Heiko Mell

Wo lasse ich die drei Monate im Lebenslauf?

Frage:

Mein Lebenslauf gestaltete sich bisher erfolgreich und lückenlos: Sieben Jahre Beratung, elf Jahre mittelständisches Unternehmen, sieben Jahre Beratung. Nun hatte ich erneut in ein mittelständisches Unternehmen gewechselt, aber es passte nicht. Die Trennung erfolgte jetzt nach nur drei Monaten sehr kurzfristig, ich werde voraussichtlich wieder in mein vorheriges Unternehmen zurückkehren.

Wie sollte die Darstellung im meinem Lebenslauf erfolgen? Was empfehlen Sie für die Darstellung in Netzwerk-Portalen?

Antwort:

Es gibt eine individuell Ihnen gewidmete leichte und kurze Antwort – und eine grundsätzliche, längere und auch für andere Leser interessante:

a) einsenderbezogen: Sie haben 25 Jahre Berufspraxis, müssen also um die 50 sein. Den Lebenslauf brauchen Sie nur bei Bewerbungen. Jetzt gehen Sie erst einmal zum alten Arbeitgeber zurück. Dort können Sie so schnell nicht wieder weggehen, das sähe lächerlich aus („Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln“). Also müssten Sie etwa drei Jahre erneut dort bleiben, dann aber wären Sie fast Mitte 50 und sollten sehr vorsichtig mit weiteren Wechseln umgehen (weil jeder Wechsel schiefgehen kann und Sie dann keine Chance mehr hätten).

Damit wäre Ihr Problem (fast) erledigt.

b) allgemeingültig: Unglücklich verlaufende Wechsel kommen vor – und sind bei langfristigen Planungen stets als Risiko mit in die Überlegungen einzubeziehen. In solchen Fällen zahlt sich dann ein sehr solider, durch längere Beschäftigungszeiten gekennzeichneter Werdegang aus – er puffert das ungünstige Bild einer dreimonatigen Tätigkeit wirksam ab. Unser Einsender hat genau das zu bieten!

Weniger problemlos ist die Rückkehr zum „alten“ Arbeitgeber nach der Katastrophe. Natürlich herrscht nach der Trennung in der Probezeit erst einmal Panik. Arbeitslosigkeit droht, ein neuer Job muss her, neu angekurbelte Bewerbungsaktionen dauern oft zu lange. Da ist der frühere Arbeitgeber, der den Kandidaten wieder aufnimmt, ein erst einmal gern gesehener Retter in der Not.

Ja, es sind auch schon Mitarbeiter nach so einem Schritt beim alten Unternehmen wieder halbwegs zufrieden geworden. Aber längst nicht alle. Denn man hatte als Angestellter dort ja „damals“ beschlossen, diese Firma nun – endgültig – zu verlassen, dafür gab es Gründe. Und diese Gründe sind in der Regel immer noch da. Schön, in den ersten Wochen überwiegt die Erleichterung – man ist erst einmal gerettet. Aber nach einigen Monaten oder nach dem ersten Jahr fällt dem Mitarbeiter wieder ein, warum es ihm dort nicht mehr gefallen hatte. Daher sieht man oft Lebensläufe, in denen nach Rückkehr zum alten Arbeitgeber nur eine recht kurze zweite Dienstzeit dort steht, dann folgt ein neuer Wechsel.

Das macht dann in Verbindung mit den drei Monaten davor den Lebenslauf unruhig und kann den Marktwert deutlich reduzieren.

Und das unter a) gestreifte Argument, man könne schlecht kurz nach dem Wiedereintritt erneut wechseln, weil man damit viele Fragen aufwirft, gilt natürlich auch hier.

Ich habe hier schon früher einmal geschrieben, dass beim Eintritt eines Mitarbeiters in ein neues Unternehmen ein Band zwischen beiden Parteien geknüpft wird, das ich als „Urvertrauen“ bezeichne. Es ist nicht unzerreißbar, wie das Beispiel der nur drei Monate dauernden Beschäftigung zeigt, aber es ist recht fest. Bei der Kündigung, hier bei dem Ausscheiden beim früheren Arbeitgeber des Einsenders, wird dieses Band zerschnitten. Gibt es einen späteren Wiedereintritt des Mitarbeiters, wird das Band aus den zerschnittenen Resten geflickt, beide Seiten wissen, dass es schon einmal zerstört worden war. Folglich ist es oft weniger belastbar als ein gänzlich neues Band.

