Heiko Mell

Intern – aber wie?

Ich bin seit ca. zwei Jahren in einem mittelgroßen Unternehmen (unter 1000 Mitarbeitern) angestellt und möchte mich intern um eine andere Stelle bewerben. Sollte ich vor bzw. nach meiner Bewerbung meinen Vorgesetzten (oder gar die Ebene darüber) informieren? Mein Verhältnis zu beiden Führungskräften ist gut und vertrauensvoll.

Für den Fall, dass der mögliche neue Vorgesetzte Interesse an mir als Mitarbeiter hat, wird er vermutlich bei meinen derzeitigen Vorgesetzten anfragen und sich über mich erkundigen. Kann es für diesen Fall ratsam sein, den aktuellen Vorgesetzten rechtzeitig vorher über die Wechselabsicht informiert zu haben?

Gibt es ggf. Punkte, die ich zusätzlich beachten sollte?

Antwort:

Das ist ein ganz heißes Eisen – ein deutlich heißeres als die externe Bewerbung. Hinter vorgehaltener Hand sagen mir manche HR-Leute selbst hochrenommierter Konzerne: „Bei uns ist das so problematisch und mit so vielen Möglichkeiten verbunden, sich Ärger einzuhandeln, dass man leichter extern wechseln kann als intern.“ Dies zur Einstimmung ins Thema.

Zunächst zur Idealkonstellation: Der jeweilige Mitarbeiter hat einen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen. Das ist sein Partner, dessen übergeordnete Interessen sollten Vorrang haben vor den Belangen der Abteilungen, in denen der Mitarbeiter zufällig eingesetzt ist oder in die er hineinstrebt. Ein mächtiger Personalchef, möglichst in der höchsten Hierarchieebene angesiedelt, wacht entschlossen darüber, dass das Potenzial dieses dem Unternehmen „gehörenden“ Mitarbeiters im Interesse der ganzen Firma optimal genutzt wird. Dabei unterdrückt er aufkeimende Abteilungsegoismen der einzelnen Vorgesetzten und schützt den Mitarbeiter, der ja nur seine vorhandene Qualifikation zum Wohle des Unternehmens dort einsetzen will, wo dieser Effekt am größten ist, gegen mögliche Nachteile: Er fördert interne Wechsel.

Soweit die Theorie. In der Praxis jedoch gibt es

a) diesen mächtigen, die übergeordneten Interessen des Hauses gegenüber Abteilungsegoismen problemlos durchsetzenden Personalchef kaum noch und

b) hat man in diesen Fragen zu einer neuen Philosophie gefunden (die sicher irgendwo auch ihre Vorteile hat, hier bei unserem Thema aber stört):

Der einzelne Mitarbeiter hat zwar immer noch seinen Vertrag mit dem Unternehmen, in den Details des Tagesgeschäfts „gehört“ er jedoch seinem jeweiligen Vorgesetzten (das Wort „gehört“ fühlt sich schrecklich an, ist aber nur symbolisch, nicht juristisch gemeint). Hintergrund ist, dass der jeweilige Vorgesetzte voll verantwortlich dafür ist, unter Einsatz der ihm anvertrauten Ressourcen die ihm gesetzten Ziele zu erreichen. Also, sagt die Theorie, muss man ihn auch gewähren lassen und darf ihm nicht plötzlich Teile seiner Ressourcen wegnehmen. Das gilt für Sachen (Maschinen, Computer, Räume, Software) ebenso wie für Personal.

Das bedeutet: Niemand im Hause nimmt einem Abteilungsleiter gegen seinen Willen Leute weg, schon gar nicht ein anderer Abteilungsleiter. Sein Chef, z. B. der Hauptabteilungs-/Bereichsleiter oder Geschäftsführer, könnte das zwar durchsetzen, wird es aber nicht tun. Sonst hätte der Abteilungsleiter beim Zielerfüllungsgespräch ja eine erstklassige Ausrede für Fehlleistungen („Ich konnte nichts erreichen, weil Sie mir ja meinen besten Mann weggenommen hatten.“). Also läuft in der Regel schon einmal gar nichts ohne vorherige Genehmigung des Wechsels durch den heutigen Vorgesetzten des Mitarbeiters.

