Heiko Mell

„Dem Ost-Leser keine vergleichende Begehrlichkeit suggerieren“

Zur Problematik der Einkommen in der Beantwortung von Fragestellungen möchte ich bedenken, dass man bei Fragen, in denen Einkommensangaben von 100 T EUR pro Jahr enthalten sind, sich schon die Frage stellen muss, warum dieser Fragesteller sich überhaupt an die VDI nachrichten wendet. Kann er sich eine private Beratung nicht leisten? Wer Bezüge in solchen Größenordnungen für sich beansprucht, sollte sich Karrierefragen auch allein beantworten können, sonst hat er die Bezüge nicht verdient.

In den östlichen Bundesländern wäre sicher mancher GF eines Mittelständlers froh, die Hälfte davon als Gewinn zu realisieren. Da muss man nicht durch Veröffentlichung in einer renommierten Ingenieurzeitschrift den Eindruck erwecken, so etwas wäre Standard und damit dem Leser vergleichende Begehrlichkeiten suggerieren. Ich glaube, der maßvolle Umgang mit solchen Informationen ist ein guter Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung und auch von Führungskräften.

Als Autor von Beiträgen besteht neben der sachlichen Darstellung von Sachverhalten auch immer die Verantwortung, dass man mit seinen Beiträgen Entwicklungen zementiert oder lenken kann. In einer Zeit, in der über Spitzengehälter von Top-Managern oder Diäten von Politikern diskutiert wird, sollte man auch mit Einkommensangaben von anderen Schichten maßvoll umgehen.

Antwort:

Sie sitzen in Dresden und betiteln Ihre im Original sehr viel längere, ein anderes Thema betreffende Einsendung „Karriereberatung mit zu wenig Sicht auf Ostdeutschland“. Dazu will ich gern etwas beitragen:

1. Es gibt strukturschwächere Gegenden in so mancher Ecke Deutschlands, keinesfalls nur oder gar pauschal im Osten.Ich bin öfter in den neuen Bundesländern – und mit meinem 5er BMW dort keinesfalls etwa ein Exot mit einem vielbestaunten Luxusauto, eher im Gegenteil. Das beweist noch nichts über das Einkommensniveau der Gesamtbevölkerung, aber inzwischen müssen auch viele Bewohner dieser Länder so gut verdienen, dass sie nicht etwa in Ohnmacht fallen bei Beträgen von 100.000 EUR pro Jahr. Schon gar nicht, wenn diese in einer Rubrik wie unserer stehen.

2. Die vieldiskutierten Spitzengehälter von Top-Managern liegen in einem Bereich, in dem man über 100.000 EUR pro Jahr noch nicht einmal müde lächelt. Dort geht es um Millionen p. a. Ihr Vergleich passt hier absolut nicht.

3. Der genannte Betrag ist ganz normal für Angehörige des mittleren und gehobenen Managements. Diese wiederum sind ganz normales Leserpublikum für die „Karriereberatung“ einer Zeitung für Akademiker.

Nach diversen Statistiken fangen Berufseinsteiger (Ingenieure) heute so um 40.000 bis 45.000 EUR p. a. an, Dr.-Ingenieure (keine Exoten, sondern Menschen wie du und ich) oberhalb von 50.000 EUR p. a. Die genannten 100.000 EUR werden – als Verdopplung – innerhalb einer soliden Karriere durchaus problemarm(!) erreicht.

Top-Manager im Mittelstand liegen bei ca. 180.000 bis knapp 300.000 EUR p. a., im Einzelfall darüber. Es gibt viele davon.

4. Im Informationszeitalter stehen Daten dieser Art jedem jederzeit offen, ob ich nun alle paar Jahre einmal eine Zahl nenne oder nicht.

5. In einem freien Land kann jeder dorthin gehen, wo – vermeintlich – Milch und Honig fließen. Wenn er es denn will. Und wenn er sich gegen harten Wettbewerb durchsetzen kann. Aber er sollte nicht zu Sozialneid neigen. Ich sehe ja auch sehr gelassen, dass z. B. der Vorstandsvorsitzende so manchen Konzerns ungleich mehr verdient als ich.

Frage-Nr.: 2243
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 56
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-07-30

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