, Erich, Karriere machen.“Vermutlich stimmte das so gar nicht aber gefördert hat dieses Gerücht sein politisches Anliegen eher nicht. Und auch über manchen amerikanischen Präsidenten ist schon gesagt worden, eigentlich sei „sie“ es, die alle Fäden in der Hand hätte. (Aber hat nicht auch irgend jemand gesagt, hinter jedem erfolgreichen Mann stünde eine tüchtige Frau?)

Im übrigen habe ich schon viel Ärger gehabt mit diesem Thema. In den siebziger Jahren schrieb ich in dieser Zeitung: „Wer Karriere machen will, darf keine Schwachstellen haben. Die eigene Ehefrau könnte eine sein.“ Das hat ungeheure Wellen geschlagen. Bis hin zur Darstellung als negatives Musterbeispiel in „Emma“.

Daher schreibe ich das heute so nicht mehr.Obwohl die Aussage nach wie vor den Kern trifft. Und falls jetzt ein Leser ebenso naiv wie ich seinerzeit fragt, wo denn in aller Welt die Angriffspunkte bei dieser absolut richtigen Feststellung lägen, erkläre ich es ihm gern: Die Formulierung unterstellt, daß stets der Mann Karriere macht und der Frau dabei nur die Rolle einer möglichen Schwachstelle bleibt. Und das ist sexistisch oder wie immer das modernste Schlagwort dafür lautet.

Also heißt die zeitgemäße Formulierung: „Wer Karriere machen will, darf keine Schwachstellen haben; der eigene Partner könnte eine sein.“ Und der „Partner“ ist ausdrücklich geschlechtsneutral definiert. So viel zu dieser Klippe.

Nun zur nächsten: Was hat der Ehepartner überhaupt mit der Karriere oder generell dem Beruf des Partners zu tun? Er ist bei jenem Unternehmen nicht angestellt, wird von diesem nicht bezahlt für irgendeine Leistung, erhält keinerlei offizielle Anerkennung für eventuelle eigene Beiträge was also soll das, was hat er überhaupt damit zu tun?

So könnte man denken, aber es wäre unrealistisch. Stellen Sie sich vor, ein Bauer hat einen Ehepartner. Und der nun bleibt trotz einzubringender Ernte oder laut muhender Kühe ungerührt im Bett, bereitet sich mental auf den Besuch beim Friseur vor und wirft lässig ein: „Wer führt denn hier eine Landwirtschaft du oder ich?“ Oder der Partner des Außenministers: „Nein“, ziert er (der geschlechtsneutrale Partner) sich, „mit dieser blöden Kuh aus Neu-Süddingsbums setze ich mich nicht an einen Tisch. Staatsempfang hin oder her, ich gehe ins Kino.“

Oder die vielen, vielen Partner von Selbständigen, bei denen auch am Wochenende Geschäftsfreunde oder schlicht Kunden anrufen und in jedem Fall freundliche Aufmerksamkeit erwarten und keineswegs ein spitzes: „Damit habe ich nichts zu tun, das interessiert mich alles nicht.“Undenkbar so etwas. Nein, wer einen anspruchsvollen Beruf hat und darin gar so etwas wie Karriere machen will, ist auf einen nennenswerten Beitrag des Partners angewiesen. Für den uns hier interessierenden Bereich der gehobenen Angestellten-(Manager-)Laufbahn sehe ich vier Kategorien der Mitwirkung und rate den Partnern entsprechend:

 

1. Sprechen Sie vor der Verbindung (Heirat) Ziele miteinander ab.

Wer eines Tages Vorstandsvorsitzer oder Geschäftsführer der Tochter in Taiwan werden will, braucht einen Partner, der das auch möchte oder doch zumindest akzeptiert. Letzteres inkl. der „Preise“, die für hohe Ziele stets zu zahlen sind. Das reicht von der Bereitschaft zur Mobilität über den Willen zum Erwerb von Sprachkenntnissen bis zur Fähigkeit, sich im angestrebten gesellschaftlichen Rahmen dann auch gewandt zu bewegen.

 

2. Überfordern Sie den karriereaktiven Partner nicht.

Das eingangs zitierte Beispiel zeigt die Richtung an. Wer seinen Partner unter Erfolgsdruck setzt, schadet ihm. Es sind Beispiele dafür bekannt, daß sich Angestellte mehr davor fürchten, abends dem eigenen Partner eine Niederlage einzugestehen als davor, dem Chef mit dem fünften Beförderungsansinnen in kurzer Zeit auf die Nerven zu gehen. Außerdem sind die Möglichkeiten jedes Menschen begrenzt. Mancher der Betroffenen spürt das und braucht dann einen verständnisvollen Partner, der auch Abstriche an früheren Zielsetzungen problemlos akzeptiert. Der Ehrgeiz des nicht karriereaktiven Partners sollte den des aktiven (Nachwuchs-)Managers nicht übertreffen.

