Heiko Mell 02.01.2016, 12:01 Uhr

Latein als Fremdsprache?

Sollte man Latein (Großes Latinum) als Fremdsprache erwähnen oder besser darauf verzichten?

Antwort:

Zwei Angaben zu Fremdsprachen wirken im Lebenslauf leicht etwas lächerlich:

1. Wenn ein in einer deutschen Stadt geborener Mensch, der in jener oder einer anderen deutschen Stadt seine Schule absolviert und in Deutschland studiert hat, dann unter „Sprachkenntnisse“ etwa aufführt „Deutsch“. Begründung: Etwas in der Art hatte man sich schon gedacht.

2. Wenn im Lebenslauf unter „Fremdsprachen“ steht „Latein/Großes Latinum“, ohne dass man einen Bezug zum Kern dieser Bewerbung erkennen könnte.

Und da ich keinen Ärger mit dem Verband deutscher Lateinlehrer will, gestehe ich den Anhängern dieser Sprache zu: Ja, es ist sehr gut möglich, dass Latein das logische Denken fördert. Und ja, es ist auch sicher so, dass sich bestimmte Fremdsprachen leichter lernen lassen, wenn man wenigstens etwas Latein kann.

„Etwas“ sage ich deshalb: Ich habe kein Latinum, bin aber in der Familie von drei Personen mit „Großem Latinum“ umgeben: Meine Frau hat diese Sprache noch richtig gelernt, Übersetzungen nach beiden Seiten inbegriffen. Meine Söhne haben trotz „Großer“ Bescheinigung nur aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Das führt zu einer Art „Latinum light“, da bleibt nicht viel. Wenn ich einmal eine der zahlreichen lateinischen Inschriften übersetzt haben möchte (z. B. so etwas Aufregendes wie „Salve pater patriae! Bibas, princeps optime“), muss ich meine Frau fragen, bei meinen Söhnen kommt kaum etwas dabei heraus. Also wage ich die Behauptung: Sehr viele Inhaber des Großen Latinums könnten nicht einmal eine leichte Unterhaltung in dieser Fremdsprache führen.

Daraus folgt die Empfehlung: Lassen Sie generell das Latinum im Lebenslauf weg (das Abiturzeugnis, in dem diese Qualifikation bestätigt wird, können Sie gern beifügen). Wenn aber in der Stellenanzeige der Zielposition Ihrer Bewerbung eine solche Fremdsprache gefordert wird, für die Latein als gute Basis zum leichteren Erlernen gilt, dann können Sie im Anschreiben etwa formulieren: „Die gewünschten Spanischkenntnisse bringe ich leider noch nicht mit, ich bin aber gerne zum intensiven Lernen auch in meiner Freizeit bereit. Das in der Schule erworbene Große Latinum wird mir dabei sicher nützlich sein.“ Aber auch hier gilt: Noch besser wäre es für jene Bewerbung, Sie hätten in der Schule Spanisch gelernt.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2801
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-02-18

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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