Heiko Mell

Erfolgreich, aber unterbezahlt

Seit etwa zwei Jahren habe ich meinen Traumjob als Betriebsleiter mit etwa 30 unterstellten Mitarbeitern. (Ich habe keine direkte Budgetverantwortung, was mich stört, weil ich nie weiß, wo wir gerade stehen.) Kurz nach meinem Eintritt gab es einen Vorgesetztenwechsel.
Das Unternehmen ist eine kleine Einheit in einem der weltweit größten Konzerne unserer Branche. Meine Aufgaben umfassen die Mitarbeiterführung, Instandhaltungsplanung, Arbeitssicherheit, Optimierung der Anlagen sowie diverse Projekte.

Als ich anfing, war der Betrieb in einem sehr stark maroden Zustand. Die Mitarbeiter waren durch ständige Wechsel in der Führungsetage verunsichert und durch den Stil des Vorgängers meines Chefs verängstigt, der Betrieb war völlig verdreckt.

Ich kann durch Zahlen belegen, dass die Produktivität gestiegen ist bei gleichzeitiger Senkung der Kosten. Weiterhin kann ich belegen, dass ich die zahlreichen Projekte kontinuierlich vorantreibe. Zudem sieht der Betrieb jetzt aufgeräumt aus. Die Mitarbeiter fangen an, mir zu vertrauen.Ich habe einen AT-Vertrag mit x EUR/Monat + Firmenwagen. Ich weiß, dass die anderen Betriebsleiter mit zwei bis drei Jahren längerer Dienstzeit ca. 30 % mehr verdienen. Teilweise verdienen hier Sachbearbeiter im Innendienst, in der Personalabteilung und im Sekretariat deutlich mehr als ich. Der Geschäftsführer hat mir für dieses Jahr + 6 % und für das nächste weitere + 8 % (auf das heutige Gehalt bezogen) vorgeschlagen. Was ich als lächerlich ansehe. Meine Vorstellungen liegen entsprechend bei + 12 % für dieses, bei + 23 % für das nächste und + 36 % für das übernächste Jahr.

Sind meine Vorstellungen überhaupt realistisch, wie kann ich dem Geschäftsführer meine Vorschläge plausibel machen, was soll ich machen, wenn er abblockt?

Zur Information: Mein Studium habe ich auf dem zweiten Bildungsweg gemacht. Nach dem Examen war mein Berufsweg sehr holperig: ein halbes Jahr hier, ein Jahr dort, dann wieder ein halbes Jahr woanders, dazwischen arbeitslos. An jener Situation trage ich größtenteils selbst die Schuld.

Antwort:

Wir wollen hier keine Diskussion um konkrete Gehälter führen, für diese Einstellung gibt es gute Gründe. Daher habe ich alle im Original enthaltenen Beträge in Steigerungsraten umgerechnet.

Meine Empfehlung: Ja, Sie verdienen für Ihre Position und vielleicht auch für Ihre bisherigen Verdienste sowie im Vergleich mit Kollegen aus vergleichbaren Positionen im Haus derzeit tatsächlich etwas wenig. Aber: Nach einer jahrelangen Misere, die Ihr Lebenslauf ausweist, ist dies formal eine tolle Position, Sie selbst nennen das „Traumjob“. Das ist die zentrale Chance Ihres Lebens, halten Sie die mit beiden Händen fest.

Sie jedoch riskieren es, Ihren Geschäftsführer tiefgreifend zu verärgern, wenn er + 6 und + 8 anbietet, Sie aber + 12, +23 und dann auch noch + 36 % fordern. Das kann der niemals akzeptieren, mit Ihrem Wunsch allein gefährden Sie alles! Und: Gehaltsgespräche mit Geschäftsführern sind keine Verhandlungen über Teppichpreise auf einem orientalischen Basar.

So toll sind Ihre Verdienste noch nicht, der wesentliche Teil davon ist mit Ihrem Standardgehalt abgegolten. Die vergleichbaren Kollegen haben nicht nur mehr Dienstjahre, die hatten auch vermutlich ein solideres (marktwerterhöhendes) berufliches Vorleben.

Seien Sie dankbar für die (fast unverdiente) Chance, zeigen Sie das Ihrem Chef, akzeptieren Sie – auch dankbar – seine Angebote und bringen Sie dort erst einmal fünf sehr erfolgreiche Jahre hinter sich. Dann sehen wir weiter (und dann steht Ihnen die – berufliche – Welt offen).

Kurzantwort:

Es gibt – vielleicht – „Traumpositionen“, es gibt – manchmal – zweite Chancen für Menschen, die ihre erste selbst vertan haben und es gibt – relativ gesehen – gut bis sehr gut bezahlte Tätigkeiten/Positionen. Aber alles gleichzeitig zu erwarten, ist ein wenig viel verlangt (Leseempfehlung: „Vom Fischer und seiner Frau“, Gebrüder Grimm).

Frage-Nr.: 2195
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-02-13

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