Dass dieser Mitarbeiter jederzeit kündigen und nach draußen wechseln kann, ist ein anderes Thema. Das kann niemand verhindern, das ist wie Regen beim geplanten Gartenfest – man kann nichts dagegen machen (aber jetzt stellen Sie sich vor, der Grundstücksnachbar hätte seinen Gartenschlauch zur Beregnung Ihres Gartenfestes eingesetzt).

Bleiben wir kurz beim externen Wechsel: Wer sich bewirbt, will da, wo er jetzt ist, weg – weiß aber noch nicht, ob das mit dem neuen Job klappt. Vielleicht muss er ja den alten weitermachen. Also wird er unter keinen Umständen(!) den heutigen Vorgesetzten über seine Absichten informieren, bevor er einen neuen Arbeitsvertrag hat.Die eben geschilderte Ausgangslage ist vergleichbar mit der bei einer internen Bewerbung. Auch da rät der Instinkt zur Geheimhaltung vor dem heutigen Chef. Allerdings wird der potenzielle neue Chef vor einer Vertragsunterzeichnung den heutigen Vorgesetzten (den er im Mittelstand gut kennt!) über den Kandidaten unbedingt befragen. Also empfiehlt es sich, den heutigen Vorgesetzten zu informieren, bevor man sich intern bewirbt. Was aber gefährlich ist; für viele Chefs ist „Ich will hier weg“ so viel wie Hochverrat. Verstehen Sie jetzt, warum ein externer Wechsel oft einfacher ist?

Nun sind die Gepflogenheiten überall anders. Konzerne haben oft schriftlich fixierte Regelungen zu diesem Komplex, der Mittelstand hat so etwas eher nicht. Meist mauschelt man sich irgendwie so durch, es gibt durchaus Beispiele gelungener interner Wechsel – aber auch Beweise für das Gegenteil.

Meine konkreten Aussagen zu Ihrem Vorhaben:

1. Reden Sie mit dem ranghöchsten HR-Manager, den Sie dort finden können. Schildern Sie dem das Problem. Legen Sie das Schwergewicht darauf, dass Sie zu der neuen Position hin- und weniger von Ihrer heutigen wegstreben und selbstverständlich in diesem supertollen Unternehmen bleiben wollen. Dann bitten Sie ihn um absolute (das sagt man nicht wörtlich) Vertraulichkeit, was manchmal hilft. Fragen Sie ihn, wie so etwas im Hause läuft und ob er Ihnen dazu rät.

2. Wenn das Gespräch lt. 1. das rechtfertigt, reden Sie erst einmal mit dem möglichen neuen Chef. Klären Sie, ob der Sie überhaupt nehmen würde. Bitten Sie auch ihn um Vertraulichkeit. Wenn Sie positive Signale empfangen, dann reden Sie mit Ihrem heutigen Chef. Loben Sie, wie schön es dort ist und was Sie alles lernen durften. Aber der neue Job reize Sie halt. Vielleicht machten Sie ja einen Fehler und bereuten später alles, aber im Augenblick könnten Sie nicht anders.

3. Mit 1. beginnen Sie einen Prozess, der eine Chance und ein adäquates Risiko beinhaltet. Mit etwas Pech wird aus der Chance nichts, aber das Risiko schlägt voll durch.

Kurzantwort:

Service für Querleser:
Es hört sich zwar merkwürdig an, aber oft ist es einfacher, den ganzen Arbeitgeber zu wechseln als die Abteilung beim derzeitigen Unternehmen.

Frage-Nr.: 2800
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-02-11

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