Hallo, Kerstin

Ihr Beitrag 2.792 hat mich daran erinnert, wie ich mich in einem Bewerbungsprozess ins Fettnäpfchen gesetzt habe: Ich hatte die beigefügte Einladung von einer Dame aus dem Personalbüro erhalten. Diese war mit „Regards, Kerstin“ unterschrieben. In meinem derzeitigen Unternehmen wäre eine solche Unterschrift mit Vornamen ein Hinweis, dass man auch so angesprochen werden möchte. Nach längerem Hin und Her habe ich mich dann entschlossen, meine Antwort auch mit „Hallo Kerstin“ zu beginnen. Direkte Anreden mit „Du“ habe ich aber im Schreiben umschifft. Die Antwortmail von der Dame hat dann auf leichte Irritationen schließen lassen. Deshalb habe ich im weiteren Verlauf der Korrespondenz wieder die Anrede „Frau X“ gewählt.Mein Fazit: Ich sehe es als wichtige Lernerfahrung an und werde in Zukunft deutlich vorsichtiger sein, bevor ich unbekannte Menschen duze. Im persönlichen Gespräch kann man Anzeichen dafür, dass das Gegenüber einen legeren Umgang wünscht, deutlich sicherer interpretieren.

Antwort:

In Ihrer Geschichte sieht Kerstin nicht gut aus, keine Frage. Erst gibt sie Ihnen eindeutige Signale – und wenn Sie darauf anspringen, weiß sie angeblich von nichts. Kein Wunder, dass viele Männer ebenso viele Frauen nie so richtig verstehen.Das war für den Stammtisch. Jetzt kommt die sachliche Analyse. Und die endet mit einer fast vollständigen Ehrenrettung für unsere Kerstin.Alles, was Sie geschrieben haben, ist irgendwie richtig. Aber zutiefst unvollständig. Unverantwortbar unvollständig. Denn in ihrer Einladung an Sie hatte Kerstin zwar „Regards, Kerstin“ unterzeichnet, aber sehr korrekt „Herr X“ in der Anrede und im Text ausnahmslos „Sie“ geschrieben. Und selbst ganz am Schluss, kurz vor den Regards, schrieb sie noch: „Ich freue mich von Ihnen zu hören!“Also da haben Sie eine winzige bedeutungsarme Kleinigkeit überinterpretiert. Vielleicht hat Kerstin hier ja nur aus Versehen die eigentlich für den internen Gebrauch gedachte Schlussfloskel nicht korrigiert. Aber aus dem viel längeren übrigen Text ging eindeutig der klare Wille der anderen Partei hervor, die üblichen Höflichkeitsfloskeln unter fremden Erwachsenen zu wahren.Ich bis 50 Jahre lang glücklich verheiratet und weiß keinesfalls immer, was Frauen wollen – aber diese hier wollte eindeutig nicht, was Sie unterstellt hatten.Generell gilt: Es gibt tatsächlich Unternehmen, in denen jeder jeden duzt – und in denen das als „Stil des Hauses“ ganz klar gewollt ist. Man erkennt das u. a. daran, dass schon die Anzeige den (möglichen) Bewerber duzt. Und dann duzt die Firma diesen sicher auch in der Eingangsbestätigung.

Kurzantwort:

Service für Querleser:
Es ist gefährlich, aus einem einzigen nebensächlichen Detail herauszulesen, der Bewerbungsempfänger wolle vom Bewerber geduzt werden.
Frage-Nr.: 2822
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 23
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-06-09

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