 

3. 80% des Partnerbeitrages können durch die leicht zu erbringenden Faktoren „Verständnis und Nichtstun“ geleistet werden.Das klingt geheimnisvoll, ist es aber nicht. Gesagt sein soll: Wer seinem karriereaktiven Partner mit Verständnis für seine beruflichen Belange begegnet und nichts Negatives tut, braucht sich um aktive eigene Beiträge kaum noch zu kümmern. Er hat sein Scherflein absolut ausreichend beigetragen, wenn er nicht den beruflich erforderlichen Umzug verweigert; nicht gegen erforderliche Überstunden und (gelegentliche) Wochenendarbeit opponiert; keine Schwierigkeiten bei notwendigen längeren Weiterbildungsmaßnahmen macht; nicht auch das gibt es schon kürzere Dienstreisen allein durch die Weigerung erschwert, nachts allein in der Wohnung zu bleiben; nicht bei gesellschaftlichen Anlässen mit Ehepartnern unangenehm auffällt, gegenüber dem eigenen Partner deutlich dominiert oder z. B. als jüngere Frau die älteren Damen in Begleitung der Chefs durch gewagte, figurbetonte Garderobe gnadenlos aussticht (als eines von vielen denkbaren Beispielen); einen karrierefördernden Auslandseinsatz nicht durch ein Veto blockiert; nicht die vermeintlichen Karriereerfolge von Freunden und Nachbarn als Vergleichsbasis immer wieder in die Diskussion einführt; nicht durch eigene berufliche, gesellschaftliche oder politische Aktivitäten dem Partner in dessen Umfeld schadet.

 

4. Es gibt darüber hinaus nicht zwingend erforderliche, aber denkbare aktive Partnerbeiträge.Diese sind stark vom Einzelfall abhängig, könnten aber beispielsweise umfassend interessierte, fachlich fundierte Anteilnahme an den beruflichen Problemen, um u. a. dem Partner Gelegenheit zu fruchtbaren Diskussionen zu geben („Sparringspartner“), sich anbietende Verbindungen zu den jeweiligen Ehepartnern von Kollegen und Mitarbeitern des eigenen Partners zu pflegen (bei den Partnern von Vorgesetzten ist Vorsicht angesagt, hier reagiert man besser passiv erst auf Ansprache), aktive Förderung von Verbindungen zu wichtigen externen Geschäftspartnern des eigenen Partners durch Einladungen im privaten Bereich, Organisation von gesellschaftlichen Veranstaltungen etc.

Was nun die konkrete Begegnung mit Vorgesetzten des Partners angeht: Eine besondere Vorbereitung ist, etwas gesellschaftliche Routine vorausgesetzt, grundsätzlich nicht erforderlich. Chefs sind schon zufrieden, wenn sich der Partner des (noch jungen, erst aufstrebenden) Angestellten als netter, freundlicher, nicht irgendwie unangenehm auffallender Mensch entpuppt der ihnen aufgeschlossen und interessiert entgegenkommt. Es kann keineswegs schaden, wenn auch der Partner den „Chef“ ein bißchen wie einen ranghöheren Menschen behandelt.

Aber: Führungskräfte sind stets mißtrauisch gegen Anbiederungen, plumpe Schmeicheleien u. ä. Man versuche also eher lieber nicht, die Karriere des Partners bei dessen Vorgesetzten aktiv zu „fördern“, das kann ins Auge gehen.Mit freundlicher (nicht etwa abweisender!) Zurückhaltung macht man nichts falsch, mit dem zarten Hinweis auf die „ja längst verdiente“ Beförderung des Partners hingegen sehr wohl. Sicher, es mag eine „hohe Schule“ auch für möglichen aktiven Partnereinsatz geben. Man könnte sich im Hobbybereich der Vorgesetzten oder Geschäftsfreunde (und/oder deren Partner) Kenntnisse aneignen und so seinerseits Brücken schlagen. Aber Vorsicht! Jede dick aufgetragene „Aktion“ schadet mehr als sie nützt.

Bleibt festzuhalten, daß sicher recht viele Karrieren schon gescheitert sind, weil der Partner nicht mitzog, Widerstand leistete, den „Preis“ nicht zahlen wollte. Und da unsere Einsenderin nun einmal eine Frau ist, sei ein einziges darauf gemünztes (absolut sexistisches) Beispiel erlaubt. Es haben in der Tat schon ergraute Chef-Gattinnen nach entsprechenden gesellschaftlichen Veranstaltungen entschieden: „Karl-Egon, dieser Müller in deinem Bereich, den du immer fördern wolltest, ist mit einer unmöglichen Person verheiratet. In mein Haus, in unsere Kreise kommt die mir jedenfalls nicht.“ „Natürlich nicht, mein Schatz“, hat der Chef entgegnet und seufzend den Müller von der Beförderungsliste gestrichen. Das sind dann jene Fälle, in denen sich die Betroffenen absolut nicht erklären können, warum sie nicht ….Schließlich und das ganz ernsthaft wäre darauf hinzuweisen, daß die Dinge komplizierter werden, wenn beide Partner größere Karriereambitionen haben. Daß jeder von ihnen jeweils dem anderen weitgehend Spielraum gewährt, wird sich dann wohl nicht machen lassen. Hier bleibt nur der individuelle Kompromiß. Mitunter werden Konflikte jedoch schon vorprogrammiert:

Z. B. wenn einer von beiden eine Praxis als niedergelassener Arzt aufbaut und der andere eine internationale Karriere anstrebt, die jahrelange Auslandseinsätze und diverse Ortswechsel auch im Inland mit sich bringen wird.

 

Kurzantwort:

Der (Ehe-)Partner ist bei der Karrieregestaltung ein wichtiger Faktor. Er muß entsprechende Ziele mittragen und bereit sein, den unumgänglichen jeweiligen „Preis“ dafür zu zahlen. Es ist schon viel gewonnen, wenn er zumindest nicht gegen die Zielsetzung arbeitet karrierefördernde aktive Maßnahmen auf eigene Initiative hin werden von ihm nur in besonderen Fällen gefordert.

Frage-Nr.: 1162
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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