Heiko Mell

Arbeitgeber-Namen nennen?

Frage 1/:

Momentan denke ich sehr intensiv über einen Arbeitgeberwechsel nach. Grund dafür ist, dass der von meinem Vorgesetzten für mich vorgesehene Werdegang nicht mit meinen Vorstellungen übereinstimmt.

Ich habe mit meinem Vorgesetzten zwar schon über meine Unzufriedenheit gesprochen, aber natürlich noch nicht erkennen lassen, dass ich intensiv über einen Wechsel nachdenke. Er hat aufgrund der momentanen Auftragslage leider auch nur begrenzte Möglichkeiten, auf meine Wünsche einzugehen.

Frage 2/:

Wie „verpacke“ ich meinen Arbeitgeber im Lebenslauf? Nenne ich den Namen oder umschreibe ich das Unternehmen mit ein paar allgemeinen Angaben zur Technik/Branche?

Ich wohne hier in einer nicht allzu großen Stadt und die infrage kommenden Firmen kennen sich ja doch untereinander. Spätestens im Vorstellungsgespräch wird der Arbeitgebername fallen, aber im Vorfeld betrachte ich es als sinnvoll, ihn nur zu umschreiben.

Antwort:

Antwort 1/:

Ich kenne Sie und Ihren Chef nicht, daher kann das hier nur eine allgemeine Warnung sein:

Nehmen Sie die Ideen und Vorschläge Ihres Vorgesetzten bezüglich Ihres weiteren Werdeganges sehr ernst. Der ist ein erfahrener Mann, kennt mehr vom Arbeitsleben (in Aufstiegsangelegenheiten) als Sie und hat einen guten Einblick in Ihre Stärken und Schwächen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er „typisches Arbeitgeberdenken über einen Mitarbeiter mit Ihren fachlichen und persönlichen Fähigkeiten“ wiedergibt, ist recht groß. Nehmen Sie seine Vorschläge ruhig einmal noch ernster als Ihre eigenen Vorstellungen (und: andere, spätere Chefs könnten ähnlich denken).

Ich sage nicht: Tun Sie blind, was er vorschlägt. Er kann sich irren, unrealistische  Vorstellungen haben, Sie falsch beurteilen oder rein egoistische Motive verfolgen; Sie sollen nur intensiv darüber nachdenken – auch über die Frage, wie er wohl in Ihrem Fall zu solchen Vorstellungen kommt. Und nicht gleich auf Ablehnung schalten, weil seine Idee „nicht mit meinen Vorstellungen übereinstimmt“.Ihre Vorstellungen können nämlich grundfalsch sein. Die Welt ist voller Menschen, die unbedingt etwas wollen, was sie gar nicht können und was objektiv auch nicht gut für sie ist.

Deshalb meine Mahnung: Lehnen Sie seine Pläne für Sie nicht spontan ab, sondern beschäftigen Sie sich damit etwas näher.

Antwort 2/:

a) Richtig ist die Erkenntnis, dass Sie im Vorstellungsgespräch den Namen Ihres heutigen Arbeitgebers nennen müssen, wenn Sie eine Chance auf Einstellung haben wollen.

b) Wenn Sie diesen Namen im Vorstellungsgespräch nennen wollen, in der schriftlichen Bewerbung aber noch nicht – dann glauben Sie selbst nicht an den Erfolg Ihrer schriftlichen Bemühungen; das aber ist nicht gut. Zum Erfolg gehört immer auch der Glaube an die eigenen Fähigkeiten.

c) Die Nennung des Arbeitgebernamens in Bewerbungen ist üblich, die Quote liegt sicher deutlich über 90 %. „Umschreibungen“ fallen also auf und wirken als Misstrauensantrag gegenüber dem Bewerbungsempfänger („Euch traue ich zu, über meine Bewerbung zu tratschen und hinter meinem Rücken meinen derzeitigen Arbeitgeber zu informieren“). Wenn Sie denen aber misstrauen, warum und wie wollen Sie dann mit diesen Leuten jenes Vertrauensverhältnis aufbauen, das nun einmal zu einem neuen Arbeitsverhältnis gehört? Außerdem würde man trotz allem sicher erraten, wo Sie heute beschäftigt sind.

d) Das Risiko, dass irgendwie die Tatsache Ihrer Bewerbung zum heutigen Arbeitgeber durchdringt, ist nicht null, es steigt umgekehrt proportional zur Besiedlungsdichte Ihrer Region (je kleiner die Stadt, desto größer ist es). Dieses Risiko gilt als grundsätzlich tragbar. Sie wollen etwas erreichen – und es heißt „kein Geschäft ohne Risiko“.

e) Ich halte es für die beste Lösung, den Arbeitgebernamen zu nennen und am Schluss des Anschreibens etwa zu schreiben: „Ich bin in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis tätig. Sicher haben Sie Verständnis für meine Bitte um vertrauliche Behandlung der Bewerbung.“ Das hilft nicht garantiert, klingt nicht allzu sehr nach Misstrauen, setzt aber den Empfänger etwas moralisch unter Druck. In einer kleinen Stadt ist übrigens die Versuchung für den Empfänger extrem groß, vom Golfpartner oder vom Vater des Schulfreundes, der auch in „Ihrer“ Firma tätig ist, eine Auskunft einzuholen. Aber damit wartet man in der Regel, bis man im Vorstellungsgespräch entschieden hat, ob Sie überhaupt interessant sind. Ein bisschen schützt Sie das Eigeninteresse des Bewerbungsempfängers: Telefoniert der jetzt wild herum und holt Auskünfte ein, spricht sich das (kleine Stadt!) schnell herum und niemand bewirbt sich dort mehr.

f) Als noch akzeptable, aber nur zweitbeste Lösung (ohne die Vertraulichkeitsbitte): Umschreiben Sie Ihren Arbeitgeber und setzen Sie schon im Lebenslauf darunter: „Selbstverständlich nenne ich den Namen des Unternehmens in einem Vorstellungsgespräch.“ Aber damit sichern Sie sich ganz klar für den von Ihnen für wahrscheinlich gehaltenen Fall ab, dass man Sie gar nicht kennenlernen will.

g) Irgendwann stößt man beim Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung an die Grenzen einer engen Region oder kleinen Stadt. Die Lösung liegt dann in einem Umzug in eine Region, in der ein Bewerbungsempfänger vermutlich keinen Mitarbeiter Ihres heutigen Arbeitgebers kennt.

Übrigens gehen erfahrungsgemäß Großunternehmen als Bewerbungsempfänger gelassener mit Bewerbungen aus räumlicher Nähe um: Alle sind dort „nur“ angestellt, sitzen mit Bewerbern in einem Boot und engagieren sich weniger emotional, sie reagieren oft professioneller als so mancher Inhaber eines kleinen Privatbetriebes (der gern von „Hochverrat“ spricht, wenn jemand kündigt).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2778
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-10-08

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