Heiko Mell

Mein Gruppenleiter-Status stört

Nach meinem Studium bin ich als Gruppenleiter (2 Mitarbeiter) eines kleinen mittelständischen Unternehmens in das Berufsleben eingestiegen. Basis war ein vorangegangenes Praktikum bei dieser Firma.

Nach etwas mehr als einem Jahr möchte ich mich nun umorientieren in Richtung eines international tätigen Unternehmens. Hier strebe ich keine erneute Leitungsfunktion an, da ich den Fokus mehr auf meine fachliche Entwicklung setzen will, was in meiner derzeitigen Anstellung nicht möglich ist.

Bislang ist es schon zu ein paar Bewerbungsgesprächen gekommen. Jedes Mal war mein Einstieg als Gruppenleiter dabei ein zentraler Punkt. Ich konnte das mit Hinweisen auf das vorherige Praktikum und die Unternehmensgröße erklären.

Die allgemeine Erfolgsquote meiner Bewerbungen ist eher schlecht. Ich habe den Verdacht, dass dies an meinem Einstieg als Gruppenleiter liegt. Wie soll ich damit umgehen?

Antwort:

Berufsanfänger beginnen ihre Laufbahn nicht als Gruppenleiter; Gruppenleiter wollen danach nicht gezielt als Sachbearbeiter tätig sein; Mitarbeiter von sehr kleinen Unternehmen bewerben sich nicht unbedingt bei sehr viel größeren Häusern; Angestellte mit nur einem Jahr (das Praktikum zählt nicht) Dienstzeit bewerben sich nicht schon beim nächsten Arbeitgeber. Das alles sind Besonderheiten/Regelverstöße, die aus Ihrer Bewerbung hervorgehen. Und ein so guter Erklärer, dass Sie bei einer mündlichen Befragung nicht in Argumentationsschwierigkeiten kommen, können Sie gar nicht sein.

Ich will Ihnen wenigstens aufzeigen, welches Vorgehen von Ihnen auf dem Arbeitsmarkt als „normal“ im Sinne von üblich angesehen und keine besondere Überraschung auslösen würde:

Sie bleiben beim heutigen Arbeitgeber so lange, bis Sie drei Dienstjahre voll haben. Dann bewerben Sie sich als Gruppenleiter bei einem „vielfach größeren“ Unternehmen mit etwa 150 – 200 Mitarbeitern. Dann haben Sie durch die Unternehmensgröße einen „Fortschritt“ gemacht, Ihre Personalverantwortung würde steigen und mehr Geld könnten Sie auch verdienen.

Denken Sie daran: Wenn Sie jetzt wechseln, haben Sie berufslebenslang dieses eine Dienstjahr beim ersten Arbeitgeber im Lebenslauf. Vielleicht wäre auch Ihr heutiger Arbeitgeber, der Ihnen eine große Chance gegeben hatte, von Ihnen enttäuscht und schriebe ein eher schwaches Zeugnis. Da man nie wissen kann, was die Zukunft so bringt, vermeide man Auffälligkeiten dieser Art. Zu Ihrem heutigen Unternehmen sind Sie freiwillig gegangen, Sie kannten es aus dem Praktikum. Wenn es Ihnen schon jetzt dort nicht mehr gefällt, geht das erst einmal zu Ihren Lasten.

Da Sie meinem Vorschlag, so vermute ich, nicht folgen werden, hier die Antwort auf Ihre konkrete Frage:

„Zurückhaltend“ reagieren Bewerbungsempfänger nur auf Informationen, die sie haben. Einziger Informationsgeber sind Sie. Natürlich sollen Sie im gesamten Bewerbungsprozess nur die Wahrheit sagen – andererseits gibt es zwar Hoch-, aber keine Tiefstapler in den Gefängnissen. Wer sich zum „Leiter“ macht, ohne einer zu sein, riskiert großen Ärger. Wer Leiter ist, aber nicht darüber spricht, ist auch nicht ganz korrekt, kann sich aber auf den Standpunkt stellen, eigentlich wäre er gar keiner, in dem kleinen Unternehmen leite und entscheide der Chef ohnehin alles selbst. Das glaubt jeder, es entspricht den Erwartungen des Bewerbungsempfängers.

Lassen Sie den Gruppenleiter total raus, sowohl im Lebenslauf als auch im Anschreiben sind Sie „Mitarbeiter, verantwortlich für die Fertigungsvorbereitung“ (oder was immer Sie da tun).

Und dann schreiben Sie im Anschreiben zur kurzen Dienstzeit etwa:

„Die Anstellung in diesem überschaubaren Unternehmen ergab sich aus der Fortführung der mir im Praktikum gestellten Aufgaben. Sie war von Anfang an nur für eine begrenzte Zeit gedacht. Ich suche jetzt aus ungekündigter Position gezielt die Anstellung bei einem größeren Unternehmen, in dem ich mich auf anspruchsvolle Themen wie … und … ausrichten kann.

Meine Kündigungsfrist beträgt …“

Wenn Sie dann auch mündlich ganz gelassen so argumentieren, sollten Sie in den meisten Fällen damit durchkommen.

Kurzantwort:

1. Es empfiehlt sich, den Werdegang von Anfang an
im Rahmen üblicher Standards aufzubauen, er lässt sich
sonst später schlecht vermarkten.

2. In Bewerbungen hochzustapeln, ist sehr gefährlich,
demgegenüber ist das Tiefstapeln in bestimmten
Situationen das deutlich kleinere Übel.

Frage-Nr.: 2693
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-06-05

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