Heiko Mell

Lebenslauf, chrono- logisch oder nicht?

… lege ich Ihnen hier meinen Lebenslauf vor und bitte um Durchsicht (weil ich mit meinen Bewerbungen weitgehend erfolglos bleibe).

Antwort:

Es ist auch nach sehr vielen Berufsjahren ein Fehler zu denken, man hätte jeden Unsinn schon einmal gesehen. Ständig wachsen neue Generationen von Studenten und Jungakademikern heran, die offenbar auf der Suche nach ganz neuen Merkwürdigkeiten erstaunlich erfolgreich sind.

Nun kann man sich, wir hatten das hier schon öfter, trefflich über den Aufbau des Lebenslaufs streiten. Lassen wir heute einmal die Argumente beiseite (ich bin zwar zutiefst überzeugt davon, mit meiner „richtigen“ Version richtig zu liegen – aber stinken Sie in diesem Lande mal gegen etwas an, das „amerikanisch“ heißt). Ich will einmal nicht diskutieren, ich will Ihre gefundene Lösung bewundern:

Sie bauen Ihr Werk „falsch herum“ auf, beginnen also mit „heute“ – schreiben dann aber „chronologischer Lebenslauf“ darüber! Das nun schlägt alles.

Ich bin ja sogar der Meinung, dass schon „Lebenslauf“ die falsche Überschrift ist, weil der Lauf des Lebens mit der Geburt beginnt und sich bis heute fortentwickelt hat. Aber „chronologisch“ ist das, was Sie bieten, ja nun überhaupt nicht!

Die „Chronologie“ ist u. a. die zeitliche Abfolge von Ereignissen, dementsprechend bedeutet „chronologisch“ schlicht „zeitlich geordnet“ – und zwar dem Zeitablauf entsprechend. Wer also eine „chronologische Darstellung“ gibt, muss sich an die richtige zeitliche Schilderung halten. Sie aber haben über eine weiße Parkbank das Schild „schwarz gestrichen“ gehängt.

Meine Empfehlung lautet etwa so:

1. Bestimmte Wörter/Begriffe gehören für einen Akademiker zur Allgemeinbildung, ob erster oder zweiter Bildungsweg, ob mit Abitur oder ohne. Wer Schwächen hat, lese täglich eine anspruchsvolle, überregionale Tageszeitung von vorne bis hinten durch und schlage alle Wörter nach, die er nicht versteht. Zeitungen sind in ihrem Anspruch in den Bereichen Politik und Wirtschaft auf durchschnittliche Ansprüche ausgerichtet, das Feuilleton können Sie überschlagen, „dat kriejen mir später“ (Paul Henckels als Gymnasiallehrer Bömmel in „Die Feuerzangenbowle“).

2. Es reicht für normale Ansprüche, wenn Sie einen tabellarischen, chronologischen, richtigen oder falschen, deutschen oder amerikanischen Lebenslauf schlicht „Lebenslauf“ nennen, weitere Zusätze sind nicht erforderlich. Wenn Sie einen chronologischen, tabellarischen Lebenslauf anfertigen wollen, dann tun Sie es einfach, nennen Sie ihn aber stets nur „Lebenslauf“.

Bitte sagen Sie nun nicht, es sei doch alles nicht so schlimm. Schön, das eine Wort sei vielleicht falsch, aber Ihre fachliche Qualifikation müsse doch auch …

Nun, Sie sind Anfänger. Da gibt es noch nicht viel an echter, sofort umsetzbarer Fachqualifikation. Der Anfänger kann allenfalls zu Hoffnungen berechtigen, eines Tages möge er das erforderliche Wissen und Können erworben haben. Die falsche Verwendung alltagsüblicher Fremdwörter wird von vielen Bewerbungslesern mit „ungebildet“ kommentiert. Wenn Sie dann noch auf dem Foto etwas wirr in die Stirn hängende Haare mit einem T-Shirt kombinieren (haben Sie), ergibt sich schnell ein eher kritischer Eindruck. Dessen „Durchschlagskraft“ hängt wiederum von der Position ab, die Sie anstreben. Beim Traineeprogramm eines Top-Konzerns sieht das anders aus als bei der Bewerbung um einen „harmlosen“ Direkteinstieg beim Mittelstand in der Provinz (sofern kein Kundenkontakt vorgesehen ist!).

Frage-Nr.: 2354
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-09-24

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