Heiko Mell

Anerkennungsschreiben beifügen?

Frage/1: Ich möchte mich kurz halten um Fettnäpfchen zu vermeiden.

Frage/2: Bei der Zusammenstellung meiner Bewerbungsunterlagen bin ich über die Frage gestolpert, ob es sinnvoll ist, ein Anerkennungsschreiben meines aktuellen Arbeitgebers (siehe Anhang) den Zeugnisunterlagen beizufügen. Wenn ja, stellt sich die Frage, wie mit den dort enthaltenen Kunden- und Projektnamen zu verfahren ist.

Besten Dank für Ihren Rat und weiterhin viel Freude bei der Karriereberatung in den VDI nachrichten.

Antwort:

Antwort/1: Das ist leider gründlich in die Hose gegangen. Ich bin ein netter Mensch und konzentriere mich daher auch nur auf diesen Ankündigungssatz, die eigentliche Frage interessiert uns dann nur wegen ihres Inhalts (ich korrigiere sie beim Abdruck). Aber mit diesem einleitenden Satz haben Sie mich natürlich gereizt. Also dann:

1. Der erweiterte Infinitiv („Fettnäpfchen zu vermeiden“) wird dann durch ein Komma abgetrennt, wenn er mit „um“ beginnt. Es muss daher heißen: „… kurz halten, um Fettnäpfchen …“

2. „Kurz halten“ kann man einen Hund („Können Sie den mal kurz halten?“). Was Sie meinen und schreiben müssten, ist „kurz fassen“ – aber das ist erst richtig in der Form „kurzfassen“. Die Sache ist völlig klar: Man sagt: „Ich will mich kurz fassen“, wenn man fassungslos ist und einige Sekunden braucht, um seine Fassung wieder zu erlangen. „Ich will mich kurzfassen“ ist die Aussage, dass man nur wenig sagen oder schreiben möchte.

3. Bleiben die Fettnäpfchen. Was man nicht tun sollte, ist hineinzutreten. Wer unglücklich vorgeht, tritt in Fettnäpfchen, stellt aber keine auf. Also hätten Sie schreiben sollen: „… um Fettnäpfchen zu meiden“ (nicht „vermeiden“) oder „um nicht in Fettnäpfchen zu treten“.

Einige Anmerkungen dazu:

a) Nichts von dem, was in obigen Punkten steht, ist irgendwie besonders kompliziert oder gar anspruchsvoll. Es ist Alltagswissen, mehr nicht. Sie haben eine Fachhochschulreife mit Durchschnittsnote 1,4 – da darf man schon etwas erwarten.

b) Was wird eigentlich aus „diesem unserem Lande“, wenn ich diese Rolle hier einmal nicht mehr spiele? Wer traut sich dann noch, Kritik dieser Art zu üben, wer nimmt es in Kauf, sich gegebenenfalls vor großem Publikum zu blamieren?

c) Wenn ich mich schon traue, das zu tun, dann trauen Sie, liebe Leser, sich auch ruhig weiterhin, mir zu schreiben. Es kostet ja nicht den Kopf – und mitunter bewirke ich sogar etwas. So wie dieser Einsender sich immerhin der „Gefahr“ von Fehlern (die er Fettnäpfchen nennt) bewusst war, als er mit dem Klappern auf den Tasten begann. Noch war der Versuch nicht von Erfolg gekrönt, aber das Problembewusstsein ist immerhin da.

d) Und auch Sie, liebe Leser, die Sie Beiträge dieser Art so gar nicht mögen, werden zugeben: Es war eine klassische „Steilvorlage“, die unser Einsender mir da geliefert hat. Vielleicht hätte ein Stärkerer daran vorbeigehen können, ich konnte nicht.

PS: Wenn Sie einen Fehler in meinem Geschriebenen finden, beweist das nichts (außer dass ich nicht unfehlbar bin, was meine Frau seit 43 Jahren ahnt). Ich bin bloß Interpret der Regeln und Kritiker, nicht Vorbild der Nation.