Nun zur Frage der Darstellung jener Kurzphase im Lebenslauf: Oberstes Prinzip ist die Faktentreue. Die Dienstzeit beim früheren Arbeitgeber war beendet, es gab ein Endzeugnis. Die kurze Dienstzeit beim folgenden Unternehmen ist ein Fakt und gehört in den Lebenslauf. Dort steht danach eine neue Beschäftigungsphase beim alten Unternehmen.

Wenn dieser „alte + neue Arbeitgeber“ eines Tages ein Zwischenzeugnis ausstellt oder beim erneuten endgültigen Ausscheiden des Mitarbeiters ein neues Endzeugnis erstellt, wird er in der Regel die Dinge korrekt und wahrheitsgemäß darstellen (es gab eine zweite, von der ersten getrennte Dienstzeit).

Und der Arbeitgeber in jenen drei Monaten? Der wird in der Regel gar kein qualifiziertes Zeugnis schreiben, sondern allenfalls eine Tätigkeitsbescheinigung ohne Beurteilung ausfüllen. Im Lebenslauf entsteht dann ein unübersehbares großes Fragezeichen, das noch nach Jahren Aufmerksamkeit erregt.

So weit die korrekte Seite der Angelegenheit. In der Praxis kommt es immer wieder einmal vor (es gibt keinen Anspruch darauf!), dass ein alter Arbeitgeber bei einer so langen früheren Dienstzeit einerseits und einer so kurzen Unterbrechung bis zum Wiedereinstieg andererseits sich überreden lässt, die alte Dienstzeit einfach weiterlaufen zu lassen. Der Mitarbeiter gibt das frühere Endzeugnis zurück, das damalige Ausscheiden und die Lücke hat es nie gegeben. Bei einem späteren erneuten Ausscheiden taucht dann nur noch eine zusammenhängende Dienstzeit ohne Unterbrechung auf. Damit entfällt auch die unschöne, nur drei Monate dauernde Beschäftigung im Lebenslauf.

Aber: Das ist letztlich Urkundenfälschung. Personalabteilungen insbesondere größerer Unternehmen mögen das verständlicherweise gar nicht!

Wenn jedoch bei einem Mittelständler ein starker Fachvorgesetzter oder der Geschäftsführer/Inhaber die „Fakten“ und späteren Zeugnistexte festlegt, ist so etwas schon einmal möglich. Ich weise aber darauf hin, dass der betroffene Mitarbeiter trotz der Deckung durch den alten und neuen Arbeitgeber seinen Anteil des Risikos trägt. Eines Tages könnte er sich an einem neuen Arbeitsplatz bei einem neuen Arbeitgeber zufällig mit jemandem treffen, der damals auch bei dem Drei-Monats-Arbeitgeber war und sich erinnert. Daher kann ich zwar schreiben, dass es so etwas gelegentlich gibt, aber ich rate nicht dazu.

Was Ihre Frage nach der Darstellung in Netzwerk-Portalen angeht: Dort müssen Sie in der Regel nicht die Beschäftigungsverhältnisse mit Tag, Monat und Jahr detaillieren. Machen Sie dort so pauschale Angaben, dass die drei Monate „untergehen“. Wenn dann ein Berater Ihre Unterlagen anfordert, geben Sie ihm eine korrekte Darstellung.

Stets gilt für die nächsten Jahre Ihres Berufslebens: Wer die Geschichte mit der nur dreimonatigen Dienstzeit in Ihren Unterlagen liest, will von Ihnen eine überzeugende, Sie entlastende Erklärung hören. Seien Sie also vorbereitet. Nur Ihr alter Arbeitgeber, der Sie ja seit vielen Jahren genau kennt und in Ihrer (Wieder-)Einstellung kein besonderes Risiko sieht, dürfte hier großzügiger sein. Für ihn sind Sie aber auch kein „unbeschriebenes Blatt“ wie es jeder fremde Bewerber nun einmal wäre.

Service für Querleser:

  1. Jedes neue berufliche Engagement kann schiefgehen, birgt das Risiko eines Scheiterns.
  2. Grundsätzlich müssen die Fakten im Lebenslauf der Wahrheit entsprechen.

 

Frage-Nr.: 2.936
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12/13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2018-03-23

Von Heiko Mell

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