Heiko Mell

Wenn mich die Anzeige duzt

Bei meiner aktuellen Stellensuche ist mir die ungewöhnliche Stellenanzeige (siehe Anhang) aufgefallen. Es geht um einen Ingenieur mit mindestens achtjähriger Berufserfahrung in einem speziellen Betriebsbereich.

An der Anzeige wird der Bewerber durchgängig geduzt (eigentlich wird erst einmal der Leser geduzt, der dann selbst entscheiden kann, ob er Bewerber wird; H. Mell). Für mich liest sich die Anzeige dadurch befremdlich, da diese Form der Anrede bei einer ersten Kontaktaufnahme im Geschäftsleben sehr unüblich ist. Die Formulierung meines Anschreibens hat mir dann allerdings einiges an Kopfzerbrechen bereitet, denn natürlich sieze ich i. d. R. die Bewerbungsempfänger.

Ich habe mich letztendlich dazu entschieden, das „Spiel“ mitzumachen, habe den Empfänger mit Vornamen angeredet und selbst mit Vornamen unterzeichnet.

Natürlich stellt sich mir die Frage, warum die betreffende Firma diese ungewöhnliche Form der Stellenanzeige gewählt hat. Es ist eine eher lokale Angelegenheit, irgendeine Verbindung zu Ländern wie Dänemark oder den USA, wo man entsprechende Umgangsformen vielleicht eher vermuten würde, konnte ich nicht feststellen.

Was ist Ihre Meinung dazu, wie sollte man als Bewerber darauf reagieren?

Antwort:

Wir wollen unseren Gepflogenheiten treu bleiben und den Namen des suchenden Unternehmens nicht nennen. Aber so viel sollten unsere Leser wissen: Da steht symbolisch ein ziemlicher Klotz in der Landschaft, weithin sichtbar, das allgemeine Image solcher Betriebe hat heute fast etwas vom Dinosaurier – aber man tritt hier so auf, dass von dem eben erwähnten Image aber auch gar nichts übrigbleibt. Alles im Inserat ist sehr modern gestaltet, formuliert und aufgebaut, nur beim Namen des Unternehmens taucht das Bild, das man im Kopf zu haben glaubt, mit voller Wucht wieder auf.

Und das alles ist in der Du-Anrede gehalten.

Warum das Unternehmen so vorgeht, weiß ich nicht, typisch für die Branche ist es jedenfalls bestimmt nicht.

Vielleicht hat man diese Art gewählt, um sich bei diesem speziellen Metier bewusst einen hypermodernen Anstrich zu geben. Vielleicht ist es einfach nur eine Marketingidee, vielleicht braucht man bewusst einen Gegenpol zum Namen, vielleicht bewirbt sich erfahrungsgemäß sonst niemand.

Um auch das zu sagen: Meinen Geschmack trifft es nicht, man duzt eigentlich keine fremden Erwachsenen, schon gar nicht solche mit acht Berufsjahren aufwärts (damit wäre mancher schon gestandener Gruppen- oder kleiner Abteilungsleiter; aber hier geht es nicht um Führung). Ich also hätte mich dort nie beworben (vielleicht sagt jetzt dort jemand, das sei auch gut so).

Zum Kern Ihrer Frage: Da diese Art der Ansprache fremder Erwachsener in keiner geltenden Regel vorgesehen ist, gibt es auch keine Regel für das „richtige“ Bewerbungsanschreiben. Ich glaube nicht, dass man bei einer solchen Technikposition aus Ihrer Lösung für das Anschreiben („Lieber Willi“) einen Test macht. Dafür kämpft die Branche zu sehr mit einem besonderen Image und will man von einem sachbearbeitend tätig werdenden Bewerber zu viel an individueller Qualifikation, um sich solche zusätzlichen Auswahlkriterien leisten zu können.

Ihre Lösung ist gut; Sie hätten auch „Sehr geehrter Herr …“ schreiben und hinzusetzen können: „(ich entnehme dem Inserat, dass man sich in Ihrem Betrieb duzt; das ist für mich absolut in Ordnung – aber da ich noch nicht dazugehöre, bleibe ich zunächst bei der vertrauten Form)“.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2792
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 51
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-12-17

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