Heiko Mell

Keine Reisekosten – erbärmlich oder nicht?

Frage: In der Einladung eines Unternehmens hieß es u. a.: „Vorsorglich möchten wir darauf hinweisen, dass wir keine Reisekosten erstatten. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Anreise …“Daraufhin schrieb ich u. a.: „… möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich zu dem Vorstellungsgespräch nicht erscheinen werde. Ein Unternehmen, das nicht in der Lage ist, die Reisekosten für Bewerber zu erstatten, ist in meinen Augen nicht souverän. Dabei stellt sich für mich die Frage, wie Sie ein angemessenes Ingenieurgehalt zahlen können, wenn Sie nicht in der Lage sind, die Fahrtkosten für ein Vorstellungsgespräch zu übernehmen. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie nach § 670 BGB verpflichtet sind, die Fahrtkosten zu erstatten:

Fordert ein Arbeitgeber einen Bewerber zur Vorstellung auf, so hat er ohne Rücksicht darauf, ob später ein Arbeitsverhältnis zustande kommt, die angefallenen notwendigen Auslagen und Verdienstausfälle zu ersetzen.

“Des Weiteren möchte ich noch hinzufügen, dass ich es erbärmlich finde, wie manche Unternehmen die schwierige Phase auf dem Arbeitsmarkt ausnutzen …“

Antwort:

Sie haben Richtiges und Falsches getan. Es dürfte für viele Leser interessant sein, das bewertet zu sehen:

1. Bitte handeln Sie in wichtigen Fragen niemals impulsiv – schon gar nicht, wenn es sich um potenzielle Arbeitgeber handelt, die Sie vielleicht irgendwann wieder brauchen oder als fachliche Projektpartner wiedertreffen könnten.

Außerdem ist, was schnell und hart im Ton gesagt wird, oft auch noch falsch. Dann wäre Ihre Position doppelt unschön.

Früher sagte man beim Militär: Vor wichtigen Entscheidungen soll man 24 h warten oder wenigstens eine Nacht schlafen. Das hatte etwas für sich.

2. Richtig war es abzusagen, wenn Ihnen Umstände im Zusammenhang mit der Bewerbung missfielen. Klug wäre es gewesen, dies ohne jede Begründung zu tun. Noch akzeptabel wäre ein angehängter „erzieherischer Hinweis“ gewesen: „Da Sie keine Reisekosten erstatten, möchte ich die Bewerbung nicht weiter verfolgen.“

3. Falsch war der sehr massiv von Ihnen erweckte Eindruck, der § 670 BGB laute so wie von Ihnen angegeben. Tut er aber nicht! Er lautet (überraschend kurz):“Macht der Beauftragte zum Zwecke der Ausführung des Auftrags Aufwendungen, die er den Umständen nach für erforderlich halten darf, so ist der Auftraggeber zum Ersatz verpflichtet.“ Mehr ist nicht.

Ist Ihnen klar, was ein Anwalt daraus machen kann? Ist der „Beauftragte“ mit dem Bewerber identisch – und ab wann? Wenn er den „Auftrag“ annimmt, welcher lautet: „Komme zu uns, aber zahle selbst“? Diesen „Auftrag“ mussten Sie ja nicht annehmen, haben Sie auch nicht. Die Bedingungen waren klar, Sie haben sich gar nicht beauftragen lassen, kein Grund zur Aufregung.

Konkret: Wenn der potenzielle Arbeitgeber vorher sagt, er zahle nicht, dann kommt vermutlich kein Auftrag zustande, bei dessen Ausführung Sie Ansprüche hätten. Wo haben Sie Ihren Text überhaupt her? Dieses „Zitat“ war nicht zu verantworten. Meine Interpretation ist jedoch laienhaft, daher hole ich mir Unterstützung:

4. Das „Personal-Büro in Recht und Praxis“, eine mehrbändige „Lose-Blatt-Standard-Bibel“ aus dem Haufe Verlag, sagt dazu: „Der Arbeitgeber könnte den Ersatz der Vorstellungskosten nur ausschließen, wenn er dies dem Bewerber bei der Aufforderung zur Vorstellung ausdrücklich mitteilt.“ Hat er, also ist formal alles in Ordnung, meine ich.

5. Es ist nicht erwiesen, dass man dort „nicht in der Lage“ ist, die Kosten zu zahlen – man will einfach nicht (das spart Geld; Sie müssen es nicht mögen …).

6. „Erbärmlich“ war viel zu starker Tobak.

7. Ich hätte es noch besser gefunden, das Unternehmen hätte den Mut gehabt, in die Anzeige zu schreiben: „Übrigens ersetzt die XY GmbH keine Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen.“ Aber verlangen können Sie das wohl nicht – das Vorgehen der Firma muss daher als wenig werbend, aber als noch korrekt beurteilt werden. Und Sie haben mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2371
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-11-27

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