Das war die Kür, nun zur Pflicht:

Antwort/2: Letzteres zuerst: Habe ich durchaus, keine Angst, das bleibt auch so, siehe auch Frage/Antwort/1.

Zur Sache: Aus einer noch laufenden Beschäftigung hat der Bewerber meist kein Zwischenzeugnis. Besonders ein „guter“ Mitarbeiter leidet darunter, die Anerkennung durch den Arbeitgeber nicht beweisen zu können. Es gilt:

a) Aus einem laufenden Arbeitsverhältnis kein die eigene Qualifikation beweisendes Dokument (z. B. ein Zwischenzeugnis) vorlegen zu können, ist Standard und wird akzeptiert. Eine gravierende Verschlechterung der Chancen einer solchen Bewerbung ist in der Regel nicht zu befürchten.

b) Es gibt „Ersatzbeweise“, die vom Bewerbungsleser akzeptiert und gern gesehen werden. Es sind dies in der Reihenfolge der üblicherweise gegebenen Überzeugungskraft:

b1) Ein Lebenslauf, der während der Beschäftigungszeit beim heutigen Arbeitgeber echte Beförderungen oder sonstige berufliche Fortschritte wie das Übernehmen erkennbar anspruchsvollerer Positionen/Aufgaben ausweist. Es sollte also Veränderungen zum Positiven hin gegeben haben.Achtung: Entsprechende „Behauptungen“ im Lebenslauf müssen nicht bewiesen werden, sie werden geglaubt (eine der Besonderheiten des Bewerbungsprozesses).

Das Prinzip: Verbesserungen im beruflichen Bereich, „obwohl“ der Arbeitgeber inzwischen Person und Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters kannte, wiegen mehr als Beförderungen, die immer nur beim Arbeitgeberwechsel erfolgten (diese gab es „auf Kredit“).

b2) Schriftliche „Ersatzdokumente“ für Zwischenzeugnisse wie Anerkennungsschreiben aus einem konkreten Anlass wie z. B. auch Begleitschreiben zur Gewährung einer Sonderprämie. Nachteil: Es wird nicht deutlich, ob nur in diesem Ausnahmefall besonderes Lob gezollt wurde (systembedingt).

b3) Das Angebot, bei Bedarf Referenzgeber aus diesem Unternehmen nennen zu können (manchmal geht so etwas, verlangen kann man das jedoch nicht). Bedingung: Die entsprechende Person muss im Rang / in der Hierarchie über dem Bewerber stehen (Kollegenlob taugt nichts, unterstellte Mitarbeiter sind nicht akzeptabel).

So, geehrter Einsender, Ihre Frage bezieht sich auf den Fall nach b2. Dabei gilt:

– das Beifügen ist grundsätzlich üblich und wird vom Bewerbungsempfänger akzeptiert;

– die Höhe der Anerkennung (Betrag in Euro etc.) deckt man ab oder schwärzt sie;

– alle Informationen, die sonst noch darin stehen und die auch nur andeutungsweise vertrauliche Informationen enthalten könnten, deckt man ab oder schwärzt sie; besonders betrifft das Namen sonstiger genannter Personen oder von Kunden (nicht jedoch die Namen unterschreibender Manager);

– in Ihrem Fall hat man für den – geschwärzten – Betrag einen Einkaufsgutschein in einem namentlich genannten Geschäft gewährt; schwärzen Sie dessen Namen (die Werbung dieses Hauses zielt eher auf einfache Gemüter) auch noch.

Erlauben Sie mir noch die Warnung, dass Ihre Bewerbung nach recht kurzer Dienstzeit beim heutigen Arbeitgeber erfolgt. Schön, man steht dort bekanntermaßen unter Druck. Aber noch ein Jahr zu bleiben, wäre optimal – sofern es machbar ist.

Kurzantwort:

Ein Bewerbungsempfänger möchte schon wissen, wie der heutige Arbeitgeber den Bewerber beurteilt. Statt der beliebten, aber nicht immer vorhandenen Zwischenzeugnisse werden auch „Ersatzbeweise“ akzeptiert.

Frage-Nr.: 2363
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-10-30

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