Heiko Mell

Geheim oder nicht?

In meinem Arbeitsvertrag steht, dass „gehaltliche Vereinbarungen Dritten gegenüber grundsätzlich nicht zugänglich gemacht werden dürfen“. Dagegen würde ich verstoßen, wenn ich z. B. in einem Bewerbungsgespräch mein aktuelles Gehalt angeben würde.

Antwort:

Sicher gibt es dazu arbeitsgerichtliche Entscheidungen oder Fachkommentare. Da dies aber ohnehin keine Rechtsberatung sein kann und darf, hier eine bloße Gedankenkette dazu:

Neue Arbeitgeber wollen in der Regel vom Bewerber wissen, was der zuletzt verdient hat. Gibt dieser die Information nicht preis, wird er nicht eingestellt.

Das kann aber die Rechtsprechung nicht wollen und nicht gewollt haben – einen so hohen Stellenwert darf die Geheimhaltung des Gehaltes niemals bekommen. Wer sich an diesen Vertragspunkt hielte, wäre ja praktisch des Rechts auf freie Wahl des Arbeitgebers beraubt, das sogar Verfassungsrang hat.

Außerdem erfährt der neue Arbeitgeber den fraglichen Zahlenwert ohnehin aus der Lohn-steuerkarte. Gefiele der ihm nicht, könnte er dem neuen Mitarbeiter sofort die Kündigung aussprechen, der wäre ja noch in der Probezeit.

Dann gibt es noch den Grundsatz, dass ein Kläger da sein muss, bevor ein Richter tätig werden kann. Wer aber könnte / würde das „Delikt“ einem Richter vorlegen? Der neue Arbeitgeber weiß nicht, was in Ihrem Vertrag steht, der alte weiß nicht, was Sie bei der Vorstellung alles gesagt haben. Vielleicht sagen Sie ja dort noch viel schlimmere Sachen?

Und dann steht das Wort „grundsätzlich“ in Ihrem Vertrag – was immer Ausnahmen beinhaltet. Ferner ist eigentlich der gesamte Bewerbungsprozess, der hinter dem Rücken des derzeitigen Arbeitgebers durchgeführt wird, in dessen Augen „Hochverrat“.

Schließlich: Hat nicht Adenauer gesagt, man solle nicht so pingelig sein? Letztlich ist „gegenüber … zugänglich …“ sprachlicher Unfug.

Was Sie aber nicht tun sollten: Auf der Toilette einem Kollegen erzählen, was Sie verdienen. Das ist gefährlich (für Sie) und genau das wollte Ihr Arbeitgeber verhindern.

Kurzantwort:

Es gibt keine vernünftige Chance, einem neuen Arbeitgeber das Gehalt beim früheren Unternehmen zu verheimlichen. Schließlich steht der Betrag auf der Lohnsteuerkarte.

Frage-Nr.: 1472
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-03-24

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