Gehaltsangebote nachträglich reduziert?

Ich bin seit zehn Jahren im Beruf, davon ca. vier Jahre beim jetzigen Arbeitgeber, einem internationalen Großkonzern, und seit Jahren treuer Leser Ihrer Karriereberatung in den VDI nachrichten. Aufgrund eines großflächigen Stellenabbaus bei meinem Arbeitgeber (u. a. 50% der Stellen am Standort) bin ich wieder auf Jobsuche. Auf bisher ca. 40 Bewerbungen (bei denen ich jeweils mindestens 80% der in den Stellenanzeigen genannten „harten“ Qualifikationen erfülle) habe ich bisher mehr als ein Dutzend Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten, inzwischen sind daraus mehrere Angebote hervorgegangen. So hat mir ein eigentlich renommierter Arbeitgeber beim zweiten Gespräch ein konkretes Angebot gemacht und dabei sowohl eine konkrete Summe pro Monat als auch die Zahl der Auszahlungen pro Jahr (Gehälter) genannt. Im Arbeitsvertrag stand dann aber eine wesentlich geringere Summe. Auf meine Nachfrage hin sagte man mir nur lapidar, ich müsse mich wohl verhört haben. Keine der Personen, die beim zweiten Gespräch anwesend waren, konnte sich angeblich an die höhere Summe erinnern. Ich habe das Angebot abgelehnt, weil mir die Umstände nicht mehr als seriös erschienen. Auch hatte ich den Eindruck, dass man ein eventuelles Einknicken von mir als Schwäche auffassen – und bei nächster Gelegenheit weitere Zusagen „einkassieren“ würde. Ich bin übrigens mit der Tatsache, dass bei meinem derzeitigen Arbeitgeber restrukturiert/abgebaut wird, in den Vorstellungsgesprächen offen umgegangen, auch um meine noch nicht allzu lange Dienstzeit von nur knapp vier Jahren zu begründen. Ist das eine neue „Masche“? Wie soll man sich verhalten, wenn man damit konfrontiert wird? Die Personalabteilungen der Bewerbungsempfänger sprachen von mehreren hundert Bewerbungen auf eine Position, bei einem Großkonzern sprach man sogar von über tausend Zuschriften.

Antwort:

Sie berichten in Ihrem längeren Brief sogar noch von einem zweiten Fall, bei dem man Ihnen ebenfalls mündlich Hoffnungen gemacht hatte, denen das Vertragsangebot dann nicht entsprach. Auch in dieser Schilderung machen Sie sich wieder Sorgen, dass ein Einknicken Ihrerseits als Schwäche hätte ausgelegt werden können. Und da liegt erst einmal eine ganz zentrale Schwachstelle Ihrer Einschätzung der Situation:Sie unterstellen praktisch, die potenziellen Arbeitgeber hätten darin eine Art Test gesehen, um zu sehen, wie Sie auf Widerspruch reagieren („Knickt der beim ersten Gegenwind ein?“). Das ist doch eher unlogisch! Wenn Sie nicht „einknicken“, sind Sie zwar ein aufrechter Mann, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und sein berechtigtes Anliegen konsequent vertritt, sagen aber ab – und das Unternehmen hat einen Test erfolgreich durchgeführt, kann aber die Position immer noch nicht besetzen. Knicken Sie jedoch ein, wäre das ein Zeichen von Schwäche. Niemand will Schwächlinge – und wieder steht das Unternehmen ohne neuen Mitarbeiter da. Nein, diese Ihre Idee mit dem „Test“ taugt nichts.Aber Ihre Vermutung, ein solches Verhalten eines Unternehmens müsse als unseriös eingestuft werden und verdiene eine Absage Ihrerseits, ist richtig.Es gibt eine „goldene Regel“ für Gehaltsforderungen von Bewerbern: Eine einmal genannte Wunschzahl kann nicht aufgestockt werden, wenn es unverändert um dieselbe Position geht. Wer einmal „80.000 EUR“ als Gehaltsvorstellung genannt hat, kann nicht plötzlich 90.000 EUR fordern, weil die Gespräche so gut laufen.Der Grundsatz muss auch umgekehrt gelten. Ein Unternehmen kann nicht im Gespräch 90.000 EUR nennen und dann einen Vertragsentwurf vorlegen, in dem plötzlich nur noch 80.000 EUR stehen. Wollte man so etwas tun, müsste man den Bewerber vorher anrufen und ziemlich kleinlaut erklären, es sei alles ganz furchtbar peinlich, aber man könne aus diesen und jenen Gründen nicht zur bisherigen Aussage stehen.Gehen Sie auch davon aus, dass jedes Unternehmen weiß: Ein solcher Rückzieher ohne irgendeine Erklärung hat fast mit Sicherheit eine Absage des noch ungekündigt tätigen Bewerbers zur Folge. Es wäre viel aussichtsreicher, die Arbeitgebervertreter würden gleich im Vorstellungsgespräch die niedrige – oder gar keine – Summe nennen, wenn sie nur die ausgeben wollen.Was also kann hinter Ihren Erlebnissen stecken?1. Eine Absicht des Unternehmens, Sie erst einmal mit höheren Summen zu ködern und dann brutal zu versuchen, Sie vor dem Hintergrund Ihrer Drucksituation preiswerter einzukaufen, schließe ich grundsätzlich aus. Zwar ist im Einzelfall alles möglich, aber üblich ist so etwas nicht – man handelte sich ja bloß laufend Absagen ein (oder gewönne die Erkenntnis, einen „Einknicker“ eingestellt zu haben).2. Man kennt das Phänomen aus anderen Lebensbereichen: Der in einer bestimmten angespannten Situation steckende Mensch hört und sieht, was er hören und sehen will; sehr groß ist die Gefahr, dass er in harmlose Bemerkungen Bedeutsames hineininterpretiert. So schreiben Sie in Ihrem Bericht über den zweiten Fall, der Arbeitgeber hätte gesagt: „Wir können uns die Eingruppierung in Gruppe X grundsätzlich vorstellen.“ Das ist eine unverbindliche Absichtserklärung, keine Zusage! Das heißt nicht: „Wir zahlen Ihnen hier …“Meine Empfehlung: Seien Sie in solchen Situationen kritischer, auch gegenüber sich selbst. Gerade im Hinblick auf Gehalt gilt immer: Entscheidend ist, was im Vertragsentwurf steht. Sie können aber auch im Gespräch direkt rückfragen: „Damit später kein Missverständnis entsteht: Ist dieser Betrag eine feste Größe, an der ich bereits meine Entscheidung ausrichten kann oder ist das zunächst nur eine Orientierungsbasis?“

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2857
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-01-12

Top Stellenangebote

Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Wissenschaftlicher Mitarbeiter Systemdesign Beleuchtung (m/w/x) Oberkochen
Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Wissenschaftlicher Mitarbeiter Systemdesign Beleuchtung (m/w/x) Oberkochen
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Techniker im Vertriebsinnendienst (w/m/d) Münster
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Vertriebsingenieur Außendienst Fabrikautomation (w/m/d) Norddeutschland
BERGER BAU SE-Firmenlogo
BERGER BAU SE Bauleiter (m/w/d) Passau
MTS Sensor Technologie GmbH & Co. KG-Firmenlogo
MTS Sensor Technologie GmbH & Co. KG Software Ingenieur (m/w/d) Lüdenscheid
BERGER ROHSTOFFE GMBH-Firmenlogo
BERGER ROHSTOFFE GMBH Werkleiter (m/w/d) Altenau, Paschwitz
Hays AG-Firmenlogo
Hays AG Junior Softwareentwickler / Softwareingenieur (m/w/d) verschiedene Standorte
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH Functional Safety Engineer / Manager (m/w/d) Lüneburg
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen Ingenieur / Staatlich geprüfter Techniker (m/w/d) Elektrotechnik / Versorgungstechnik (HKLS) Gebäudemanagement Wiesbaden

Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: B…