Wie den Wechsel begründen?

Ich war fünfzehn Jahre bei einem Automobilzulieferer beschäftigt. Nach einem Vorgesetztenwechsel ging es leider mit mir bergab, da der neue Chef mich von Anfang an nicht leiden konnte und mich gemobbt hat, wo es ging. Die ganze Geschichte ging dann über den Betriebsrat und landete schließlich vor dem Arbeitsgericht. Ich einigte mich mit dem Arbeitgeber dahingehend, dass wir einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung und sofortiger Freistellung unterschrieben.Ich habe in einigen Tagen ein Vorstellungsgespräch und bin in wenigen Wochen arbeitslos. Ich bin verzweifelt, weil ich nicht weiß, was ich auf die Frage, warum ich wechseln möchte, antworten soll. Vor allem aber weiß ich nicht, wie ich erklären soll, warum ich kurzfristig verfügbar sein kann – und damit gekündigt hätte, ohne eine neue Stelle zu haben.Was soll ich überhaupt darauf antworten, warum ich einen sicheren Arbeitsplatz nach so langer Betriebszugehörigkeit überhaupt verlassen habe? Der neue Arbeitgeber wird doch vermuten, dass ich mir etwas GAAANZ Schlimmes geleistet habe.

Antwort:

Es ist alles ziemlich anders als Sie sich das zurechtgelegt haben, geehrte Einsenderin. Ich liste einmal auf:1. Sie sollten im Gespräch unbedingt(!) dem neuen Arbeitgeber wahrheitsgemäß Ihre bestehende arbeitsrechtliche Situation schildern (Aufhebungsvertrag + Freistellung).2. Der Aufhebungsvertrag wird in der Praxis als besondere Form der arbeitgeberseitigen Kündigung gesehen (es gibt keine solchen Verträge auf arbeitnehmerseitigen Wunsch). Damit ist die Frage, warum Sie gekündigt hätten, nicht mehr denkbar, sie wird ersetzt durch die Frage, warum der Arbeitgeber Sie loswerden wollte (dazu kommen wir gleich).3. Ihre „Wahrheit“ (Mobbing durch den Vorgesetzten) eignet sich nicht als Antwort. Da steht gleich die „Querulantin“ im Raum. Niemand mag – vermeintlich – gemobbte Angestellte. Denn: Vorgesetzte stehen nicht morgens auf, reiben sich mit Verschwörerblick die Hände und beschließen, zu ihrer persönlichen Erbauung heute Frau Müller zu mobben. Chefs haben Ziele zu erfüllen, das ist anstrengend genug. Sie können sehr wohl versuchen, einen Angestellten loswerden zu wollen – aber damit reagieren sie in der Regel auf Aktionen/Verhaltensweisen/Schwächen des Mitarbeiters, der in ihren Augen „angefangen“ hat. „Er konnte mich nicht leiden“ provoziert die Gegenfrage: „Was haben Sie denn angestellt?“ „Nichts“ wäre völlig unglaubwürdig! Für Zweifler: Das ist so!4. Sagen Sie etwa im Gespräch: „Ich habe einen Fehler gemacht, aus dem ich gelernt habe und den ich gewiss nicht wiederholen werde. Wir bekamen einen neuen Chef, der natürlich vieles anders gemacht haben wollte. Darauf habe ich mich nicht schnell genug eingestellt. Ich habe, keinesfalls aus Opposition, das ist nicht meine Art, einfach zu lange im Stil des alten Chefs weitergemacht und Signale meines neuen ignoriert. Vielleicht war auch die Dienstzeit mit fünfzehn Jahren dort zu lange, ich war ein bisschen im Alltagstrott erstarrt. Von daher begreife ich den Aufhebungsvertrag nebst anstehendem Wechsel jetzt als Chance. Und bitte seien Sie versichert: Das passiert mir nicht noch einmal. Natürlich habe ich am Anfang die Schuld für die Probleme beim neuen Chef gesehen. Heute ist mir klar, dass er so handeln musste. Nun, ich habe meine Lektion gelernt.“

Kurzantwort:

Ein in Schwierigkeiten befindlicher Bewerber, der zugibt, Fehler gemacht zu haben, hat damit noch nicht jedes Problem gelöst, ist aber auf dem beste Wege, das Wohlwollen seiner Gesprächspartner zu erringen.
Frage-Nr.: 2709
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-09-18

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