Heiko Mell

Ist eine neugeschaffene Position reizvoller?

Ich lese in Stellenanzeigen oft das offenbar als werbend eingestufte Argument, die Position sei neu geschaffen worden. Ich sehe die Vorteile, aber gibt es auch Risiken?

Antwort:

Auch ich würde eine solche Position besonders reizvoll finden: auf der „grünen Wiese“ gestalten können, viel Freiraum haben, nicht an eine Vorgängerkonzeption gebunden sein, vor besonderen Profilierungschancen stehend.

Aber es gibt tatsächlich auch besondere Risiken (Prinzip der Marktwirtschaft; jeder großen Chance steht ein großes Risiko gegenüber):

Nach dem Dienstantritt gibt es zwei Entscheidungen, die das Unternehmen kritisch hinterfragt:

a) „War es richtig und sinnvoll, diese neue Position einzuführen – schließlich sind wir bisher auch ohne sie zurechtgekommen?“ Das gilt besonders, wenn es sich um eine irgendwie „exotisch“ klingende, nie gehörte Stellenbezeichnung handelt.

b) „Haben wir den richtigen Bewerber eingestellt?“

Fazit: Die Frage nach b gibt es immer, die lt. a kommt hier hinzu und erhöht etwa das Risiko des Scheiterns um etwa 50%. Dafür erhöht der „Neu“-Effekt die Chancen auch um mindestens diesen Satz. Unsichere, in ihrem Selbstvertrauen erschütterte, kein Scheitern mehr verkraftende Bewerber sind am besten auf Standard-Positionen aufgehoben, die es dort „schon immer“ gegeben hat.

In der Personalwerbung, also bei der Gestaltung von Stellenanzeigen, erhöht der Hinweis auf die „neugeschaffene Position“ erfahrungsgemäß den Reiz, es fühlen sich mehr Leser zur Bewerbung angeregt. Und ganz ehrlich: Auch ich hätte mich angeregt gefühlt („Nur nicht ängstlich“, sprach der Hahn zum Regenwurm – und fraß ihn. Aber es bleiben ziemlich viele Würmer übrig).

Frage-Nr.: 2756
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-05-28

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