Heiko Mell

Was alles gehört dazu?

Ich bin derzeit bei Arbeitgeber A im Tarif beschäftigt. Anlässlich einer Bewerbung bei B, bei der es um eine Position im außertariflichen Angestelltenverhältnis (aT) ging, hat man mir die Frage nach meinem Gehaltswunsch gestellt. Ich habe daraufhin mein derzeitiges Brutto-Gehalt angegeben.

Nun setzt sich heute mein Gehalt zusammen ausTarifgehalt (brutto)Leistungszulage, ERA Leistungszulage, VWLKontoführungsgebühr, KV-Zuschuss (privat versichert), PV-Zuschuss (privat versichert).
Beinhaltet meine Gehaltsangabe (brutto) alle Leistungen über das Grundgehalt hinaus, d. h. Zuschläge, KV + PV sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld? Ich möchte nämlich netto nicht unterhalb meines derzeitigen Gehaltes liegen.

Man hat mir kurzfristig ein Angebot zugesagt.

Antwort:

Ein Spezialist für die Bestandteile eines Tarifgehaltes sowie der steuerlichen Behandlung gewisser Zuschüsse bin ich nicht und möchte ich auch nicht werden. Ich neige mehr zur Kreativität – und solche Leute landen leicht im Gefängnis, wenn sie in diesem Bereich einfach nach Logik arbeiten statt nach diversen Abrechnungsvorschriften. Würden Sie mich also fragen, ob man eine Kontoführungsgebühr netto ausbezahlt bekommt oder als Arbeitnehmer versteuern muss, dann langweilte mich das, ich will es auch gar nicht so genau wissen.

Aber ich sehe dennoch einige Probleme auf Sie zukommen. Vorab noch dieses:Man redet über Gehälter anlässlich von Bewerbungen eigentlich stets in Form von Jahres-Brutto-Bezügen. Das hat den Vorteil, dass Missverständnisse im Hinblick auf Weihnachts- oder Urlaubsgeld, Leistungszulagen etc. gar nicht erst auftreten können.

Jeder Mensch wird zugeben, dass es ein berechtigtes Anliegen ist, nach einem Wechsel wenigstens keine geringeren Netto-Bezüge haben zu wollen – aber das Problem interessiert Arbeitgeber nicht. Sie denken in Brutto-Beträgen, die Höhe der Abzüge ist Sache des Angestellten, Beschwerden darüber sind zu richten an „Bundesregierung, Berlin“.

Nun zu Ihren möglichen Problemen:

 

1. Der neue Arbeitgeber kann unmöglich wissen, was Sie an Zulagen alles so bekommen. Es besteht die Gefahr, dass er Ihnen jetzt auf der Basis des bisher von Ihnen genannten reinen Monats-Brutto-Gehaltes ein Angebot unterbreitet, bei dessen Annahme Sie schlechter gestellt wären als heute. Dann müssten Sie nachfordern, Argumente nachliefern etc. Alles dies wäre für beide Seiten höchst unangenehm.

Vorschlag: Sie senden dem neuen Arbeitgeber sofort eine Nachricht, mit der Sie vorher (vor der Formulierung des Angebots an Sie) für Klarheit sorgen. Etwa so:

Meine Bewerbung um die Position …Sehr geehrter …,bei unserem letzten Kontakt hatte ich auf die Frage nach dem Gehaltswunsch mein aktuelles monatliches Brutto-Gehalt (Tarifgruppe …) genannt. Das ist selbstverständlich korrekt. Allerdings erhalte ich heute diverse Zulagen, die ich zu erwähnen vergessen hatte, die Sie aber kennen müssen, um mir ggf. ein Angebot unterbreiten zu können. Das war mein Versehen, für das ich mich nur entschuldigen kann.

Ich liste Ihnen hier einmal alle Details meiner Bezüge im letzten Jahr auf:“(Dann listen Sie auf Jahres-Brutto-Basis alles auf, was Sie für erwähnenswert halten. Sofern bestimmte Zulagen netto in gleicher Höhe ausgezahlt werden, schreiben Sie jeweils in Klammern „netto ausgezahlt“ dahinter. Beim „Tarifgehalt“ können Sie schreiben „inkl. Urlaubs- und Weihnachtsgeld“.)

Sollte bei Ihnen in den nächsten Monaten eine jetzt schon absehbare Erhöhung anstehen (z. B. durch ein neues Beschäftigungsjahr in der Gruppe), dann schreiben Sie das gleich in Klammern dahinter. Falls kurzfristig eine allgemeine Tariferhöhung ansteht, können Sie auch noch dahinter schreiben „(zuzüglich der zu erwartenden Tariferhöhung in den nächsten Monaten)“.

