Heiko Mell

Jahresgehalt

Ich befinde mich zur Zeit in der Phase der Vorstellungsgespräche und ständig taucht ein Missverständnis mit dem Begriff „Jahresgehalt“ auf. Besteht das nun aus zwölf Gehältern entsprechend den Kalendermonaten oder ist die Definition jedem Unternehmen selbst überlassen?

Antwort:

In den Verhandlungen zwischen Bewerbungsempfänger und Bewerber benutzt man den Begriff des Jahreseinkommens, der Jahresbezüge bzw. der DM p. a. / Euro p. a. (was „pro anno“ bedeutet) schlicht deshalb, weil es die klarste, schnellste Definition des Themas „Einkommen“ ist.Jeder Angestellte bezieht irgendein Monatseinkommen. Aber dann geht es los: Meist wird irgendwann ein Urlaubsgeld und/oder Weihnachtsgeld gezahlt – aber wie viel? Manche Mitarbeiter bekommen zum Gehalt Tantiemen oder Provisionen oder Prämien, von denen wiederum ein Teil garantiert sein kann. Die Bezüge können sich also aus lauter fixen (feststehenden) oder aus fixen und variablen (also schwankenden) Bestandteilen zusammensetzen. Bei nur variablen Bezügen wäre man kein Angestellter mehr, das entfällt also.

Damit nicht genug, zahlen mitunter Unternehmen sogar die fixen Monatsgehälter dreizehn- oder vierzehnmal im Jahr. Manches geschieht freiwillig, manches ist tarifvertraglich geregelt.

Um in Verhandlungen vor der Einstellung dem Unternehmen einen schnellen Überblick zu ermöglichen, was der Bewerber insgesamt kosten würde und um diesem zu sagen, mit welchem Einkommen er rechnen kann, spricht man schon in der schriftlichen Bewerbung und meist auch noch im ersten Vorstellungsgespräch nur vom Jahreseinkommen. Das besteht nach allgemeiner Übereinkunft aus den genannten Teilen – und informiert einfach schneller als die umständliche Aufzählung der verschiedenen Details. Es ist die Summe, die auch auf der Lohnsteuerkarte steht bzw. stehen würde.

Sind variable (also von irgendetwas abhängige und damit schwankende) Bestandteile dabei, sagt man (sowohl der Arbeitgeber als auch der Bewerber) beispielsweise: „Jahreseinkommen ca. 120.000,- DM, davon ca. 25.000,- DM variabel“. Das reicht erst einmal.

Spätestens im Vertragsangebot (ein Vertrag ist es erst, wenn beide Seiten unterschrieben haben) wird das Jahreseinkommen dann ganz detailliert aufgeschlüsselt, so dass keine wesentlichen Fragen offen bleiben, bevor man unterschreibt. Mitunter wird bei manchen Einzelheiten auf bestehende Tarifverträge verwiesen, in denen Details (z. B. Weihnachts- und Urlaubsgeld) geregelt sind – die sich aber ändern können nach der nächsten Tarifverhandlung. Die Tarifverträge muss man sich dann zusätzlich aushändigen lassen, was aber meist „automatisch“ geschieht.

Es gibt sehr viele Arbeitsverträge, in denen daher vorsichtshalber gar kein Jahreseinkommen genannt wird, sondern nur die einzelnen Gehaltsbestandteile – dann muss man diese als Betroffener selbst zusammenrechnen. Wegen diverser variabler Bestandteile könnte man ja oft das Jahreseinkommen vorab nur schätzen, was man in Verträgen nicht gern macht.

Und damit es schwerer wird: „Gehalt“ ist stets ein monatlicher Bezug lt. offizieller Definition. Deshalb gibt es ein „Jahresgehalt“ eigentlich gar nicht. Aber das wird in der Praxis nicht so eng gesehen.

So kompliziert, wie Sie das jetzt vielleicht empfinden, ist das überhaupt nicht. Stellen Sie sich einfach vor, ein Führerscheinneuling fragt arglos: „Was kostet eigentlich so ein Auto?“ Dann hört er sich auch eine halbe Stunde lang etwas an über einmalig zu zahlende Kaufpreise abzüglich denkbarer Nachlässe, monatliche Fixkosten wie Steuer und Versicherung, letztere schwankend nach Typklassen, Regionen und individuellen Schadensfreiheitsrabatten, über Benzinkosten, die von Fahrleistungen abhängen und von der OPEC sowie den Spotmärkten, über Reifenkosten und Reparatur- und Wartungskosten, Wertverlust etc. Aber wer täglich damit umgeht, findet das gar nicht so kompliziert.

Kurzantwort:

Das „Jahreseinkommen“ dient einer ersten Verständigung zwischen potenziellem Arbeitgeber und Bewerber über „Einkommen/Gehaltskosten“. Später (z. B. im Vertrag) folgt dann eine detaillierte Aufschlüsselung der Bezüge.

Frage-Nr.: 1622
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-11-02

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