Heiko Mell

An ihrem Namen sollt(et) ihr sie erkennen

Frage:

Unser Unternehmen bekommt regelmäßig Initiativbewerbungen. Bei deren Beantwortung stehen wir nahezu jedes Mal vor der gleichen Frage:

Soweit es sich um Verfasser/-innen handelt, die selbst (oder deren Eltern) nicht aus unserem Kulturkreis stammen, im Lebenslauf aber als Name nur xxx yyy zzz schreiben (leider 100 %, keine Ausnahme), wir diese aber im Anschreiben gerne korrekt mit „Sehr geehrter Herr/verehrte Frau (Familienname)“ ansprechen würden, ist uns die richtige Ansprache dieser Absender nahezu unmöglich.

Als Beispiel würden wir zzz – oder bei einem Bindestrich zwischen yyy und zzz diese Kombination – als Nachnamen interpretieren. Andererseits erklärte mir unlängst eine Vietnamesin, xxx stehe in ihrem Land für den Nachnamen, yyy wäre ein Zwischenname, zzz der Vorname (exakt umgekehrt wie bei uns üblich).

Früher war es üblich, in Bewerbungen den Namen und Vornamen getrennt aufzuführen, bei mehreren Vornamen den Rufnamen zu unterstreichen, alternativ den Familiennamen in Großbuchstaben zu schreiben. Wenn sich Bewerber/-innen an uns wenden, mit deren diesbezüglicher Kultur wir nicht vertraut sind, würden wir uns freuen, wenn diese sich die ehemals (?) geltenden Konventionen zu eigen machen könnten.

Mit anderen Worten, wenn sich die Verfasser aktuell im Umlauf befindlicher Bewerbungsratgeber o. ä. mal mit dem Gedanken anfreunden würden, dass „Name xxx yyy zzz“ alleine sehr interpretationsfähig ist, wäre uns sehr geholfen. Immerhin ist der Sender einer Nachricht dafür zuständig, dass der Empfänger ihn auch angemessen versteht.

Wenigstens verraten die Bilder auf den Lebensläufen, ob die Anrede „Herr“ oder „Frau“ korrekt ist.

Antwort:

Das ist ein Thema, mit dem auch ich mich immer wieder herumschlagen muss. Seien Sie froh, dass Sie es als Vertreter der Arbeitgeberseite nur mit Bewerbungen zu tun haben, die tatsächlich meist über die Lichtbilder wenigstens das Geschlecht des Absenders verraten. Ich bekomme diverse allgemeine Anfragen, denen kein Foto beiliegt – und da stehe ich dann, ratlos auf der ganzen Linie.

Versuchen wir einmal einen Lösungsansatz zu finden – der einfach ist, sich leicht einprägt und wenigstens eine kleine Chance hat, sich nach und nach zu etablieren:

1. Völlig zweifelsfrei ist der Absender für eine Lösung verantwortlich. Er bewegt sich in einem Kulturkreis (dem unseren), in dem die Einheimischen seinen Namen nicht korrekt ein- oder zuordnen können. Das muss er wissen und bei Zuschriften berücksichtigen. Eine entsprechende Bereitschaft zur Anpassung an die Gepflogenheiten in diesem Lebensumfeld darf vorausgesetzt werden. Wollte ich in Zukunft in Vietnam (beispielsweise) leben, müsste ich mich ebenso anpassen. Hinzu kommt, dass sowohl Bewerber als auch Anfragende ja vom Empfänger ihrer Zuschrift etwas wollen – dann sind sie besonders gut beraten, diesem keine Probleme zu bereiten. Es liegt in ihrem Interesse.

Bei der Gelegenheit und vorsichtshalber: Es ist nicht Aufgabe des Empfängers einer Bewerbung oder einer Bitte um Auskunft, selbst in Richtung einer korrekten Anrede des Absenders zu recherchieren. Die Lösung des Problems ist eine „Bringschuld“ des Schreibers.

2. Der Absender mit einem Namen, den ein durchschnittlich begabter und erfahrener Empfänger hier im Lande nicht nach Vor- und Zunamen trennen kann, muss – um im obigen Beispiel zu bleiben – absolut akzeptieren, dass der überforderte bis genervte Adressat ihm antwortet mit „Herr xxx yyy zzz“ oder „Frau xxx yyy zzz“.

Er darf das keinesfalls als Herabsetzung oder Beleidigung auffassen.

3. Das aber funktioniert auch nur, wenn ein Lichtbild beiliegt. Ist das (z.B. bei Anfragen ohne Foto) nicht der Fall, muss der Bewerber/Anfragende auch die Anrede „Sehr geehrter Herr/Sehr geehrte Frau xxx yyy zzz“ akzeptieren – und wissen, dass dies nicht respektlos gemeint ist, sondern Ausdruck purer Verzweiflung.

4. Wer als Träger eines solchen Namens etwas zur Lösung des Problems beitragen will (das wäre anzuraten), sollte den hierzulande für eine Anrede infrage kommenden Familiennamen mit Großbuchstaben schreiben, ich finde das eine sehr gute und praktikable Idee. Also stünde dann da beispielsweise „xxx YYY ZZZ“ oder eine beliebige andere Kombination.

5. Bei der offenen Frage nach dem Geschlecht (nur für die korrekte Anrede) würde ich jeder verständlichen Lösung zustimmen, also 5.1 man druckt bei allen Briefen ein Foto mit ab oder 5.2 man schreibt als Absender z.B. stets „Herr xxx YYY ZZZ“ oder 5.3 man setzt hinter den Namen ein „(w)“ oder „(m)“.

Es geht hier vor allem um eine sachlich überzeugende, einprägsame Lösung, die selbstverständlich niemals als diskriminierend empfunden werden darf und natürlich auch nicht so gemeint ist.

Ausblick: Eine Lösung liegt im besonderen Interesse der Absender. Es ist denkbar, dass ihr eigentliches Anliegen mit geringerer Begeisterung behandelt wird, wenn der Empfänger nicht weiß, mit wem er es zu tun hat (und nicht einmal sicher ist, unter welchem Buchstaben er die Zuschrift ablegen soll).

Zum Abschluss noch zu einem kleinen Detail am Rande: Unser Einsender, er kommt aus einer namhaften bayerischen Stadt, schreibt eingangs, er würde gern wissen, ob er „Sehr geehrter Herr …“ oder „Sehr verehrte Frau …“ schreiben soll. Ich halte bei einer Absage an eine völlig unbekannte Dame die Formulierung „Sehr verehrte Frau …“ für absolut überzogen. Mir käme niemals eine Formulierung dieser Art in den Sinn. „Sehr geehrte Frau …“ halte ich für völlig ausreichend. Nicht ohne Grund schreibt man bei allgemeinen Anreden in Briefen „Sehr geehrte Damen und Herren“. Das Verehren setzt mindestens persönliches Kennen voraus – und wäre im Geschäftsleben bei solchen Routineangelegenheiten wie Bewerbungen sicher etwas übertrieben.

Frage-Nr.: 3.055
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2020-07-02

Von Heiko Mell

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