Heiko Mell

Lebenslauf ohne Schule?

Wie bewerten Sie das Weglassen meines schulischen Werdeganges im Lebenslauf? Ich habe es getan, damit der Lebenslauf nicht zu lang wird und weil ich das Gewicht meines Abiturs mittlerweile nicht mehr so hoch einschätze. Ist dies mit meinem Hintergrund (Uni-Studium zum Dipl.-Ing. + sieben Jahre Praxis bei hochrenommierten Konzernunternehmen) statthaft oder gehört die Schule grundsätzlich dazu?

Antwort:

Vergessen Sie bitte nicht, um wen es hier geht: Die Bewerbung dient allein den Interessen und Ansprüchen des Bewerbungsempfängers. Wenn Sie irgendwelche „systemverändernde“ eigene Ideen umsetzen, dann mit der Begründung: „… weil ich davon ausgehe, dass der Bewerbungsempfänger das Gewicht meines Abiturs … nicht mehr so hoch einschätzt“, nicht jedoch: „… weil ich das Gewicht …“ Sie sagen ja bei Ihrer Einkommenssteuererklärung dem Finanzamt auch nicht: „Ich habe die Anlage XY weggelassen, weil ich das Gewicht der dort anzugebenden Einkünfte nicht mehr so hoch einschätze.“ Es wäre direkt interessant, das einmal auszuprobieren.

Also ganz im Ernst, gegen Ihre Idee sprechen u. a. diese Argumente:

1. Bewerbungen unterliegen einer gewissen Standard-Gestaltung. Aus echtem Interesse, aber auch aus Gewohnheit erwartet der Empfänger bestimmte Informationen an bestimmten Stellen. Die meisten davon hakt er kommentarlos ab, ja er nimmt viele davon nicht einmal zur Kenntnis. Ihre Wohnadresse, z. B. Aber lassen Sie die einmal weg und schreiben Sie etwa: „Aus Gründen der Vertraulichkeit gebe ich meine Adresse nicht bekannt. Sie erreichen mich über meinen Anwalt …“ Schon wird aus einer Bagatelle ein Politikum – und Ihre Chancen sinken ganz rapide.

Also: Alle machen es, Sie nicht, warum? Es erregt Verdacht – und notorisch misstrauische Leute wie ich sagen sofort: Er verbirgt etwas!

2. Notorisch misstrauische Leute wie ich haben nur allzu oft recht! So auch hier:

Sie sagen nichts zur Schullaufbahn. Ich weiß nicht einmal, ob Sie überhaupt einen ordentlichen Schulabschluss haben. Schön, ich darf das daraus schließen, dass eine deutsche Universität Sie überhaupt genommen hat. Aber ich will wissen, nicht schließen.

Sie geben übrigens auch keine Examensnoten beim Studium an. Aus einer 1,6 (beispielsweise) würde ich erst einmal auf ein Abitur mit 1,6 schließen. Aber ich sehe kein 1,6er-Examen, dafür etwas anderes:

Sie haben in dem Monat nach Vollendung Ihres 22.(!) Lebensjahres mit dem Studium begonnen und vorher war nichts im Lebenslauf, keine Bundeswehr, kein Zivildienst, kein soziales Jahr.

Das „riecht“ zum Himmel. Und so etwas wollen Sie Leuten wie mir verkaufen mit der Ausrede, „weil ich das Gewicht meines Abiturs nicht mehr so hoch einschätze“?

Nein, ich gehe fest davon aus, dass Sie zwischen Geburt und Uni irgendetwas verbergen. Als Bewerbungsempfänger ärgere ich mich über Ihren Versuch, mich „auszutricksen“. Fazit: keine Chance.Ich mache ihnen einen Vorschlag: Sie kommen noch einmal zur Welt, absolvieren eine ganz normale Schulkette, überspringen auf dem Gymnasium eine Klasse, machen Ihr Abitur mit 17 und 1,0 – und dann erklären Sie lebenslang, die Bedeutung des Abiturs werde stark überschätzt. Das glaubt dann immer noch niemand, aber es hört sich wenigstens verdammt gut an.

PS 1: Ich behaupte ja nicht, Ihr Schulweg sei wirklich kritisch und Ihre Abinote katastrophal. Ich will Ihnen nur zeigen, welchen Verdacht Sie erregen. Es ist als säßen Sie im Glashaus und würfen fröhlich mit Steinen nach anderen Leuten.

PS 2: Sie hätten in den fehlenden Jahren übrigens auch im Gefängnis gesessen haben können, beispielsweise. Daher sind solche Lücken nicht so gut.

Kurzantwort:

Service für Querleser:
Das Weglassen von Details, die üblicher-weise im Lebenslauf stehen, erweckt Ver-dacht. Warum sollte jemand, der nichts zu verbergen hat, die Information verweigern?

Frage-Nr.: 2790
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 51
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-12-17

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