Für die übrigen Leser: Das ist kein empfehlenswertes Vorgehen bei Bewerbungen! Dieser kleinkarierte Kram entsteht nur, wenn man im Vorstellungsgespräch zunächst eine zu kleine Zahl nennt, weil man wichtige Gehaltsbestandteile schlicht vergessen hat. Davon wieder herunter zu kommen, ist ärgerlich. Der Ärger ist kleiner, wenn man diese Nachricht sofort hinterherschickt und größer, wenn man am vorgelegten Vertragsentwurf herumkrittelt. Die saubere Lösung besteht in solchen Fällen in folgendem Vorgehen:

Man sollte in jeder Bewerbung, ob vom suchenden Unternehmen erbeten oder nicht, sein Ist-Gehalt grob angeben. Im vorliegenden Falle etwa so:“Meine derzeitigen Bezüge betragen … EUR brutto pro Jahr entsprechend der Einstufung nach T7 des Metalltarifs, einschl. Leistungs- und ERA-Zulagen. Hinzu kommen vermögenswirksame Leistungen und Zulagen zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung.“

Die Höhe der erwähnten Zulagen erfragt der neue Arbeitgeber dann im Vorstellungsgespräch, er weiß aber wenigstens, dass es sie gibt. Und die Kontoführungsgebühr als Thema beerdigen wir am besten gleich in aller Stille, sie wirkt immer peinlicher, je öfter ich das Wort hinschreibe.

 

2. Sie wechseln vom Tarif ins aT-Verhältnis. Das ist gut, das ist eine Stufe auf dem Weg nach oben, das muss beim Aufstieg irgendwann kommen. Wer die richtige innere Einstellung hat, wertet das so.Aber: Wer sehr detailverhaftet denkt und beispielsweise 65.000 EUR Jahresbrutto im Tarif verdient, der kann durchaus feststellen, das er bei 65.000 EUR Jahresbrutto im aT-Verhältnis Nachteile hat, auch finanzielle.

Dabei spielen individuelle Gegebenheiten eine Rolle, hingewiesen werden soll hier nur auf Überstundenvergütung, „automatische“ jährliche Gehaltserhöhung, diverse zusätzliche soziale Vergünstigungen etc. Pauschal gilt: Bei einem Arbeitsvertrag lt. Tarif gilt alles, was in diesem Vertrag steht, zusätzlich gelten die Ansprüche aus dem jeweiligen Tarifvertrag. Bei einem aT-Arbeitsvertrag gilt grundsätzlich nur, was dort geschrieben steht. Der Tarif hat ausdrücklich keine Geltung, das ist ja der Zweck der Übung.Daher gelten zwei Anmerkungen:

a) Es ist schon vorgekommen, dass Arbeitgeber bestimmten ihrer Tarifangestellten aT-Verträge angeboten haben, weil sie (die Arbeitgeber) daraus Vorteile zogen.

b) Gemeinhin tritt das Problem nicht auf oder wird es nicht so deutlich, weil man üblicherweise (nicht „automatisch“) jenem Beispiel-Tarifangestellten mit einem Jahresbrutto von bisher 65.000 EUR nun etwa 72.000 EUR im aT-Verhältnis anbietet.

 

Fazit: Für den „Sachbearbeiter-Typ“ gilt es, beim Übertritt in das aT-Verhältnis sorgfältig abzuwägen. Für den Karriere-Typ ist aT die unterste Stufe der Aufstiegsleiter. Und zum Teufel mit der Kontoführungsgebühr.

Kurzantwort:

1. Wer Angaben zum Gehalt in Bewerbungen macht, sollte „Zulagen“ u. Ä. zumindest von Anfang an verbal erwähnen, dann ist später die Diskussion über Gehaltsforderungen einfacher.

2. Für die Karriere ist ein aT-Vertrag selbst dann mittelfristig ein Vorteil, wenn er zunächst in einigen Bereichen auch Nachteile bringt.

Frage-Nr.: 2097
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-02-15

Top Stellenangebote

Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH QC-Fachkraft (m/w/d) für die SW-Programmierung der Automotive-Teststände Lüneburg
Bauhaus-Universität Weimar-Firmenlogo
Bauhaus-Universität Weimar Leiter (m/w/d) Sachgebiet Liegenschaftsverwaltung Weimar
Freie Universität Berlin-Firmenlogo
Freie Universität Berlin Technische/-r Beschäftigte/-r (m/w/d) Berlin
Technische Universität Braunschweig-Firmenlogo
Technische Universität Braunschweig Universitätsprofessur (W3) Intermodale Transport- und Logistiksysteme (m/w/d) Braunschweig
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften München W2-Professur für Fertigungstechnik und Produktionsprozesse (m/w/d) München
Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung-Firmenlogo
Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Ingenieur für Messtechnik und Datenerfassung (w/m/d) Potsdam
Fachhochschule Bielefeld-Firmenlogo
Fachhochschule Bielefeld W2-Professur Lehrgebiet Projektmanagement; insbesondere Kostenermittlung und Controlling Minden
Ernst-Abbe-Hochschule Jena-Firmenlogo
Ernst-Abbe-Hochschule Jena Professur Virtuelle Produktentwicklung (W2) Jena
FH Aachen-Firmenlogo
FH Aachen Professur Technische Mechanik und Simulation Aachen
KfW Bankengruppe-Firmenlogo
KfW Bankengruppe Bau- oder Umweltingenieur/in als Technischer Sachverständiger (w/m/d) Frankfurt am Main
Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.