Heiko Mell

Finanzielle Probleme als Wechselgrund?

Mein Arbeitgeber steht kurz vor der Pleite, daher wurde mir gekündigt.
Würden Sie für Bewerbungen die Formulierung „Da meine bisherige Stelle aus finanziellen Gründen entfällt“ bzw. „Da die Finanzierung meiner Stelle entfällt …“ als Motivation für den Wechsel verwenden?

Antwort:

Logisch betrachtet bzw. sachlich gesehen ist es so: Die Motivation für Ihr Streben nach einer neuen Stelle ist die Kündigung, die Sie erhalten haben. Diese wiederum ist durch die finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens begründet.

Die Kurzform „Die schwierige finanzielle Lage des Unternehmens motiviert mich zu dem Wechsel“ überspringt den wichtigen Aspekt der Kündigung. Die Formulierung wäre angemessen für Bewerber, die aus noch ungekündigter Position heraus vorsorglich Bewerbungen schreiben.

Grundsätzlich gilt in einem solchen Fall:

1. Natürlich darf der Bewerber auch jetzt nichts Schlechtes über seinen Arbeitgeber sagen. Auch hüte er sich vor Schuldzuweisungen und Behauptungen spezieller Art (die ein konkretes Ereignis ankündigen, das es noch gar nicht gibt). Unmöglich wäre z. B.:“Wegen gravierender Managementfehler steht mein Arbeitgeber kurz vor der Insolvenz.“ Die Arbeit Ihrer Vorgesetzten haben Sie nicht zu beurteilen, die Insolvenz ist erst einmal ein reines – böses – Gerücht. Und: Ein toller Bewerber ist bei einem tollen Unternehmen tätig, anders kann es gar nicht sein. Er ist nicht bei einem „Saftladen“ mit unfähigem Management beschäftigt. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

2. Die Sicherung der weiteren beruflichen und persönlichen Existenz des Bewerbers ist ein hohes Gut; er ist berechtigt, zu diesem Zweck relativ weit zu gehen. Das gilt vor allem, wenn er sich bewerben muss, weil ihm gekündigt wurde – und er potenziellen neuen Arbeitgebern natürlich einen ihn entlastenden Grund für diese Kündigung liefern muss. Ohne überzeugende Begründung würden Bewerbungsempfänger spontan vermuten, er sei wegen Leistungsschwächen, Aufmüpfigkeit oder sogar krimineller Delikte gefeuert worden.

3. Sie haben zwei Möglichkeiten, das in einer Bewerbung unterzubringen:

a) „Leider steht mein Arbeitgeber vor großen wirtschaftlichen Problemen, die ihn zu einschneidenden Maßnahmen zwingen. In dem Zusammenhang wurde u. a. auch mir zum … gekündigt. Ich suche daher eine neue anspruchsvolle Aufgabe.“

Vorteil: Die Geschichte ist wahr, aus Ihrer Formulierung geht ein gewisses Verständnis für den Arbeitgeber hervor, Sie tragen im eventuellen Vorstellungsgespräch keine weiteren Probleme mit sich herum („ich muss in einem geeigneten Augenblick noch eingestehen, dass man mir ja schon gekündigt hat“).

Nachteil: Sie machen bereits im schriftlichen Stadium deutlich, dass Sie aus gekündigtem Arbeitsverhältnis kommen, von Arbeitslosigkeit bedroht und nicht mehr so ganz frei in Ihren Entscheidungen sind.

Sonstiges: Ist die Arbeitslosigkeit bereits eingetreten, ist dies die einzig mögliche Form der Darstellung (der erste Satz muss dann allerdings in die Vergangenheitsform gesetzt werden, es muss „gezwungen haben“ heißen).

b) „Mein Arbeitgeber sieht sich vor große wirtschaftliche Probleme gestellt. In diesem Zusammenhang suche ich nach einer neuen interessanten Position.“

Vorteil: Sie deuten an, sagen nicht konkret die Unwahrheit, lassen die Deutung zu, Sie würden rechtzeitig gehen wollen, ohne konkret schon zu müssen.

Nachteil: Sie sollten unbedingt in einem Vorstellungsgespräch die Wahrheit „nachliefern“. Und Sie dürfen im schriftlichen Teil der Bewerbung ebenso wie im Gespräch nicht mehr von einer „Kündigungsfrist“ sprechen – das wäre gelogen. „Ich könnte zum … bei Ihnen eintreten“, ginge hingegen problemlos.

Achtung: Wer so schreibt, im Vorstellungsgespräch nichts über die erhaltene Kündigung sagt und auf die ganz harmlose Frage „Welche Kündigungsfrist haben Sie?“ ebenso harmlos antwortet „3 Monate“, hat schon gelogen, er hat ja keine Kündigungsfrist dieser Art mehr. Die korrekte Antwort wäre: „Diese Frage stellt sich mir leider nicht mehr. Mir wurde zum … gekündigt.“

 

Sonstiges (zur Sicherheit): Sind Sie bereits arbeitslos geworden, geht das alles nicht mehr, dann ist absolute Korrektheit in Lebenslauf und Anschreiben angesagt.PS: Die eleganteste Art zu handeln ist es, rechtzeitig und vor dem Erhalt der Kündigung Bewerbungen zu schreiben. Man sollte „so etwas“ kommen sehen.

Kurzantwort:

1. Ein Arbeitnehmer, dem aus im Unternehmen liegenden Gründen gekündigt wurde, hat einen breiten Spielraum, diese Gründe zu seiner Entlastung im Bewerbungsprozess zu nennen.

2. Unterschreiben Sie niemals einen Arbeitsvertrag, ohne dem Unternehmen Ihre aktuelle arbeitsrechtliche Situation offenbart zu haben.

Frage-Nr.: 2635
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-07-05

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